Jetzt auch IBM: Gegen KI- und Software-Selloff gibt es keinen Schutz

IBM: Viel Personal für Expansionskurs benötigt

Auf einen Blick:
  • laufenden Marktphasen
  • Kommt es zu Geldabfluss?
  • trotz KI-Wandel noch immer gebraucht
  • Zahlenwerk überzeugend
  • Investoren nehmen IBM in Sippenhaft

Liebe Leserinnen und Leser,

eine alte Börsenweisheit sagt: Die Flut hebt alle Boote. Damit ist gemeint, dass in gut laufenden Marktphasen auch die Aktien gewinnen, die ein nicht ganz so überzeugendes Geschäftsmodell haben. In solchen Phasen werden auch kleinere Verfehlungen verziehen und Risiken bei Investitionen in Kauf genommen.

Aktuell geht das Wasser bei Aktien mit KI- und vor allem Software-Bezug jedoch zurück und dementsprechend genau wird bei diesen Unternehmen hingeschaut. Wird dann bei der Bekanntgabe von Geschäftsergebnissen nicht abgeliefert, wie vom Markt erhofft, geht es mit der Aktie gen Süden. Besonders die Papiere, die mit der Flut gestiegen sind, verlieren dann überdurchschnittlich.

In diesen Phasen wird allerdings auch Geld aus Unternehmen abgezogen, die eigentlich zu überzeugen wissen. Kommt es zu Geldabfluss oder einer systematischen Branchenrotation der Anleger, gibt es keinen Schutzmechanismus. Gut sichtbar wurde dies in der zurückliegenden Woche bei dem IT-Konzern IBM. Die Aktie verlor ohne kursrelevante Nachrichten über 6%.

IBM: Viel Personal für Expansionskurs benötigt

Ein möglicher Auslöser: Berichte, wonach IBM plant, die Zahl der Einstiegsstellen in den USA deutlich auszuweiten – konkret soll die Einstellung von Berufseinsteigern in den kommenden Jahren verdreifacht werden. Wörtlich hieß es: „Ja, wir stellen Personal für Jobs ein, von denen es heißt, dass KI diese Aufgaben machen kann.“ In einem nervösen Marktumfeld wird so eine Meldung sehr kritisch beäugt. Höhere Personalkosten, womöglich geringere KI-Effizienz als angenommen und drohender Margendruck, das sind die Schlagworte, die dann schnell die Runde machen.

Aus meiner Sicht ist das aber zu kurz gedacht. IBM erklärte, dass schlaue Software-Entwickler trotz KI-Wandel noch immer gebraucht werden. Wir sind noch nicht im ausgereiften KI-Zeitalter und bis dahin muss noch einiges unternommen werden. Es macht also weiterhin Sinn, kluge Fachkräfte einzustellen, wenn man im KI-Expansionsmodus ist.

Zahlen zeigen: IBM auf Wachstumskurs – besonders im KI-Bereich

Und IBM expandiert. Die Zahlen, die IBM Ende Januar vorgelegt hat, zeigen das. Im vierten Quartal kletterte der Umsatz um 12% auf 19,7 Mrd. USD und lag damit klar über den von Analysten erwarteten 19,2 Mrd. USD. Treiber waren vor allem das Software- und Infrastrukturgeschäft, die um 14% beziehungsweise 21% zulegten. Innerhalb der Software stachen besonders Datenlösungen mit einem Plus von 22% sowie Automatisierung mit +18% hervor. Das Hybrid-Cloud-Geschäft wuchs um 10%. In der Infrastruktur sorgte die neue IBM-Z-Generation für einen regelrechten Schub – hier schnellten die Erlöse um 67% nach oben.

Auch ergebnisseitig fiel das Zahlenwerk überzeugend aus. Der Quartalsgewinn sprang auf 5,60 Mrd. USD beziehungsweise 5,88 USD je Aktie nach 2,92 Mrd. USD im Vorjahr. Bereinigt lag das Ergebnis bei 4,52 USD je Aktie und damit deutlich über den Markterwartungen von 4,31 USD.

