ITM Power notiert am Freitag bei 1,21 Euro und büßt damit 1,1 Prozent ein – ein Wert, der die schwache Handelswoche fortschreibt. Auffälliger als die Tagesbewegung ist jedoch eine politische Entscheidung aus den USA, die für Elektrolyseur-Hersteller wie ITM Power grundsätzliche Bedeutung erlangen könnte.
Trumps Exekutivverordnung als neue Belastung
Präsident Donald Trump unterzeichnete Ende August eine Exekutivverordnung, die den Einsatz bestimmter ausländischer Ausrüstung im US-Stromnetz untersagt. Reuters berichtete über den Erlass, der explizit auch Anbieter aus dem Bereich Industriestrom und Energieinfrastruktur betrifft – eine Kategorie, unter die auch Wasserstoff-Elektrolyseure fallen.
Für ein britisches Unternehmen wie ITM Power, das seine Technologie international vermarktet, wirft die Maßnahme die Frage auf, ob und in welchem Umfang der US-Markt künftig noch zugänglich bleibt.
Zwar liegt keine unternehmensspezifische Reaktion von ITM Power auf die Verordnung vor, doch die Branchenrelevanz ist unübersehbar. Elektrolyseur-Hersteller konkurrieren zunehmend um staatlich geförderte Infrastrukturprojekte, und regulatorische Hürden in einem so großen Markt wie den USA können Investitionsentscheidungen von Kunden verzögern oder ganz verhindern.
Anleger dürften diese Entwicklung in den kommenden Wochen genauer beobachten, zumal sie zeitlich mit einer ohnehin angespannten Kursphase zusammenfällt.
Kursbild bleibt unter Druck
Der Titel hat sich von seinem 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro, erreicht Ende Mai, um 53 Prozent entfernt und notiert damit deutlich unter früheren Ständen.
Gleichzeitig liegt der aktuelle Kurs noch 87 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 0,6480 Euro, das im Februar markiert wurde – ein Beleg dafür, wie volatil sich das Papier in den vergangenen zwölf Monaten bewegt hat. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 50 Prozent unterstreicht diese Schwankungsbreite.
Über das laufende Jahr gerechnet steht ITM Power dennoch mit einem Plus von 67 Prozent da, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 68 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen langfristiger Kursentwicklung und der jüngsten Schwächephase zeigt, dass ein Großteil der Kursgewinne bereits in früheren Monaten erzielt wurde und der Titel nun in eine Konsolidierung übergegangen ist.
Blick auf Lingen-Marl und die kommenden Zahlen
Der vor rund einem Monat vermeldete Meilenstein, wonach über das GET H2 Nukleus-Projekt erstmals grüner Wasserstoff aus dem RWE-Kraftwerk Lingen den Chemiepark Marl von Evonik erreichte, bleibt für Anleger als industrieller Nachweis relevant: Die PEM-Technologie von ITM Power lief dort erstmals im industriellen Maßstab in einer integrierten Wertschöpfungskette.
Von den geplanten 200 Megawatt Kapazität ist bislang die erste Stufe von 100 Megawatt in Betrieb, der weitere Ausbau soll bis Ende 2026 abgeschlossen werden, eine finale Erweiterung folgt 2027.
Dieser technische Fortschritt steht im Kontrast zur schwachen Kursentwicklung und dem regulatorischen Gegenwind aus den USA. Anleger richten den Blick nun zunehmend auf die für den 14. September angekündigten Jahreszahlen, die zeigen sollen, ob sich operative Fortschritte wie in Lingen-Marl auch in den Geschäftszahlen niederschlagen.
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