JD.com hat am Montag seinen lange erwarteten Vorstoß in den europäischen Markt vollzogen. Die neue Plattform Joybuy ist nun in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Luxemburg verfügbar. Das chinesische Unternehmen setzt dabei auf eine Strategie, die sich deutlich von den Ansätzen der Konkurrenten AliExpress und Temu unterscheidet.
Lokale Infrastruktur als Wettbewerbsvorteil
Während andere chinesische Anbieter auf schlanke Modelle mit Direktversand aus China setzen, investiert JD.com in eine eigene europäische Logistikstruktur. Matthew Nobbs, Managing Director von Joybuy UK, erklärte, dass das Unternehmen über 60 Lager und Depots in Europa verfügt. Bestellungen, die vor 11 Uhr aufgegeben werden, sollen noch am selben Tag zugestellt werden. Bei Bestellungen bis 23 Uhr verspricht das Unternehmen eine Lieferung am Folgetag.
Mehr als 15 Millionen Haushalte in Europa könnten bereits zum Start von der Same-Day-Lieferung profitieren. Ab einem Bestellwert von 29 Euro entfallen die Versandkosten. Mit dem Abo-Service JoyPlus für 3,99 Euro monatlich greift JD.com direkt Amazon Prime an. Wie viel das Unternehmen in den Aufbau dieser Infrastruktur investiert hat, wollte Nobbs allerdings nicht beziffern.
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Expansion nach gescheiterten Übernahmeversuchen
Der Joybuy-Launch folgt auf mehrere erfolglose Akquisitionsversuche in Europa. Im vergangenen Jahr scheiterte JD.com mit dem Versuch, die britische Elektronikkette Currys zu übernehmen. Auch Gespräche über eine Übernahme von Argos von der Supermarktkette Sainsbury’s führten zu keinem Ergebnis. Erfolgreicher war das Unternehmen beim deutschen Elektronikhändler Ceconomy, dem Eigentümer von MediaMarkt und Saturn, den JD.com für 2,2 Milliarden Euro erwarb.
Die Plattform bietet Produkte aus den Bereichen Technologie, Haushaltsgeräte, Beauty und Lebensmittel an. Neben eigenen Angeboten werden auch Markenshops von L’Oréal, Braun, De’Longhi, Brita und Bodum integriert. JD.com verspricht wettbewerbsfähige Preise, ohne jedoch konkrete Details zu nennen.
Der Vorstoß kommt zu einem Zeitpunkt, an dem chinesische Händler verstärkt im Ausland nach Wachstum suchen. Der heimische Markt ist von intensivem Wettbewerb und schwacher Konsumnachfrage geprägt. Wie erfolgreich JD.com mit seiner infrastrukturintensiven Strategie gegen den etablierten Platzhirsch Amazon bestehen kann, dürfte sich in den kommenden Quartalen zeigen. Die Frage ist, ob europäische Verbraucher bereit sind, einer neuen chinesischen Plattform zu vertrauen, wenn schnelle Lieferung allein möglicherweise nicht ausreicht.
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