Texas Instruments übertrifft die Erwartungen deutlich. Die Aktie fällt trotzdem zweistellig aus dem Rahmen. Dieser Widerspruch trifft auch den iShares MSCI Global Semiconductors ETF, der am Freitag bei 17,76 Euro notiert, ein Minus von 0,55 Prozent zum Vortag.
Texas Instruments übertrifft, die Aktie bricht ein
Der Chiphersteller meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 5,46 Milliarden Dollar. Das sind 23 Prozent mehr als vor einem Jahr und deutlich über der Analystenschätzung von 5,24 Milliarden Dollar.
Auch beim Gewinn lief es besser als gedacht. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 2,14 Dollar, der Konsens hatte nur 1,92 Dollar erwartet.
Trotz dieser Zahlen schickten Investoren die Aktie am Donnerstag im vorbörslichen Handel um mehr als 5 Prozent nach unten. Das zeigt, wie hoch die Messlatte für Halbleiterwerte nach der langen Rally inzwischen liegt. Selbst starke Ergebnisse reichen offenbar nicht mehr aus, um weitere Kursgewinne zu rechtfertigen.
Auch der Ausblick beim Umsatz fiel solide aus. Für das dritte Quartal rechnet Texas Instruments mit 5,65 bis 6,15 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur 5,61 Milliarden Dollar erwartet.
Beim Gewinn zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Das Management stellt 2,23 bis 2,57 Dollar je Aktie in Aussicht, der Marktkonsens lag bei 2,15 Dollar.
Das Management verweist auf strukturellen Rückenwind aus der KI-Infrastruktur. Leistungsstärkere Serverarchitekturen benötigen mehr analoge und eingebettete Chips. Die Nachfrage aus Rechenzentren soll deshalb stabil bleiben.
Analysten führen den Kursrutsch weniger auf enttäuschende Zahlen zurück. Sie sehen darin eher Gewinnmitnahmen nach einem Kursplus von fast 70 Prozent seit Jahresbeginn. Zur Ergebnisveröffentlichung kam zudem ein Wechsel an der Finanzspitze: Rafael Lizardi geht in den Ruhestand, Julie Knecht übernimmt als neue Finanzchefin.
STMicroelectronics verstärkt den Druck
Texas Instruments steht mit diesem Muster nicht allein da. Auch STMicroelectronics musste am Donnerstag deutliche Kursverluste hinnehmen, obwohl der Konkurrent ebenfalls solide Zahlen präsentierte. Beide Anbieter analoger Halbleiter zeigen: Der gesamte Sektor reagiert inzwischen empfindlich auf jedes Anzeichen von Schwäche im Ausblick, selbst wenn die zugrunde liegende Nachfrage robust bleibt.
Ein volatiler Monat für die Branche
Schon vor der Ergebnisvorlage war Texas Instruments von seinen jüngsten Höchstständen deutlich zurückgefallen. Halbleiterwerte insgesamt verloren im vergangenen Monat im Schnitt 22,3 Prozent.
Diese Schwankungsbreite spiegelt sich auch im iShares-ETF selbst wider. Der Fonds notiert derzeit 17,49 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 22. Juni 2026. Seit Jahresbeginn steht trotzdem ein Plus von 85,85 Prozent zu Buche, angetrieben von der KI-Rally des Sektors, die inzwischen schärferen Schwankungen in beide Richtungen gewichen ist.
Ein Markt ohne Nachsicht
Die aktuelle Lage zeigt einen Markt, der kleine Unschärfen in Prognosen kaum noch verzeiht. Texas Instruments und STMicroelectronics legten beide Zahlen vor, die unter normalen Umständen als bullisch gegolten hätten. Beide Aktien wurden trotzdem verkauft, ein Muster, das sich im Chipsektor seit Wochen wiederholt.
Für einen breit gestreuten Fonds wie den iShares MSCI Global Semiconductors ETF bedeutet das: Einzelne Ergebnisüberraschungen bei Schwergewichten schlagen direkt auf die Tagesperformance durch. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt intakt, die kurzfristigen Ausschläge dürften vorerst hoch bleiben.
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