iShares MSCI Global Semiconductors ETF: Bärenmarkt am 17. Juli, Philadelphia Index -18%

Ein chinesisches Open-Source-KI-Modell löst weltweit Kursstürze bei Chipwerten aus. Trotz Rekordzahlen bei TSMC und optimistischer Analystenprognosen bleibt der Sektor unter Druck.

Auf einen Blick:
  • ETF verliert über 20% seit Rekordhoch
  • Chinesisches KI-Modell Kimi K3 löst Verkaufswelle aus
  • TSMC meldet Rekordumsatz, Aktie fällt dennoch
  • Analysten sehen Korrektur als Chance

Der Fonds schloss am Freitag bei 17,17 Euro, ein Minus von 1,28 Prozent zum Vortag. Allein binnen sieben Handelstagen verlor das Papier 10,15 Prozent und liegt inzwischen 20,21 Prozent unter seinem Rekordhoch von 21,52 Euro, das erst am 22. Juni erreicht wurde. Der Auslöser liegt im breiten Halbleitersektor, den der Fonds über 252 Positionen physisch nachbildet.

Chinesisches KI-Modell schickt Chipwerte auf Talfahrt

Die Verkaufswelle begann mit der Veröffentlichung des Sprachmodells Kimi K3 des chinesischen Start-ups Moonshot AI. Das Modell mit 2,8 Billionen Parametern wird kostenlos als Open Source verfügbar gemacht und soll auf Coding-Ranglisten mit etablierten US-Modellen mithalten – bei laut Berichten deutlich niedrigeren Token-Preisen. Das schürte Zweifel an der Notwendigkeit der gigantischen US-Investitionen in KI-Infrastruktur. Der Philadelphia Semiconductor Index fiel allein am 17. Juli um 1,63 Prozent auf 11.673,89 Punkte, Nvidia gab um 2,21 Prozent nach, Applied Materials sogar um 5,57 Prozent. Über die gesamte Woche verlor der Index rund 18 Prozent und rutschte damit offiziell in einen Bärenmarkt. Verstärkt wurde die Bewegung durch gehebelte Produkte: Der dreifach gehebelte SOXL-ETF brach nach Angaben aus dem Markt um mehr als die Hälfte ein, während in Südkorea Anleger wegen aufgelöster Kredit-Positionen zum Verkauf von SK-Hynix-Aktien gezwungen waren.

TSMC liefert Rekordzahlen – der Markt straft trotzdem ab

Paradox mutet die Reaktion auf die Geschäftszahlen von Taiwan Semiconductor Manufacturing an, dem größten Einzeltitel vieler globaler Halbleiterindizes. Der Auftragsfertiger meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 40,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen Rekordgewinn mit einem Anstieg des Nettoergebnisses um 77,4 Prozent. Die Bruttomarge kletterte auf 67,7 Prozent, die vierte Ausweitung in Folge. TSMC hob zudem die Umsatzwachstumsprognose für 2026 auf mehr als 40 Prozent an und kündigte eine zusätzliche Investition von 100 Milliarden US-Dollar in Arizona an. Die Aktie fiel dennoch, weil das Unternehmen sein Investitionsbudget für 2026 gleichzeitig auf 60 bis 64 Milliarden US-Dollar anhob – Anlegern bereitet das Tempo der Kapitalausgaben und die Frage nach deren Monetarisierung Sorgen. Auch ASML, das seine Jahresprognose bereits zum zweiten Mal angehoben hatte, gab nach.

UBS und Barclays sehen keinen fundamentalen Bruch

Trotz der heftigen Kursverluste bleiben große Analysehäuser optimistisch für die Branche, aus der sich die Positionen des ETFs zusammensetzen. UBS rechnet für den Philadelphia Semiconductor Index mit einem operativen Gewinnwachstum von 92 Prozent im Jahr 2026 und weiteren 40 Prozent im Jahr 2027. Barclays sieht in der Korrektur keine Panikverkäufe, sondern vor allem passives Rebalancing von Portfolios. Der Branchenverband WSTS geht von einem globalen Marktwachstum von 90 Prozent im laufenden Jahr und 27 Prozent im kommenden Jahr aus, nachdem sich das Umsatzwachstum im Mai bereits auf 119 Prozent gegenüber dem Vorjahr beschleunigt hatte, nach 106 Prozent im April.

Fonds bleibt breit über den Sektor gestreut

Der laut BlackRock-Angaben mit rund 2,41 Milliarden US-Dollar Fondsvolumen ausgestattete ETF bildet den MSCI ACWI IMI Semiconductors & Semiconductor Equipment ESG Screened Capped Index physisch nach und verlangt eine jährliche Gesamtkostenquote von 0,35 Prozent. Nach der jüngsten Korrektur notiert der Fonds mit einem 50-Tage-Durchschnitt von 18,52 Euro weiterhin unter seinem kurzfristigen Trend, während der langfristige Aufwärtstrend mit einem 200-Tage-Durchschnitt von 12,63 Euro intakt bleibt. Der Wochenrückgang traf einen Sektor, der laut den zitierten Prognosen von WSTS, UBS und Barclays trotz der aktuellen Verunsicherung von einer strukturell hohen Nachfrage nach Rechenkapazität für Künstliche Intelligenz profitieren dürfte.

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