ITM Power Aktie: Leuna-Betrieb verzögert sich vier Jahre

ITM Power meldet Effizienzgewinne durch KI in Sheffield, während Verzögerungen in Leuna und Spannungen mit Großaktionär Linde die Perspektive trüben.

Auf einen Blick:
  • KI-Wartung steigert Stack-Verfügbarkeit
  • Leuna-Projekt verzögert sich um Jahre
  • Linde hält weiterhin 14,46 Prozent
  • Staatliche Förderung für neue Stack-Technologie

Der britische Elektrolyseur-Hersteller ITM Power sieht sich derzeit mit einer gegensätzlichen Nachrichtenlage konfrontiert. Während technologische Fortschritte und staatliche Förderungen die operative Basis in Sheffield stärken, belasten Berichte über Spannungen mit dem wichtigsten Partner und Großaktionär Linde die strategische Perspektive. Zudem werfen Verzögerungen bei einem deutschen Großprojekt Fragen zur kurzfristigen Skalierbarkeit auf.

Belastete Partnerschaft und Verzögerungen in Leuna

Medienberichten zufolge hat sich das Verhältnis zwischen ITM Power und dem Industriegase-Konzern Linde spürbar verschlechtert. Hintergrund sind demnach notwendige sicherheitstechnische Neukonstruktionen nach einem Unfall in der 24-Megawatt-Anlage in Leuna Ende 2025. Dieser Vorfall hat die Produktion von grünem Wasserstoff an dem deutschen Standort massiv beeinträchtigt.

Aktuellen Berichten zufolge verzögert sich der volle Betrieb der Anlage dadurch um voraussichtlich vier Jahre. Die technische Überarbeitung der Stacks, die für den sicheren Betrieb unerlässlich ist, bindet Ressourcen und verzögert die Fertigstellung.

Trotz dieser Schwierigkeiten bleibt die personelle und finanzielle Verflechtung der beiden Unternehmen eng. Regulatorische Veröffentlichungen bestätigten im August, dass die Linde UK Holdings No. 2 Ltd weiterhin 14,46 Prozent der Stimmrechte an ITM Power hält, was einem Bestand von 100 Millionen Aktien entspricht.

Neben Linde ist die Great British Energy Group Limited mit einem Anteil von 104,1 Millionen Euro beziehungsweise 10,41 Prozent der zweite große Ankeraktionär.

Effizienzsprünge durch KI-Einsatz in Sheffield

Operativ meldete das Unternehmen am Freitag Fortschritte am Heimatstandort Sheffield. Durch den Einsatz einer KI-gestützten vorausschauenden Wartung an der dortigen Wasserstoff-Tankstelle konnte die Verfügbarkeit der Elektrolyse-Stacks um 8 Prozent gesteigert werden.

Die Verfügbarkeit der Kompressoren verbesserte sich zeitgleich um 12 Prozent. Diese Effizienzgewinne sind für das Geschäftsmodell von ITM Power von Bedeutung, da sie die Betriebskosten senken und die Zuverlässigkeit der Systeme erhöhen.

Parallel zur technologischen Optimierung bereitet ITM Power eine deutliche Ausweitung der Kapazitäten vor. In den Fertigungsstätten in Sheffield sollen Medienberichten zufolge 400 neue Arbeitsplätze entstehen.

Diese Expansion folgt auf die Zusage staatlicher Mittel: Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null (DESNZ) gewährte dem Unternehmen bereits im Juli einen Zuschuss in Höhe von 46,5 Millionen Pfund.

Diese Mittel fließen in die Entwicklung und Produktion des neuen Chronos-Elektrolyseur-Stacks. Ergänzt wurde diese Förderung durch eine Eigenkapitalinvestition von Great British Energy in Höhe von 40 Millionen Pfund.

Projektstatus in Lingen und Börsennotierung

Ein weiterer Fokus liegt auf dem Projekt GET H2 Nukleus in Lingen. In Kooperation mit Linde Engineering sollen dort zwei 100-MW-Elektrolyseure für den Energieversorger RWE entstehen. Die Inbetriebnahme ist für das Ende des laufenden Jahres geplant. Am Montag vor einer Woche wurde bekannt, dass das Projekt bereits erste Stacks eines Wettbewerbers erhalten hat, was den Zeitdruck für ITM Power erhöht, die eigenen Komponenten fristgerecht zu liefern.

An der Börse zeigt sich der Wert derzeit stabil, wenngleich er deutlich unter früheren Höchstständen notiert. Mit einem aktuellen Kurs von 1,26 Euro liegt das Papier etwa 51 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro.

Seit Jahresbeginn konnte die Aktie jedoch eine positive Entwicklung von 74 Prozent verzeichnen, was das Vertrauen der Anleger in die langfristige Strategie trotz der operativen Rückschläge in Leuna widerspiegelt.

Am Donnerstag wird zudem die Zulassung neuer Aktien aus einer vorangegangenen Kapitalmaßnahme an der Londoner Börse erwartet. Eine rein technische Analyse stufte das Papier am Donnerstag leicht herauf und sieht das aktuelle Niveau als Phase der Akkumulation.

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