Millionenschwere Förderzusagen der britischen Regierung, ein neuer Staatsaktionär, ein prall gefüllter Auftragsbestand — und trotzdem verkaufen Anleger die ITM-Power-Aktie im großen Stil. Der Kurs fiel am Dienstag um 5,03 Prozent auf 1,15 Euro. Binnen sieben Handelstagen hat das Papier damit 15,06 Prozent verloren.
Diese Lücke zwischen operativen Erfolgen und Kursverlauf ist der eigentliche Stoff der Geschichte. Wer die jüngsten Meldungen des Wasserstoff-Unternehmens liest, erwartet eher Kursfeuerwerk als Ausverkauf.
Millionen vom Staat, aber der Markt zuckt nicht
Anfang Juli 2026 bestätigte das britische Energieministerium DESNZ final eine Förderung von 46,5 Millionen Pfund. Das Geld ist Teil eines größeren Pakets über 86,5 Millionen Pfund. Es soll die Serienproduktion der neuen „Chronos“-Elektrolyseur-Plattform industrialisieren.
Noch bemerkenswerter: Great British Energy, das staatliche Energieunternehmen Großbritanniens, hat 40 Millionen Pfund als Eigenkapital investiert. Der Staat hält damit rund 10,4 Prozent an dem Hersteller aus Sheffield. Das Kapital fließt in eine automatisierte Fertigungslinie mit einer Jahreskapazität von einem Gigawatt — ITM Power soll damit zum Zentrum der britischen Wasserstoff-Wirtschaft werden.
Neben der staatlichen Förderung baut das Unternehmen auch sein Industrienetzwerk aus. Im Juni 2026 startete eine Innovationspartnerschaft mit DB Systemtechnik für eine gemeinsame Front-End-Engineering-Design-Studie. Dazu kommt eine im Sommer geschlossene Kooperation mit Protium Green Solutions, die industrielle Wasserstoff-Großanlagen in Großbritannien entwickeln soll — erste Aktivitäten laufen bereits am Cromarty-Projekt in Schottland.
CEO Dennis Schulz betont, die Chronos-Technologie werde höhere Energieeffizienz und spürbar niedrigere Kosten liefern. Das soll die industrielle Verbreitung von grünem Wasserstoff beschleunigen.
Charttechnik zeigt Erschöpfung
Mit dem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro aus Ende Mai hat der aktuelle Kurs kaum noch etwas zu tun. Das Papier notiert 55,35 Prozent darunter. Der 14-Tage-RSI liegt bei 35,9 und nähert sich damit überverkauftem Terrain.
Die Gründe für den aktuellen Abverkauf trotz positiver Unternehmensnachrichten bleiben unklar. Ein Kurstreiber ist jedenfalls nicht die operative Substanz — die spricht eher für das Unternehmen als dagegen.
Der Blick richtet sich auf August
Die geprüften Jahreszahlen sollen im August 2026 veröffentlicht werden. Sie dürften zeigen, ob ITM Power seinen Auftragsbestand von 152 Millionen Pfund und die staatlich gestützte Fertigungserweiterung in nachhaltiges finanzielles Wachstum übersetzen kann. Bis dahin bleibt die Aktie ein Nervenspiel: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 88,68 Prozent — ein Wert, der eher zu einem Krypto-Token passt als zu einem etablierten Industrieunternehmen mit Regierungsbeteiligung.
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