Ein Zinsentscheid ohne Überraschung und ein Tech-Riese mit gemischten Zahlen. Trotzdem legt der iShares MSCI World ETF am Donnerstag deutlich zu. Der Fonds klettert um 1,48 Prozent auf 202,13 US-Dollar. Der Grund liegt in einem 48-Stunden-Fenster voller Nachrichten, das Anleger offenbar positiver bewerten, als es zunächst schien.
Fed hält Zinsen, drei Notenbanker widersprechen
Am Mittwoch entschied der Offenmarktausschuss der Federal Reserve mit 9 zu 3 Stimmen, den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Es war das zweite Treffen unter der Leitung von Kevin Warsh, der Jerome Powell als Fed-Chef abgelöst hat. Der Markt hatte die Zinspause erwartet.
Auffällig waren die drei Gegenstimmen. Mehrere regionale Fed-Präsidenten hätten stattdessen einen Zinsschritt von 25 Basispunkten bevorzugt, um die Inflation stärker zu bekämpfen. Die Fed selbst wiederholte in ihrer Erklärung weite Teile der Juni-Einschätzung: Die Wirtschaft wachse solide, der Arbeitsmarkt bleibe stabil. Die Inflation liege aber weiterhin über dem Zielwert von 2 Prozent.
Trotz der internen Uneinigkeit werteten Investoren den Kurs der Notenbank als verlässlich. Diese Erwartung eines „ruhigen Fahrwassers“ trug am Donnerstag zur positiven Marktstimmung bei.
Meta liefert Umsatzplus, verfehlt aber den Gewinn
Der zweite Faktor kam von Meta Platforms, einem der Schwergewichte im MSCI World Index. Der Konzern meldete am späten Mittwochabend Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Der Umsatz stieg um 28 Prozent auf 60,80 Milliarden US-Dollar und lag damit leicht über den Erwartungen.
Beim Gewinn pro Aktie reichte es dagegen nicht. Meta kam auf 6,18 US-Dollar, während Analysten im Schnitt mit rund 7,13 US-Dollar gerechnet hatten. Der Grund: massiv gestiegene Kosten und eine höhere effektive Steuerquote.
Der größte Kostentreiber war die KI-Offensive des Konzerns. Die Investitionen erreichten im Quartal 31,1 Milliarden US-Dollar – fast doppelt so viel wie im Vorjahresquartal. Meta-Aktien gerieten im nachbörslichen Handel zunächst unter Druck. Auf den MSCI World ETF wirkte sich das kaum aus. Der Fonds streut sein Risiko über 1.284 Positionen und konnte die Meta-Schwäche durch Gewinne in anderen Sektoren mehr als ausgleichen.
Charttechnik: Sprung über wichtige Marke möglich
Mit dem Kurssprung nähert sich der ETF seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt von 202,30 US-Dollar – aktuell liegt er nur 0,08 Prozent darunter. Technische Analysten sehen ein Überschreiten dieser Marke als mögliches Signal für einen erneuten Anlauf auf das 52-Wochen-Hoch von 212,08 US-Dollar vom 12. Juni.
Bis dahin fehlen dem Fonds noch 4,69 Prozent. Auf Jahressicht steht der ETF trotzdem mit einem Plus von 8,81 Prozent gut da.
Die nächsten Impulse dürften von den US-Arbeitsmarktdaten für Juli kommen, ergänzt durch weitere Quartalsberichte großer Indexmitglieder. Ob der Fonds die 50-Tage-Linie tatsächlich durchbricht, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen.
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