Fast 87 Millionen Pfund an frischem Kapital, ein 400 Jobs schaffendes Werk in Sheffield – und trotzdem gibt die Aktie nach. Bei ITM Power klafft die Kluft zwischen Industriepolitik und Börsenrealität gerade besonders weit auseinander.
Das britische Energieministerium DESNZ hat dem Elektrolyseur-Hersteller am 9. Juli offiziell eine Förderung von 46,5 Millionen Pfund zugesprochen. Great British Energy legt weitere 40 Millionen Pfund als Eigenkapitalinvestition obendrauf. Das Geld soll eine neue automatisierte Fertigungslinie für die sogenannten Chronos-Elektrolyseur-Stacks in Sheffield finanzieren.
Sheffield soll zum Wasserstoff-Standort werden
CEO Dennis Schulz nennt den Schritt einen „entscheidenden Moment“ für die britische Wasserstoffwirtschaft. Sein Ziel: Sheffield soll für Wasserstoffproduktion künftig so bekannt werden, wie die Stadt es einst für Stahl war. Energieminister Ed Miliband begrüßte die rund 400 neuen Arbeitsplätze in South Yorkshire ausdrücklich.
Die neue Linie soll bis 2028 eine Jahreskapazität von einem Gigawatt erreichen. Technisch bringt Chronos deutliche Fortschritte: ITM Power reduziert die Teilezahl der Stacks um die Hälfte und verdoppelt gleichzeitig die Leistungsdichte auf 2,5 MW pro Quadratmeter. Das soll Produktionskosten senken und die Energieleistung bei Großprojekten verbessern.
Im Auftragsbuch stehen bereits konkrete Projekte, die von der neuen Technologie profitieren:
- 120 MW für den Energiekonzern Uniper
- 20 MW für MorGen Energy
- 15 MW für das Cromarty-Projekt mit Partner Protium
Kurs bleibt unter Druck
Die gute Nachricht aus der Politik ändert wenig am Kursbild. ITM Power notiert aktuell bei 1,35 Euro, ein Minus von 1,97 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 9,05 Prozent zu Buche, die 30-Tage-Volatilität liegt bei hohen 106,24 Prozent annualisiert.
Zum Jahreshoch vom 29. Mai bei 2,58 Euro fehlen der Aktie fast 48 Prozent. Seit Jahresbeginn steht trotzdem ein Plus von 85,67 Prozent – ein Hinweis darauf, wie volatil das Papier in den vergangenen Monaten gehandelt wurde. Der Kurs liegt derzeit rund 22 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,72 Euro, aber gut 25 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 1,07 Euro.
Analysten von AllMind AI ordnen die Fördermittel als wichtige Entlastung für die Bilanz ein. Die Liquidität des Unternehmens verbessert sich spürbar. Ein unmittelbares Signal für steigende Marktnachfrage sei die Finanzspritze aber nicht. ITM Power schreibt weiterhin operative Verluste, verfügt jedoch über eine vergleichsweise niedrige Verschuldung.
Europäischer Wasserstoffmarkt kühlt ab
Der zeitliche Kontext macht die britische Förderentscheidung bemerkenswert. Während London die heimische Fertigung mit dem Chronos-Projekt vorantreibt, kürzt die EU-Kommission ihr Budget für die vierte Auktionsrunde der europäischen Wasserstoffbank auf 500 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von 61,5 Prozent gegenüber der Vorrunde.
Für ITM Power richtet sich der Blick nun auf die Umsetzung in Sheffield und den Weg zum Kapazitätsziel 2028. Ob die gestärkte Bilanz auch zu mehr Aufträgen und besseren Margen führt, dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen – die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 914,36 Millionen Euro.
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