Ein Fonds, der eigentlich für globale Streuung steht, wird immer amerikanischer. Der iShares MSCI World ETF trägt weiterhin die Bestnote von Morningstar. Gleichzeitig zeigt die eigene Analyse des Ratinghauses eine Verschiebung, die Anleger im Blick behalten sollten.
Gold-Rating trotz wachsender Konzentration
Morningstar vergibt dem Fonds erneut die höchste Vertrauensstufe: Gold. Die Bewertung würdigt die Rolle des ETFs als breit gestreuter Kernbaustein für Portfolios mit Fokus auf Industrieländer-Aktien.
Ein Blick auf die Historie zeigt aber, wie sich die Zusammensetzung verändert hat. Seit dem Start des Fonds im Jahr 2012 ist der US-Anteil am Portfolio von unter 50 Prozent auf mittlerweile über 70 Prozent gestiegen. Der Grund: US-Großkonzerne haben sich in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt als der Rest der Welt.
Morningstar betont, dass dies kein Einzelfall ist. Die meisten vergleichbaren Indexfonds zeigen dieselbe Entwicklung — ihre US-Gewichtung ist ähnlich stark gewachsen.
Technologie dominiert die Sektorstruktur
Auf Sektorebene wird die Konzentration noch deutlicher. Technologiewerte bilden mit großem Abstand die größte Position, gefolgt von Finanzwerten und Industrieunternehmen. Diese Gewichtung erklärt auch die Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate: Der ETF legte in diesem Zeitraum um 19,60 Prozent zu — ein Plus, das direkt auf die Stärke der großen US-Technologiewerte im MSCI World Index zurückgeht.
Wie stark einzelne Positionen den Gesamtfonds bewegen können, zeigte sich zuletzt bei den Quartalszahlen von Apple und Amazon. Beide Unternehmen übertrafen die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn. Die Marktreaktion fiel dennoch gegensätzlich aus: Apple-Aktien gaben nach einem vorsichtigeren Ausblick des Managements nach, während Amazon um mehr als 15 Prozent zulegte. Bei einem derart hohen Technologie-Anteil im Index schlagen solche Divergenzen unmittelbar auf die Tagesperformance des ETFs durch.
Wichtige Woche für die Wall Street
Die aktuelle Berichtssaison liefert reichlich Stoff für weitere Ausschläge. Am Montag stehen der ISM Manufacturing PMI für Juli sowie Quartalszahlen von Palantir Technologies, Marriott, Vertex Pharmaceuticals, Clorox, TKO Group Holdings und The Williams Cos an. Hinzu kommen Daten zu Bauausgaben und der finale S&P Global PMI für das verarbeitende Gewerbe.
Die Erwartungen für die gesamte Berichtssaison sind hoch. Analysten rechnen für die Unternehmen im S&P 500 mit einem Gewinnwachstum von mehr als 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei einem US-Anteil von über 70 Prozent im MSCI World Index dürfte sich diese Entwicklung direkt im Kurs des ETFs widerspiegeln.
Gebührenunterschied zwischen Trackern
Wer den MSCI World abbilden will, hat die Wahl — und zahlt unterschiedlich viel dafür. Der iShares-ETF verlangt eine Gesamtkostenquote von 0,24 Prozent pro Jahr. Ein konkurrierender, in Europa aufgelegter Tracker von State Street bietet dieselbe Benchmark für 0,12 Prozent an — die Hälfte der Gebühr, bei identischem Index.
Der US-Anteil im Fonds dürfte weiter steigen, solange amerikanische Großkonzerne den Rest der Welt bei Gewinnwachstum und Kursentwicklung abhängen. Für die laufende Berichtssaison bedeutet das: Die Kursbewegungen des ETFs hängen in den kommenden Tagen stark von den Zahlen einzelner US-Technologiekonzerne ab, nicht von der Entwicklung der Industrieländer insgesamt.
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