ITM Power meldet Fortschritte bei der Umsetzung seiner Projekte, erwartet aber weiterhin operative Verluste. Am 19. Oktober berichtete das Unternehmen, dass die erste Anlage in Lingen bereits in Betrieb sei. Die zweite soll im laufenden Geschäftsjahr fertig werden. Diese Fortschritte verhinderten den jüngsten Kursrückgang nicht: Am Freitag verzeichnete die Aktie eine Tagesveränderung von -10%.
Lingen liefert einen konkreten Fortschritt
Die erste Anlage in Lingen verfügt über eine Leistung von 100 MW. Für die zweite Anlage gleicher Größe bestätigte ITM Power die geplante Fertigstellung im Geschäftsjahr 2027. Damit stehen eine bereits erreichte Inbetriebnahme und ein noch einzulösender Zeitplan nebeneinander.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wesentlich. Die betriebsbereite Anlage dokumentiert einen Umsetzungsschritt. Bei der zweiten Anlage bleibt die Fertigstellung dagegen eine Unternehmensprognose und ist noch kein abgeschlossenes Ereignis.
Auch das Raffinerieprojekt von Hydropulse gehört noch nicht zu den endgültig entschiedenen Vorhaben. Das Projekt mit 150 MW steht weiterhin unter dem Vorbehalt einer endgültigen Investitionsentscheidung, die für 2027 angestrebt wird. Der angestrebte Entscheidungstermin ist damit nicht mit einer verbindlich bestätigten Umsetzung gleichzusetzen.
Mehr Umsatz, weiterhin operative Verluste
Für das Geschäftsjahr 2026 meldete ITM Power einen Umsatz von 43,6 Millionen £. Der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen belief sich auf 20,2 Millionen £.
Die Ergebnislage setzt dem operativen Fortschritt eine klare Grenze: Die gemeldeten Inbetriebnahmefortschritte bedeuten noch keine operative Gewinnschwelle. Auch der Ausblick sieht weiterhin einen bereinigten Verlust vor.
Für das Geschäftsjahr 2027 stellte ITM Power Erlöse zwischen 50 Millionen £ und 60 Millionen £ in Aussicht. Zugleich erwartet das Unternehmen einen bereinigten EBITDA-Verlust zwischen 17 Millionen £ und 20 Millionen £.
Liquidität bleibt Teil der Einordnung
Der erwartete Umsatzanstieg geht somit nicht mit einer Prognose für ein positives bereinigtes Betriebsergebnis einher. Für die finanzielle Einordnung sind deshalb neben den Projektfortschritten auch die verfügbaren Mittel wichtig.
Zum Ende des Geschäftsjahres 2026 verfügte ITM Power über liquide Mittel von 215,6 Millionen £. Der Auftragsbestand lag bei 144,0 Millionen £.
Der Auftragsbestand ist dabei von bereits erzieltem Umsatz zu unterscheiden. Ebenso beschreibt der Kassenbestand einen gemeldeten Stichtagswert und nicht die erwartete weitere Entwicklung.
Für das Geschäftsjahr 2027 prognostiziert ITM Power liquide Mittel zwischen 170 Millionen £ und 180 Millionen £. Der Ausblick verbindet damit höhere Erlöse und einen geringeren bereinigten Verlust mit einem niedrigeren Kassenbestand. Entscheidend bleibt die Umsetzung: Die zweite Anlage in Lingen muss den angekündigten Zeitplan erfüllen, während das Hydropulse-Projekt zunächst die Investitionsentscheidung benötigt.
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