Der Solarmodulhersteller JinkoSolar hat am heutigen Donnerstag einen bedeutenden technologischen Fortschritt verkündet. Dem Unternehmen ist es gelungen, den Wirkungsgrad seiner TOPCon-Solarzellen im industriellen Maßstab auf einen neuen Rekordwert zu heben. Zeitgleich treibt der Konzern die Umgestaltung seines US-Geschäfts voran und trennt sich von einer Mehrheitsbeteiligung an einem Produktionsstandort in Florida, um auf veränderte regulatorische Rahmenbedingungen zu reagieren.
Technologischer Durchbruch bei TOPCon-Zellen
In Kooperation mit dem Ningbo Institute of Materials Technology and Engineering (NIMTE) sowie den Universitäten Soochow und Jiliang hat JinkoSolar eine Effizienz von 26,6 Prozent für seine TOPCon-Solarzellen auf einem M10-Wafer erzielt. Dieser Wert wurde von einer unabhängigen dritten Partei verifiziert und markiert einen neuen Meilenstein für die industrielle Fertigung großflächiger Zellen. Die technologischen Details des Durchbruchs, darunter eine offene Klemmenspannung von 744,6 Millivolt und eine Bifazialität von 88,3 Prozent, wurden in der Fachzeitschrift „Nature Energy“ veröffentlicht.
Das Unternehmen unterstreicht damit seine Ambition, die Effizienzgrenzen der Photovoltaik weiter zu verschieben. JinkoSolar hält bereits Laborrekorde von über 27 Prozent und verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2028 Wirkungsgrade von mehr als 28 Prozent zu erreichen. Diese Innovationen sind für den Konzern essenziell, um sich in einem Marktumfeld zu behaupten, das zuletzt von sinkenden Margen und einem hohen Preisdruck bei Solarmodulen geprägt war.
Verkauf der Jacksonville-Beteiligung
Parallel zur technologischen Offensive passt JinkoSolar seine globale Fertigungsstruktur an. Medienberichten zufolge hat das Unternehmen eine Beteiligung von 75,1 Prozent an seinem Werk in Jacksonville für 192 Millionen US-Dollar an FH Capital veräußert. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter US-Handelsbestimmungen und geänderter Eigentumsregeln für ausländische Unternehmen im amerikanischen Solarsektor. JinkoSolar folgt damit einem Branchentrend: Auch Wettbewerber wie Trina Solar und JA Solar haben zuletzt Fabriken in den USA verkauft oder Anteile reduziert, um den neuen regulatorischen Anforderungen zu entsprechen.
Die strategische Veräußerung erfolgt in einer für das Unternehmen finanziell sensiblen Phase. Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2025, in dem JinkoSolar bei einem Umsatzrückgang von 29,18 Prozent den ersten Jahresverlust seit zwölf Jahren hinnehmen musste, steht die Stabilisierung der Bilanz im Fokus. Die Aktie spiegelt diese Herausforderungen wider und notiert aktuell bei 12,74 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits 43,88 Prozent an Wert verloren.
Management-Umbau nach Verlustjahr
Um den Turnaround zu bewältigen, hat JinkoSolar weitreichende Veränderungen in der Führungsebene eingeleitet. Cao Haiyun wurde zum General Manager ernannt, während Jiang Rui und Chang Chen in leitende Positionen befördert wurden. Dieser personelle Umbau ist Teil einer umfassenden Neuausrichtung, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr mit negativen Nettoprofiten zu kämpfen hatte.
Im Zuge dieser Umstrukturierung legte bereits vor rund drei Wochen Mitgründer Chen Kangping sein Amt als stellvertretender Vorsitzender nieder. Das neue Führungsteam muss nun den Spagat zwischen kostspieligen technologischen Innovationen und der notwendigen Konsolidierung in einem volatilen Marktumfeld meistern. Dass der Weg zur alten Stärke noch weit ist, zeigt der Blick auf die langfristige Kursentwicklung: Mit dem aktuellen Niveau ist der Titel etwa 53,59 Prozent von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt. Anleger beobachten nun genau, ob die neuen Rekordwerte in der Zelleneffizienz zeitnah in eine verbesserte Profitabilität übersetzt werden können.
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