Ein zentrales Zukunftsfeld bleibt dabei die generative KI – trotz der aktuellen Marktdiskussionen. Das entsprechende „Book of Business“ – also bereits gesicherte Aufträge und Projekte – liegt inzwischen bei über 12,5 Mrd. USD. Allein gegenüber dem dritten Quartal entspricht das einem Zuwachs von 3 Mrd. USD. Finanzchef Jim Kavanaugh erwartet, dass sich dieses Wachstum in ähnlichem Tempo fortsetzt. „Was wir hier sehen, sind die frühen Anzeichen eines Übergangs von der Experimentierphase hin zur Skalierung produktiver KI-Anwendungen in Unternehmen.“

Trotz Marktstellung und Diversifikation: Investoren nehmen IBM in Sippenhaft

Wem die geschlagenen Markterwartungen nicht genug waren, für den hatte IBM also starke KI-Zuwächse als Kaufgrund und wem das zu speziell war, auch noch eine 2026er-Guidance, die über den Analystenerwartungen lag, parat. Das reichte dann, um die Aktie infolge der Zahlen nahe Allzeithoch zu schicken. Wie eingangs geschrieben, hielt die Euphorie zum Leidwesen der Aktionäre nicht lange.

Alles, was irgendwie mit KI und Software zu tun hat, wurde in den vergangenen beiden Wochen pauschal verkauft. Dabei unterscheidet sich IBM fundamental von hochbewerteten Wachstumswerten, die stark von optimistischen KI-Fantasien leben. IBM kombiniert Software, Beratung und Infrastruktur zu einem integrierten Angebot. Die hohen wiederkehrenden Umsätze im Softwaregeschäft und die langfristigen Consulting-Verträge sorgen für Substanz.

Wachstumsperspektiven und Quantum-Chance werden ignoriert

Die geplante Ausweitung der Einstiegsstellen ist zudem strategisch sinnvoll. IBM investiert in Talente, um die Nachfrage nach Cloud- und KI-Projekten bedienen zu können. Gerade im Consulting-Bereich ist qualifiziertes Personal nach wie vor ein Engpassfaktor und Kavanaugh stellte „KI-Zuwächse in ähnlichem Tempo“ in Aussicht. Wer hier frühzeitig Kapazitäten aufbaut, sichert sich spätere Marktanteile. Der KI-Kuchen ist noch längst nicht voll aufgegangen und die Stücke sind noch längst nicht verteilt. Kurzfristig mögen höhere Personalkosten die Marge leicht belasten, mittelfristig erhöhen sie jedoch die Wachstumsperspektive.

Ein weiterer Punkt, der bei IBM vollkommen untergeht, da aufstrebende Spieler wie beispielsweise D-Wave Quantum medial die Nase vorn haben, ist das Thema Quantum Computing. IBM zählt hier – für viele unbekannt – zu den führenden Anbietern weltweit und betreibt bereits im Gegensatz zu anderen Unternehmen kommerziell zugängliche Quantencomputer. Zwar steht das Geschäft noch am Anfang, doch IBM verfügt über die finanziellen Ressourcen und die technologische Basis, um diese Zukunftstechnologie weiterzuentwickeln. Während kleinere Wettbewerber auf externe Finanzierung angewiesen sind, kann IBM aus dem laufenden Cashflow investieren.

IBM-Aktie: Bei Branchenerholung vorne dabei?

Genau diese Ressourcenausstattung ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Mit über 10 Mrd. USD freiem Cashflow pro Jahr kann IBM gleichzeitig in neue Technologien investieren, Schulden abbauen, Dividenden zahlen und Aktien zurückkaufen. Bei kleinen vermeintlich „heißen“ Quantum-Unternehmen haben sie nach der vierten Kapitalerhöhung nur noch die Hälfte dessen, was Sie vorher am Unternehmen besaßen.

IBM hat sich in den vergangenen Jahren konsequent neu ausgerichtet. Der Fokus liegt schon längst nicht mehr auf Hardware, sondern auf Hybrid-Cloud und KI-Lösungen für Großkunden. Mit der Red-Hat-Plattform, Automatisierungssoftware und der KI-Suite watsonx adressiert IBM vor allem Branchen wie Banken+Versicherung, Industrie und Behörden.

Der jüngste Rücksetzer ist aus meiner Sicht weniger eine Warnung, dass die Erwartungen an IBM zu hoch sind, denn eine Folge der allgemeinen Branchenschwäche. IBM hat stark abgeliefert, blickt mit Optimismus auf die KI-Ära und investiert in Zukunftstechnologien. Gut vorstellbar, dass die Aktie bei einer Branchenerholung die aktuelle Kursdelle schnell ausbügeln kann. Erfahren Sie mehr in der Tech-Aktien Masterclass!

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