Job-Kahlschlag bei VW und Porsche — CATL und XPeng auf Wachstumskurs

VW und Porsche planen tausende Stellenstreichungen, während XPeng in München ein neues Modell enthüllt und CATL auf Natrium-Ionen-Batterien setzt.

Auf einen Blick:
  • VW erwägt Abbau von 70.000 Stellen
  • Porsche kürzt 4.000 Stellen in Verwaltung
  • XPeng präsentiert neues SUV-Coupé in München
  • CATL liefert Natrium-Speicher nach Europa

Während in Wolfsburg der Aufsichtsrat tagt und Zehntausende Jobs auf der Kippe stehen, feiert ein chinesischer Herausforderer in München Weltpremiere. Porsche kürzt parallel im eigenen Haus, CATL wettet derweil auf eine völlig neue Batterie-Chemie. Selten lagen Krise und Aufbruch in der Autobranche so nah beieinander wie in dieser Woche.

Volkswagen: Aufsichtsrat tagt, Belegschaft rebelliert

Der Aufsichtsrat von Volkswagen beriet über ein umfassendes Restrukturierungspaket — und hinterließ danach mehr Fragen als Antworten. Nach der Sitzung äußerte sich der Konzern nicht weiter zu möglichen Werksschließungen oder Stellenabbau, obwohl das Management zuvor ein Paket mit zwölf Initiativen und der Vision „Zielbild 2030“ vorgestellt hatte.

Medienberichten zufolge soll das Management um Konzernchef Oliver Blume deutlich weitreichendere Einschnitte geplant haben als bislang bekannt: bis zu 70.000 zusätzliche Stellen, oben auf den bereits vereinbarten Abbau von 50.000 Jobs. Bei weltweit mehr als 650.000 Beschäftigten wäre das ein historischer Einschnitt.

Die Belegschaftsvertretung reagierte entsprechend scharf. Betriebsratschefin Daniela Cavallo erklärte, das Fass sei übergelaufen, der Umgang mit der Belegschaft könne an Respektlosigkeit kaum überboten werden. Auch Branchenkenner Ferdinand Dudenhöffer zeigte sich unbeeindruckt vom Ergebnis der Sitzung: Es seien lediglich allgemeine, größtenteils bereits bekannte Ziele kommuniziert worden, konkrete Beschlüsse habe es nicht gegeben.

An der Börse notierte die VW-Vorzugsaktie zuletzt bei 73,38 Euro, nach einem Kursgewinn von 0,11 Prozent im Tagesverlauf. Der Titel bleibt aber angeschlagen: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 29,54 Prozent zu Buche, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro beträgt fast ein Drittel. Zum jüngsten 52-Wochen-Tief bei 69,20 Euro ist es dagegen nicht mehr weit. Die zuletzt vorgelegten Jahreszahlen zeigten ebenfalls Substanzverlust: Der Umsatz sank von 324,7 auf 321,9 Milliarden Euro, während der Gewinn von 11,4 auf 7,3 Milliarden Euro einbrach — ein Rückgang von mehr als einem Drittel.

XPeng: Münchner Weltpremiere zielt auf Europas Massenmarkt

XPeng wählte für sein wichtigstes neues Modell eine ungewöhnliche Bühne. Die Weltpremiere fand am Donnerstag in München statt — ein Novum, denn bislang hatte der chinesische Hersteller neue globale Modelle stets in China vorgestellt. Der neue SUV-Coupé L03 soll noch in diesem Jahr in 64 Ländern und Regionen an den Start gehen.

Der Preis ist die eigentliche Kampfansage: Mit einem Einstiegspreis von 34.990 Euro unterbietet XPeng den Tesla Model Y in Deutschland um rund 3.400 Euro. Die Basisversion mit Hinterradantrieb leistet 180 Kilowatt und schafft nach WLTP bis zu 445 Kilometer Reichweite. Im Herbst folgt eine Range-Extender-Variante ab 38.600 Euro, bei der ein 1,5-Liter-Benziner ausschließlich als Generator für die 37-kWh-Batterie dient — der Wagen fährt dabei stets rein elektrisch, mit einer Gesamtreichweite von bis zu 1.000 Kilometern.

