Wenn Manager eigenes Geld in die Aktie ihres Unternehmens stecken, gilt das gemeinhin als Vertrauensbeweis. Bei ITM Power geschah genau das im August: Vorstandschef Dennis Schulz und Technikchef Simon Bourne erwarben je 136 sogenannte Partnership Shares, die im Rahmen des „Buy as You Earn“-Programms mit jeweils 136 weiteren Aktien gematcht wurden.
Finanzchefin Amy Grey erhielt 814 Aktien aus drei Monaten laufender Beiträge. Für mich ist das ein Detail, das man nicht überbewerten sollte – aber auch keines, das man ignorieren darf.
Der Kurs selbst zeigt seit Wochen ein zähes Bild. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 67 Prozent zu Buche, ein Wert, der auf den ersten Blick beeindruckt.
Zugleich notiert die Aktie 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 29. Mai – die Rally der ersten Jahreshälfte hat sich also nicht fortgesetzt, sondern in eine längere Konsolidierung verwandelt. Über dem 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs immerhin um 5,1 Prozent, was zumindest im mittelfristigen Bild eine gewisse Stabilität andeutet.
Substanz statt Spekulation
Was mich an ITM Power interessiert, ist weniger der einzelne Insiderkauf als das Muster dahinter. Die Beteiligungsprogramme der Führungsebene laufen seit Monaten weiter, während das Unternehmen operativ Fortschritte vorweisen kann, die eher leise als laut kommuniziert wurden.
Die Lieferung von grünem Wasserstoff aus der RWE-Anlage in Lingen an einen Kunden markierte einen greifbaren Produktionsmeilenstein. Der Zuschuss in Höhe von 46,5 Millionen Pfund vom britischen Ministerium DESNZ zeigt, dass die öffentliche Hand weiterhin bereit ist, in die Elektrolyse-Infrastruktur von ITM Power zu investieren.
Auch die Absichtserklärung mit DB Systemtechnik und die strategische Partnerschaft mit Protium fügen sich in ein Bild ein, in dem das Unternehmen breiter aufgestellt wird, statt sich auf einen einzelnen Kundentyp zu verlassen.
Trotzdem bleibt die Marktreaktion verhalten. Genau das ist für mich der eigentliche Punkt: Wiederkehrende Insiderkäufe, staatliche Fördergelder und operative Meilensteine reichen offenbar nicht aus, um die Skepsis der Investoren zu zerstreuen.
Der Wasserstoffsektor insgesamt kämpft mit der Frage, wann aus geförderten Pilotprojekten tragfähige Geschäftsmodelle werden. ITM Power steht dabei stellvertretend für viele Unternehmen der Branche, die technologisch überzeugen, aber wirtschaftlich noch beweisen müssen, dass sie ohne staatliche Unterstützung profitabel wachsen können.
Mein Fazit
Ich lese die Ansammlung kleinerer, aber konsistenter positiver Signale – Insiderkäufe, Fördermittel, Partnerschaften, ein bestätigter Liefermeilenstein – als Indiz dafür, dass das Management selbst an eine Wertsteigerung glaubt, die der Markt noch nicht eingepreist hat. Das ist keine Garantie für eine baldige Trendwende, zumal der deutliche Abstand zum Jahreshoch zeigt, wie schnell Euphorie in Ernüchterung umschlagen kann.
Doch die Kombination aus operativer Reife und anhaltendem Managementvertrauen spricht für mich eher dafür, dass ITM Power seine Geschichte noch nicht auserzählt hat, als dass die Konsolidierung der vergangenen Wochen bereits das letzte Wort ist. Anleger sollten die kommenden Quartalszahlen als Test verstehen, ob sich diese Substanz endlich auch in nachhaltigen Kursbewegungen niederschlägt.
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