ITM Power Aktie: Plug Power setzt mit Deal unter Druck

Trotz Rekordumsatz und Millionen-Förderung verliert ITM Power an der Börse massiv an Wert. Anleger fordern verbindliche Verträge statt Absichtserklärungen.

Auf einen Blick:
  • Aktie verliert trotz Millionen-Förderung an Wert
  • Markt verlangt unterschriebene Verträge
  • Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund erzielt
  • Entscheidende Projekte noch in der Schwebe

Millionen an Fördergeldern, Rekordumsatz, ein prall gefülltes Auftragsbuch – und trotzdem verliert die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes. Bei ITM Power reicht staatliche Unterstützung offenbar nicht mehr aus. Anleger verlangen etwas anderes: unterschriebene Verträge.

Am Mittwoch legte die Aktie des britischen Elektrolyseur-Herstellers um 3,85 Prozent zu und schloss bei 1,35 Euro, nach 1,30 Euro am Dienstag. Die Erholung wirkt fragil. Seit dem Jahreshoch von 2,58 Euro Ende Mai hat das Papier fast die Hälfte seines Wertes verloren.

Ein Monat der Extreme

Der Kursverlauf der vergangenen Monate zeigt, wie nervös der Markt geworden ist. Vom Februar-Tief bei 0,65 Euro hat sich die Aktie mehr als verdoppelt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 106 Prozent – ein Wert, der eher zu einem Krypto-Token passt als zu einem Industrieunternehmen.

Dabei mangelt es nicht an guten Nachrichten. Am 9. Juli erhielt ITM Power 46,5 Millionen Pfund vom britischen Ministerium für Energiesicherheit. Im April kamen bereits 40 Millionen Pfund von Great British Energy hinzu. Beide Summen fließen in die automatisierte Chronos-Produktionslinie in Sheffield, die künftig ein Gigawatt Elektrolyseur-Stacks pro Jahr fertigen soll.

Die Konkurrenz liefert, ITM Power verhandelt noch

Was den Kurs stärker belastet als jede eigene Nachricht: Konkurrent Plug Power traf am 7. Juli eine finale Investitionsentscheidung für ein 50-Megawatt-PEM-Elektrolyseur-Projekt in Australien. Ein fertiger Deal – genau das, was ITM Power bislang fehlt.

Die Botschaft der Trader ist eindeutig. Fördermittel und Absichtserklärungen reichen nicht mehr. Der Markt will bindende Verträge sehen.

ITM Power hat durchaus Projekte in der Pipeline. Die Partnerschaft mit Protium umfasst das Cromarty-Wasserstoffprojekt in den schottischen Highlands, eine erste 15-Megawatt-Anlage. Die finale Investitionsentscheidung dafür wird erst für Dezember 2026 erwartet. Parallel arbeitet ITM mit der deutschen Stablegrid Group an zwei Energieinfrastrukturprojekten mit zusammen 710 Megawatt Elektrolyseur-Kapazität – eine erste Entscheidung soll noch in diesem Jahr fallen. Beide Vorhaben sind bislang Absichten, keine unterschriebenen Deals wie bei Plug Power.

Zahlen werden besser, das Vertrauen fehlt trotzdem

Die operativen Kennzahlen sprechen eigentlich für das Unternehmen. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 erzielte ITM Power einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund, getrieben von Anlagenverkäufen. Der Bruttoverlust schrumpfte auf 6,5 Millionen Pfund, nach 10,2 Millionen im Vorjahr.

Das Auftragsbuch wuchs auf 152 Millionen Pfund. 71 Prozent dieser Verträge gelten mittlerweile als profitabel – eine deutliche Verbesserung gegenüber den alten, margenschwachen Altverträgen.

Der Markt honoriert das bisher nicht. Über den vergangenen Monat verlor die Aktie 16,35 Prozent und notiert damit klar unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 1,69 Euro. Immerhin: Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 1,08 Euro, deutlich unter dem aktuellen Kurs. Der mittelfristige Aufwärtstrend ist also intakt, auch wenn die kurzfristige Dynamik verpufft ist. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 86 Prozent zu Buche.

Der RSI von 42,9 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen. Der Markt sucht offenbar noch nach Orientierung.

Entscheidend wird, ob ITM Power seine eigenen Investitionsentscheidungen tatsächlich trifft. Fällt die Entscheidung zu Cromarty im Dezember 2026 wie geplant und läuft die Chronos-Linie in Sheffield ohne größere Kostenüberschreitungen an, dürfte sich das Blatt wenden. Verzögern sich dagegen sowohl Cromarty als auch das Stablegrid-Projekt, bleibt die Aktie das, was sie derzeit ist: eine Wette auf eine Branche mit politischem Rückenwind, aber ohne geklärte kommerzielle Gewinner.

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