Der iShares MSCI Global Semiconductors UCITS ETF notiert bei 18,85 Euro. Das sind 0,87 Prozent weniger als am Vortag. Dabei hatten viele seiner Chip-Aktien am Donnerstag kräftig zugelegt. Diese Kluft zeigt, wie nervös die Stimmung rund um KI-Halbleiter ins zweite Halbjahr 2026 startet.
Chip-Aktien springen an, der ETF bleibt zurück
Am Donnerstag ging es für den gesamten Halbleiter-Sektor breit nach oben. Der VanEck Semiconductor ETF stieg um 2,5 Prozent. Micron gewann 4,5 Prozent, Sandisk sogar 7,6 Prozent. Halbleiterwerte führten den Markt damit erneut an. Das stützt die These, dass künstliche Intelligenz weiterhin der wichtigste Treiber der diesjährigen Rally ist, auch wenn Anleger zwischen Sektoren rotieren.
Trotz dieser Stärke liegt der iShares-Fonds noch 12,41 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 21,52 Euro vom 22. Juni 2026. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 90,97 Prozent zu Buche. Auf Sieben-Tage-Sicht zeigt sich allerdings ein Minus von 2,31 Prozent — ein Beleg für die Unruhe, die den Sektor zuletzt erfasst hat.
Die Stimmung bleibt fragil
Marktteilnehmer rechnen trotz der Chip-Rally mit einem schwachen Start an der Wall Street. Auf der Plattform Polymarket lag die implizite Wahrscheinlichkeit für einen höheren Eröffnungskurs des S&P 500 am Freitag bei nur 20 Prozent — und das trotz sinkender Ölpreise und einer weiteren starken Halbleiter-Rally.
Diese Vorsicht folgt auf ein bemerkenswertes erstes Halbjahr. Der VanEck Semiconductor ETF legte in sechs Monaten um 82 Prozent zu, sein bestes je gemessenes Halbjahr. Im zweiten Quartal ging es um 71 Prozent nach oben, der stärkste Anstieg seit dem zweiten Quartal 2021. Auf diese Rekordphase folgten scharfe zweitägige Rücksetzer.
Charttechniker haben die ungewöhnliche Schwankungsbreite registriert. BTIG-Chefanalyst Jonathan Krinsky verweist darauf, dass der iShares Semiconductor ETF in den vergangenen sechs Handelstagen jeweils eine Tagesbewegung von mindestens 3,9 Prozent verzeichnet hat. Seine Einschätzung: Diese Art von extremer Volatilität nahe einem Hoch deute bestenfalls auf eine längere Konsolidierung hin — im schlechtesten Fall auf einen ausgeprägteren Höhepunkt.
Speicherchips und KI-Werte als Unruheherd
Ein Großteil der jüngsten Turbulenzen geht auf Speicherchip-Hersteller zurück. Mehrere von ihnen zählen über die MSCI-ACWI-IMI-Abdeckung des Fonds zu dessen Positionen. Auch asiatische Märkte spiegelten die Unruhe diese Woche wider. Der MSCI Asia Pacific Index kletterte um 0,5 Prozent, angeführt von einem Sprung des südkoreanischen Kospi um 2,6 Prozent.
SK Hynix schwankte in Seoul zwischen Gewinnen und Verlusten, nachdem der Konzern über sein US-Depositary-Share-Angebot 26,5 Milliarden Dollar eingesammelt hatte. Diese Bewegung folgte auf eine deutlich schwierigere Phase wenige Tage zuvor. Micron war am Mittwoch um mehr als 10 Prozent eingebrochen — trotz eines Jahresplus von 260 Prozent. Sandisk verlor über Nacht ebenfalls mehr als 10 Prozent.
Die Fundamentaldaten bleiben stabil
Abseits der täglichen Ausschläge zeigt sich die Branche fundamental robust. Die globalen Halbleiterumsätze erreichten im Mai 2026 einen Rekordwert von 120,6 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 9,2 Prozent zum Vormonat und 104,1 Prozent zum Vorjahr — bereits der 15. Wachstumsmonat in Folge. Dieses strukturelle Wachstum stützt weiterhin das breit gestreute Portfolio des Fonds aus Chipherstellern und Ausrüstungslieferanten in Industrie- und Schwellenländern.
Wie geht es weiter?
Der 50-Tage-Durchschnitt des ETF liegt bei 18,29 Euro. Der aktuelle Kurs von 18,85 Euro befindet sich damit nur 3,1 Prozent über dieser kurzfristigen Trendlinie. Der RSI von 49,2 signalisiert ein neutrales Momentum — weder überkauft noch überverkauft.
Angesichts der Schwankungen bei Einzelwerten wie Micron, Sandisk und SK Hynix dürfte der ETF auch kurzfristig dem raschen Wechsel zwischen KI-Optimismus und Sorgen um Investitionskosten folgen. Ein stabiler Trend zeichnet sich derzeit nicht ab.
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