ITM Power geht in eine ungewöhnlich dichte Börsenphase. Der Elektrolyseur-Spezialist rückt in den MSCI United Kingdom Small Cap Index auf, wirksam nach Handelsschluss am 29. Mai. Das ist mehr als ein technischer Vorgang: Indexfonds müssen ihre Portfolios anpassen, was gerade bei kleineren Titeln spürbare Nachfrage auslösen kann.
Die Aufnahme wurde im Rahmen der Mai-Überprüfung von MSCI bekannt. Für die Aktie kommt der Indexeffekt zu einem Zeitpunkt, an dem auch das operative Bild greifbarer wird. Neue Projekte, langfristige Serviceverträge und ein stärkerer Fokus auf wiederkehrende Erlöse verändern die Story.
Aufträge stützen die Erholung
In Großbritannien hat ITM zwei konkrete Projektgewinne vorgelegt. Mit Octopus Energy Generation wurde ein Vertrag über 12,5 MW geschlossen. Die NEPTUNE-V-Systeme sollen im Kimberly-Clark-Werk in Northfleet grünen Wasserstoff liefern und dort bis Ende 2027 zur Dekarbonisierung der Papierproduktion für Andrex-Produkte beitragen.
Auch in Wales kommt Bewegung in die Pipeline. ITM liefert ein POSEIDON-Elektrolysemodul mit 20 MW für das West Wales Hydrogen Project von MorGen Energy. Die Anlage soll ab 2028 jährlich rund 2.000 Tonnen grünen Wasserstoff erzeugen.
Wichtig ist dabei nicht nur der Anlagenverkauf. Für den Standort Milford Haven wurde ein langfristiger Servicevertrag über zehn Jahre geschlossen. Damit bindet sich ITM tiefer in Betrieb und Wartung ein, statt nur einmalig Technik zu liefern.
Mehr Service, weniger Einmalgeschäft
Der Servicevertrag passt zu einer strategischen Verschiebung. Über die Tochter Hydropulse baut ITM dezentrale Anlagen für grünen Wasserstoff, betreibt sie selbst und setzt auf langfristige Abnahmeverträge. Das kann die Erlösbasis planbarer machen.
Auch Worley spielt in diese Richtung. Der Ingenieurkonzern will den Neptune-V-Elektrolyseur in mittelgroße Wasserstoffprojekte einbinden. Für ITM öffnet das einen zusätzlichen Zugang zu externen Projektpipelines. Das dürfte spannend werden, weil der Markt bislang viele Wasserstoffanbieter eher an Ankündigungen als an wiederholbaren Geschäftsmodellen misst.
Umsatzrekord, aber noch rote Zahlen
Operativ zeigt sich die Wende zuerst beim Umsatz. Im ersten Halbjahr erreichte ITM mit 18 Millionen Pfund einen Rekordwert. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde auf bis zu 43 Millionen Pfund angehoben, der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund.
Mehr als zwei Drittel der Verträge erzielen inzwischen positive Margen. Das ist ein wichtiger Fortschritt, weil Wasserstofftechnik lange unter hohen Entwicklungskosten, kleinen Serien und schwacher Auslastung litt.
Die Profitabilität bleibt dennoch entfernt. Im Geschäftsjahr bis April 2025 weitete sich der Vorsteuerverlust auf 45,4 Millionen Pfund aus, nach 27,1 Millionen Pfund im Vorjahr.
Die Bilanz verschafft Zeit. ITM verfügt über rund 198 Millionen Pfund an Barmitteln und ist schuldenfrei. Den operativen Break-even erwartet das Management nicht vor 2028.
Analysten bleiben gespalten
Jefferies hob das Kursziel von 115 auf 200 Pence an und verweist auf höhere Ergebnisschätzungen, geringere Diskontsätze und bessere Projektsichtbarkeit. UBS bleibt skeptischer und sieht mit 60 Pence weiter erheblich weniger Spielraum.
Morgan Stanley wurde erstmals seit 2021 bei einer britischen Wasserstoffaktie positiv und stuft ITM mit einem Kursziel von 170 Pence auf „Overweight“. Die Bank rechnet ab 2028 mit positivem EBITDA.
Am Montagmorgen notierte die Aktie in London bei 167,90 Pence. Sie hat sich damit zwar vom Jahreshoch gelöst, bleibt aber klar über dem Niveau, das noch vor wenigen Monaten die Diskussion prägte.
Technisch ist vor allem der Ausbruch über die 200-Tage-Linie relevant, der am 15. Mai bei 161,30 Pence gelang. Seitdem pendelte der Kurs zwischen 156,80 und 168,30 Pence; die Zone um 170 Pence bildet nun den nächsten Widerstand.
Bis zum Index-Rebalancing am 29. Mai dürfte die Nachfrage durch passive Fonds der zentrale Kurstreiber bleiben. Danach rücken wieder zwei Punkte in den Vordergrund: die Umsetzung der britischen Projekte und der Nachweis, dass Serviceerlöse den Weg zur Profitabilität tatsächlich verkürzen.
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