Beim portugiesischen Handelskonzern Jeronimo Martins rückt das Geschäft im wichtigsten Kernmarkt Polen zunehmend in den Fokus. Nachdem Vermittlungsgespräche zwischen der Tochtergesellschaft Jeronimo Martins Polska und der Gewerkschaft Solidarność bei der Supermarktkette Biedronka gescheitert sind, droht eine Verschärfung des Tarifkonflikts. Die Arbeitnehmervertreter kündigten nach dem ergebnislosen Ende der Schlichtung die Vorbereitung eines Streikreferendums an.
Zuspitzung bei der polnischen Kernmarke
Die Drohung mit einem Arbeitskampf trifft das Unternehmen an einer empfindlichen Stelle. Biedronka bildet die tragende Säule im Gesamtkonzern und steuert den Großteil des operativen Geschäfts bei.
Medienberichten zufolge konnten sich die Unternehmensleitung und Solidarność in den Schlichtungsgesprächen nicht auf gemeinsame Bedingungen verständigen. Sollte das angekündigte Referendum der Beschäftigten eine Mehrheit für Arbeitskampfmaßnahmen ergeben, drohen logistische Reibungsverluste und Betriebsunterbrechungen im eng getakteten Filialnetz.
Parallel zum schwelenden Konflikt mit der Belegschaft sieht sich der Konzern in Polen mit juristischen Auseinandersetzungen konfrontiert. Vor rund zwei Wochen verhängte die polnische Wettbewerbsbehörde UOKiK eine Geldbuße in Höhe von rund 525 Millionen Złoty gegen Jeronimo Martins Polska.
Der Vorwurf der Kartellwächter lautet auf eine mutmaßliche Absprache mit Transportunternehmen, die darauf abgezielt haben soll, den Wechsel von Lkw-Fahrern zwischen Arbeitgebern zu beschränken. Jeronimo Martins wies jede Beteiligung an illegalen Praktiken zurück und kündigte an, die Entscheidung gerichtlich anzufechten. Die Verfügung der Behörde ist bislang nicht rechtskräftig.
Kursrückgang im schwachen Jahresverlauf
Am heutigen Handelstag geriet das Papier in Lissabon spürbar unter Druck. Medienberichten zufolge zählte der Titel im Tagesverlauf zu den schwächsten Werten am portugiesischen Aktienmarkt. Der Kurs sank heute um 3,6 Prozent auf 17,02 Euro. Die jüngsten Abgaben reihen sich in ein anhaltend schwieriges Börsenumfeld für den Einzelhändler ein: Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie einen Wertverlust von 16 Prozent.
Klarheit über die finanziellen Auswirkungen des Marktumfelds und der operativen Belastungen erwarten Marktteilnehmer zum Monatsende. Jeronimo Martins hat die Veröffentlichung der Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des Jahres für den 28. Oktober angekündigt. Dabei dürfte insbesondere die Margenentwicklung der polnischen Tochtergesellschaft im Fokus der Anleger stehen.
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