Zwei Kursziele, eine riesige Lücke. Während Berenberg und Morgan Stanley bei ITM Power Kursziele von umgerechnet rund 2,30 Euro ausgeben, sinkt der modellbasierte faire Wert auf nur 1,38 Euro. Die Aktie selbst notiert aktuell bei 1,22 Euro — mitten in diesem Spannungsfeld zwischen Optimismus und Vorsicht.
Fairer Wert sinkt trotz gleicher Wachstumsannahme
Neue Analysen haben den fairen Wert für ITM Power nach unten korrigiert, von 1,51 Euro auf 1,38 Euro. Die Umsatzwachstumsannahme blieb dabei unverändert bei knapp 55 Prozent. Verändert haben sich andere Stellschrauben im Modell.
Die Nettomarge wurde leicht angehoben, von 5,41 auf 5,68 Prozent. Im Gegenzug sank das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis für die Zukunft deutlich, von 186,82 auf 162,17. Analysten von Berenberg und Morgan Stanley begründen die Korrektur mit einem klaren Risiko: Die aktuelle Bewertung hängt stark davon ab, ob ITM Power seine Projektmeilensteine termingerecht erreicht. Jede Verzögerung könnte das gesamte Bewertungsmodell ins Wanken bringen.
Kursziele weit über dem Modellwert
Die Kluft zwischen den Kurszielen der Banken und dem berechneten fairen Wert bleibt groß. Berenberg hat sein Kursziel jüngst auf umgerechnet rund 2,30 Euro angehoben — deutlich über dem Modellwert von 1,38 Euro.
Morgan Stanley zog früher in diesem Jahr nach und stufte die Aktie von „Equal-Weight“ auf „Overweight“ hoch. Die Bank hob ihr Kursziel von umgerechnet 0,69 Euro auf 1,95 Euro an. Begründung: Die Bank erwartet, dass ITM Power den operativen Breakeven auf EBITDA-Basis bereits im Geschäftsjahr 2028 erreicht — ein Jahr früher als der Marktkonsens.
Morgan Stanley verweist zudem auf mehrere mögliche Katalysatoren für 2026. Dazu zählen die finalen Ergebnisse der britischen Hydrogen Allocation Round 2, eine mögliche finale Investitionsentscheidung bei Unipers Humber-H2ub-Projekt und die Entscheidung über eine neue Fertigungslinie namens Chronos. Als Sicherheitspuffer nennt die Bank eine Nettoliquidität von 215 Millionen Pfund. Das entspricht laut Morgan Stanley etwa dem Fünffachen der aktuellen Cash-Burn-Rate.
Chartbild zeigt die Nervosität
Der Kursverlauf spiegelt die Unsicherheit zwischen optimistischen Kurszielen und kurzfristiger Vorsicht wider. Binnen eines Monats hat die Aktie 16,08 Prozent verloren und liegt nun 52,83 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 2,58 Euro vom 29. Mai. Auf Jahressicht steht trotz der jüngsten Schwäche noch ein Plus von 68,07 Prozent.
Diese Gegensätze zeigen: 2026 war für ITM-Power-Aktionäre ein Jahr der Extreme. Ein RSI-Wert von 36,6 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, während die annualisierte Volatilität von über 100 Prozent das hohe Risikoprofil der Aktie unterstreicht.
Ausblick
Die kommenden Quartale dürften zeigen, welches Bewertungsszenario näher an der Realität liegt. Der Hochlauf der Chronos-Fertigungslinie, die britischen Förderentscheidungen im Wasserstoffbereich und der Auftragseingang gelten als die entscheidenden Stellschrauben. Bis dahin bleibt die Spanne zwischen Kurszielen nahe 2,30 Euro und einem Modellwert von 1,38 Euro ungewöhnlich breit.
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