Volkswagen hat an diesem Erfolg ein direktes Eigeninteresse: Der Konzern hält eine Fünf-Prozent-Beteiligung an XPengs Entwicklungsarbeit. Der Rückenwind in Europa ist bereits spürbar — 2025 wurden 22.787 Fahrzeuge auf dem Kontinent ausgeliefert, ein Plus von 126 Prozent gegenüber dem Vorjahr. An der Börse zeigte sich die Aktie zuletzt allerdings volatil: Nach einem Tagesminus von 3,92 Prozent notiert sie bei 11,76 Euro, seit Jahresbeginn steht ein Rückgang von 34,85 Prozent zu Buche.

CATL: Natrium-Ionen-Wette wandert vom Labor ins europäische Stromnetz

CATL treibt seine „In Europe, for Europe“-Strategie voran und eröffnet dabei eine neue Front gegen die Lithium-Abhängigkeit. Der Batteriehersteller unterzeichnete eine Absichtserklärung mit dem niederländischen Energiedienstleister Alfen über die Lieferung von 5 Gigawattstunden Natrium-Speichertechnologie für Westeuropa ab 2027 — laut CATL der erste Einsatz dieser Art auf dem europäischen Markt.

Der Zeitpunkt fällt in eine Phase deutlicher Rohstoffbewegungen: Der Lithiumhydroxid-Preis an der CME hat sich seit Jahresbeginn spürbar erholt und notiert erstmals seit Ende 2023 wieder über 20.000 US-Dollar je Tonne. Für CATL selbst geht es dabei um gewaltige Dimensionen. Für 2026 rechnet der Konzern mit Batterielieferungen von über 1.000 Gigawattstunden, nach rund 660 Gigawattstunden im Vorjahr.

Auf der automobilen Seite kommen die Natrium-Zellen zunächst in kleineren Stückzahlen zum Einsatz: CATL rechnet 2026 mit rund 10.000 bis 20.000 Elektrofahrzeugen, die mit den sogenannten Naxtra-Zellen ausgestattet werden. Parallel wächst die europäische Fertigung weiter — am Standort Arnstadt bei Erfurt soll die Kapazität von anfänglich 14 auf bis zu 60 Gigawattstunden bis Ende 2026 steigen. An der Börse in Shenzhen gab die Aktie zuletzt um 1,69 Prozent nach auf 360,00 Yuan, bleibt aber auf Zwölfmonatssicht mit einem Plus von 36,09 Prozent klar im Vorteil gegenüber vielen westlichen Wettbewerbern.

Steyr Motors: Sechsmonatstief trotz Wachstumszielen

Bei Steyr Motors bleibt die Aktie unter Druck, weil Anleger zunehmend bezweifeln, dass die ambitionierten Wachstumsziele für 2026 erreichbar sind. Zuletzt markierte der Titel ein Sechsmonatstief nahe des 52-Wochen-Tiefs von 27,50 Euro. Aktuell notiert die Aktie bei 32,82 Euro, nach einem Tagesminus von 1,32 Prozent.

Die Zahlen zum ersten Quartal enttäuschten Beobachter. Der Umsatz stieg nur um 1,7 Prozent von 11,5 auf 11,7 Millionen Euro — und selbst das nur dank der BUKH-Übernahme. Das operative Ergebnis brach dagegen von 2,1 auf 0,9 Millionen Euro ein, die EBIT-Marge sackte von 18 auf 8 Prozent.

Ein Kommentator in einem Anlegerforum brachte die vorsichtige Stimmung auf den Punkt: Kurse über 35 Euro seien erreichbar, wenn Steyr Motors zeige, dass zumindest die Hälfte des angekündigten Wachstumsziels für 2026 realistisch sei. Bleibe im zweiten Quartal ein klares Wachstumssignal aus, drohe der Kurs weiter zu fallen. Trotz der Kursschwäche hält zumindest ein Analystenhaus an einer positiven Einschätzung fest — NuWays AG bestätigte im Mai eine Kaufempfehlung.

