iShares Global Semiconductors ETF: Samsung-Zahlen und SK-Hynix-IPO als Härtetest

Lieferengpässe bei Nvidia und Warnungen vor einem zyklischen Hoch setzen den Halbleiter-ETF unter Druck. Analysten sehen Kapitalabflüsse zu Cloud-Anbietern.

Auf einen Blick:
  • ETF verliert über fünf Prozent in einer Woche
  • Nvidia-Lieferkette stockt massiv
  • Morgan Stanley warnt vor Sektor-Rotation
  • Samsung-Zahlen und SK-Hynix-Börsengang als Test

94 Prozent Kursplus seit Jahresanfang sprechen eine klare Sprache. Hinter der glänzenden Fassade des Halbleiter-Sektors braut sich jedoch ein Sturm zusammen. Lieferengpässe bei Nvidia und Warnungen vor einem zyklischen Hoch belasten den Markt. Der iShares MSCI Global Semiconductors ETF verlor auf Wochensicht über fünf Prozent und notiert aktuell bei 19,20 Euro.

Lieferketten stocken, Zulieferer brechen ein

Der Auslöser für den jüngsten Abverkauf liegt in der asiatischen Lieferkette. Die Produktion von Leiterplatten für Nvidias neue Kyber-Plattform stockt massiv. Die Analysefirma SemiAnalysis rechnet mit einer Verzögerung von mehr als einem Jahr. Die Folge: Ein heftiger Kursrutsch bei asiatischen Technologie-Zulieferern.

Große Komponentenhersteller spüren den Druck direkt. Ibiden verlor zehn Prozent an Wert. Bei Kingboard Laminates brach der Kurs um 18 Prozent ein. Dieser Hardware-Engpass gefährdet den schnellen Aufbau neuer KI-Infrastruktur. Bisher war genau diese Fantasie der wichtigste Kurstreiber für den Halbleiter-ETF.

Morgan Stanley warnt vor Sektor-Rotation

Parallel dazu warnt Morgan Stanley vor einem zyklischen Höhepunkt im Chip-Sektor. Chefanlagestratege Mike Wilson rechnet mit einer baldigen Umschichtung des Kapitals. Investoren wenden sich zunehmend großen Cloud-Anbietern wie Amazon, Microsoft und Alphabet zu. Deren kombinierte Investitionsbudgets sprengen bald die Billionen-Grenze.

Hinzu kommen Ängste vor einem Überangebot an Rechenleistung. Meta will künftig überschüssige Cloud-Kapazitäten auf dem freien Markt anbieten. Das kostete den Halbleitersektor kurzfristig 200 Milliarden US-Dollar an Marktwert. Schwergewichte wie Micron und Intel büßten neun bis elf Prozent ein.

Auch Software-Fortschritte verschärfen die Lage für Hardware-Bauer. OpenAI konnte die Rechenkosten für KI-Anwendungen offenbar halbieren. Das weckt erste Zweifel an der langfristigen Preismacht der Chip-Hersteller.

Wichtige Härtetests voraus

Trotz der jüngsten Schwäche notiert der ETF nur knapp elf Prozent unter seinem Rekordhoch von 21,52 Euro. Neue Impulse dürften bereits in dieser Woche aus dem Speicher-Sektor kommen. Am morgigen Dienstag legt Samsung vorläufige Zahlen für das zweite Quartal vor.

Analysten erwarten einen Gewinnsprung auf knapp 85 Billionen Won. Das operative Ergebnis dürfte damit um das 18-Fache steigen. Treiber ist die gewaltige Nachfrage nach speziellen Speicherchips für komplexe KI-Anwendungen.

Am Freitag steht das US-Börsendebüt von SK Hynix an. Das Volumen liegt bei mächtigen 29 Milliarden US-Dollar. Ein starkes Samsung-Ergebnis und ein erfolgreiches SK-Hynix-Listing stützen die These vom anhaltenden KI-Ausbau direkt. Enttäuschen die Ereignisse, droht dem ETF ein tieferer Rutsch in Richtung der 50-Tage-Linie bei 17,94 Euro.

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