Ein Fonds mit Bestnote von Morningstar verliert innerhalb weniger Monate mehr Geld, als er anzieht – dieser scheinbare Widerspruch prägt derzeit das Bild des iShares MSCI World ETF. Die Konstellation wirft die Frage auf, was die Einstufung als einer der besten globalen Aktienfonds tatsächlich über die Anlegerstimmung aussagt.
Bestnote trotz Mittelabflüssen
Morningstar hatte dem Fonds zum 31. August das Gold-Rating verliehen, die höchste Vertrauensstufe der Ratingagentur. Grundlage war die risikoadjustierte Gesamtrendite im Vergleich zu 296 global ausgerichteten Aktienfonds der Kategorie „Large-Stock Blend“. Ein Gold-Rating gilt als Ausweis dafür, dass ein Fondsmanagement über verschiedene Marktphasen hinweg überdurchschnittlich abschneidet.
Parallel dazu zeigen die Mittelflussdaten ein anderes Bild: Über die vergangenen drei Monate flossen dem Fonds netto 661,67 Millionen Dollar ab, allein im August waren es 101,47 Millionen Dollar. Auf Sicht von sechs Monaten steht dagegen ein Zufluss von 456,61 Millionen Dollar, und über zwölf Monate summiert sich das Bild auf ein Plus von 1,37 Milliarden Dollar.
Die kurzfristigen Abflüsse widersprechen damit nicht zwingend dem langfristigen Vertrauen der Anleger, verdeutlichen aber, dass Qualitätsurteile und tatsächliches Anlegerverhalten kurzfristig auseinanderlaufen können.
Indexanpassungen als Hintergrundrauschen
Zusätzlichen Kontext liefert die reguläre Indexüberprüfung, die MSCI im August durchgeführt hatte. Die Änderungen wurden zum Ende des Monats wirksam und brachten unter anderem SanDisk, Carpenter Technology und ATI als größte Neuaufnahmen in den MSCI World Index.
Solche Anpassungen sind für einen breit gestreuten Indexfonds wie den iShares MSCI World ETF Routine, sie verändern die Zusammensetzung des Portfolios graduell, ohne die grundsätzliche Ausrichtung zu berühren.
Die Kombination aus Bestnote, moderaten Abflüssen auf kurze Sicht und stabilen Zuflüssen auf Jahressicht lässt sich am ehesten so lesen: Institutionelle und private Anleger nehmen offenbar taktisch Gewinne mit oder verschieben Kapital in andere Vehikel, ohne dem grundsätzlichen Konzept eines breit diversifizierten Weltaktienfonds den Rücken zu kehren.
Für einen Fonds dieser Größenordnung sind Bewegungen im dreistelligen Millionenbereich zudem vergleichsweise klein gemessen an einem Gesamtvermögen, das sich weiterhin im hohen zweistelligen Milliardenbereich bewegt.
Für Anleger bleibt damit vor allem die Frage relevant, ob die jüngsten Abflüsse ein Vorbote größerer Umschichtungen sind oder lediglich saisonale Schwankungen widerspiegeln. Die Datenlage der vergangenen Wochen liefert darauf noch keine eindeutige Antwort – das Gold-Rating von Morningstar bleibt jedenfalls unabhängig von den kurzfristigen Kapitalbewegungen bestehen.
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