Porsche AG: China-Flaute belastet vor Halbjahreszahlen

Porsche steuert mit einer schwierigen Bilanz auf seinen Halbjahresbericht zu. Im ersten Halbjahr wurden 122.306 Fahrzeuge ausgeliefert, ein Rückgang von 16 Prozent gegenüber den 146.391 Einheiten des Vorjahreszeitraums. Als Gründe gelten das Auslaufen des verbrenner-basierten 718, die starke Vorjahresnachfrage nach dem vollelektrischen Macan sowie der Wegfall von Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den USA.

China bleibt dabei der schmerzhafteste Markt. Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche bei der Panamera-Baureihe: Hier brachen die Auslieferungen im ersten Halbjahr um 38 Prozent auf 9.308 Einheiten ein, vor allem wegen einer vorübergehenden Lieferlücke im wichtigen chinesischen Markt.

Parallel zur Absatzschwäche verschärft Porsche sein Sparprogramm. Medienberichten zufolge sollen weitere 4.000 Stellen wegfallen, im Rahmen eines „Zukunftspakets“, das Ende Juli vorgestellt werden soll. Betroffen sind vor allem Management und Verwaltung, rund 30 Prozent der Kapazitäten am Entwicklungsstandort Weissach stehen auf dem Prüfstand. Zusammen mit dem bereits im März angekündigten Abbau summiert sich der Stellenabbau auf rund 8.000 Positionen.

Die Aktie notiert aktuell bei 44,80 Euro, nach einem leichten Tagesminus von 0,62 Prozent, auf Wochensicht steht ein Rückgang von 1,06 Prozent zu Buche. Der Halbjahresbericht am 29. Juli gilt als nächster wichtiger Kurstreiber. Die Deutsche Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 45 Euro und erwartet, dass Restrukturierungskosten durch die Auflösung von Rückstellungen abgefedert werden. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 45,87 Euro — ein Potenzial von 2,39 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.

Fünf Aktien, fünf Richtungen

Die Gegensätze innerhalb des Sektors könnten kaum größer sein:

  • Volkswagen: Überkapazitäten, Tarifkonflikt und ein Management, das sich öffentlich nicht festlegen will — der Kurs verharrt nahe Mehrjahrestiefs.
  • Porsche AG: China-Nachfrage bricht weg, US-Steuervorteile fallen weg — die Konzerntochter zieht mit einem eigenen Sparpaket nach.
  • XPeng: Die Münchner Weltpremiere signalisiert Selbstbewusstsein — westeuropäische Volumensegmente gelten als gewinnbar, direkt zulasten von ID.4, ID.5 und Enyaq.
  • CATL: Der Konzern steht über dem automobilen Tagesgeschäft, diversifiziert in Netzspeicher und beliefert dabei weiterhin nahezu jeden großen Autobauer — auch Volkswagen.
  • Steyr Motors: Fernab vom Passagierwagen-Wettbewerb sorgt das Auftragsbuch aus Verteidigungs- und Marinemotoren für langfristige Sichtbarkeit, auch wenn kurzfristige Wachstumszahlen enttäuschen.

Wohin die Reise geht

Bei Volkswagen dürfte das nächste konkrete Signal kommen, sobald das Ultimatum der Belegschaftsvertretung ausläuft und weitere Details des „Zielbild 2030“-Pakets bekannt werden. Entscheidend wird sein, ob tatsächlich Werksschließungen beschlossen werden oder der Konzern schwierige Entscheidungen weiter aufschiebt.

Für Porsche wird der Halbjahresbericht am 29. Juli zum zentralen Prüfstein — er dürfte zeigen, wie hoch die Restrukturierungskosten tatsächlich ausfallen und ob sich die China-Nachfrage stabilisiert. Bei XPeng entscheidet der Rollout des L03 in 64 Märkten, ob europäische Käufer trotz EU-Zöllen auf ein chinesisches Volumenmodell setzen. CATLs Natrium-Ionen-Zeitplan bleibt dagegen noch Zukunftsmusik, da internationale Lieferungen erst Mitte 2027 anlaufen. Bei Steyr Motors richten sich die Blicke auf das zweite Quartal — nur ein klares Wachstumssignal dürfte die zuletzt enttäuschten Anleger wieder überzeugen.

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