Am gestrigen Freitag gab das Papier um 2,7 Prozent nach und ging bei 9,12 Euro aus dem Handel. Der Rückgang fügt sich nahtlos in ein ernüchterndes Gesamtbild ein, denn seit Jahresbeginn hat der Titel bereits 60 Prozent an Wert eingebüßt.
Angesichts dieses anhaltenden Abwärtstrends versucht der Solarkonzern nun, die Flucht nach vorn anzutreten. Mit einer umfassenden Umstrukturierung und der geplanten Umbenennung in Jinko Holdings Limited will das Management ein neues Kapitel aufschlagen.
Für mich greift dieser Vorstoß allerdings zu kurz. Ein verändertes Firmenschild an der Konzernspitze schafft für sich genommen noch keinen wirtschaftlichen Mehrwert für die Aktionäre. Zwar wächst das Speichergeschäft des Konzerns dynamisch, doch die strukturellen Belastungen der gesamten Branche lassen sich durch kosmetische Anpassungen auf Holdingebene kaum lösen.
Umbau zur Holding und anstehende Hauptversammlung
Die Weichen für den formalen Wandel sind bereits gestellt. Auf der für den 21. Oktober in Shanghai einberufenen ordentlichen Hauptversammlung sollen die Anteilseigner über die neue Firmenbezeichnung abstimmen.
Neben dem englischen Namen Jinko Holdings Limited soll dabei auch ein dualer chinesischer Firmenname eingeführt werden. Zudem stehen die Wiederwahl der Vorstandsmitglieder Gang Chu und Steven Markscheid sowie die Bestätigung von PricewaterhouseCoopers Zhong Tian LLP als Wirtschaftsprüfer auf der Tagesordnung.
Wer an dieser Abstimmung teilnehmen möchte, muss die Papiere bereits am 21. September im Depot gehalten haben. Nach dem geplanten Vollzug soll die Muttergesellschaft als reine Holding agieren, während das operative Geschäft bei der in Shanghai notierten Tochtergesellschaft gebündelt bleibt.
An der New Yorker Börse sollen die Hinterlegungsscheine unverändert unter dem Kürzel JKS notieren. Für Anleger birgt eine solche Konstruktion jedoch das Risiko anhaltender Holdingabschläge, da der direkte Durchgriff auf die operativen Erträge erschwert wird.
Speichergeschäft als strategischer Hoffnungsträger
Um den margenschwachen Modulmärkten zu entkommen, forciert das Management den Ausbau der Speicheraktivitäten. Die Tochtergesellschaft Jinko ESS meldete zuletzt spürbare Fortschritte bei ihrer weltweiten Expansion.
Auf der Fachmesse Intersolar South America vereinbarte die Einheit eine Kooperation mit UCB Power, um die lokale Industrialisierung von Batteriespeichern in Brasilien voranzubringen. Im Nahen Osten sicherte sich das Unternehmen zudem einen Vertriebsvertrag mit Innovative Efficient Solutions für seine SunGiga-G2-Speichersysteme.
Auch qualitativ versucht sich die Speichersparte zu profilieren. So erhielt die Einheit kürzlich eine Auszeichnung des TÜV für die Zuverlässigkeit ihrer Systeme, während das Werk in Haining die Zertifizierung als emissionsfreie Fabrik mit Drei-Sterne-Status bestand.
Parallel dazu meldete das klassische Photovoltaikgeschäft solide Absatzvolumina. Die Modulserie Tiger Neo übertraf innerhalb von zehn Monaten nach ihrer Einführung weltweit Bestellungen von mehr als 30 Gigawatt.
Mein Fazit für Investoren
Trotz dieser technologischen Lebenszeichen bleibt die Zurückhaltung an den Finanzmärkten verständlich. Die internationalen Vertriebserfolge bei Großspeichern und Modulen belegen zwar die industrielle Substanz des Unternehmens. Doch solange der weltweite Preisdruck die Ertragskraft der Hersteller aushöhlt, dürfte der geplante Holdingumbau an der Börse weitgehend wirkungslos verpuffen.
Unterm Strich steht das Unternehmen vor einer Bewährungsprobe. Ein neuer Konzernname ändert nichts an den Überkapazitäten der Branche. Erst wenn sich die Margen im Kerngeschäft stabilisieren und die Speichersparte verlässliche Gewinne abwirft, überwiegen für mich die Chancen wieder die Risiken. Bis dahin bleibt die Aktie vor allem ein Papier für risikobereite Beobachter.
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