Ein Auftragsvolumen von 2,8 Milliarden Dollar lässt die IREN-Aktie an einem Tag um fast 20 Prozent steigen. Fünf Handelstage später steht der Kurs tiefer als zuvor. Beim Anbieter von KI-Cloud- und Bitcoin-Mining-Infrastruktur prallt Euphorie über neue Verträge auf tiefes Misstrauen der Anleger.
Am Dienstag fällt die Aktie um 2,80 Prozent auf 31,07 Euro. Das markiert vorerst den Tiefpunkt einer wilden Achterbahnfahrt der vergangenen zwei Wochen.
Freitags-Rutsch beendet Wochengewinn
Am 20. Juli schnellt die Aktie um 19,6 Prozent nach oben. Auslöser sind neue Cloud-Verträge mit KI-Entwicklern im Volumen von 2,8 Milliarden Dollar. Die Deals heben das Jahresziel für den annualisierten Umsatz im AI-Cloud-Geschäft auf über 4 Milliarden Dollar, rund 85 Prozent davon sind bereits gesichert.
Am Freitag kippt die Stimmung. Die Aktie verliert 8,7 Prozent.
Für die Woche bleibt dennoch ein Plus von 10,3 Prozent. Damit schlägt IREN den Nasdaq, der im selben Zeitraum 2 Prozent verlor, um rund zwölf Prozentpunkte.
Fed-Entscheidung und Big-Tech-Zahlen im Fokus
Diese Woche richtet sich der Blick auf die großen KI-Käufer. Microsoft, Amazon und Meta legen ihre Quartalszahlen vor. Investoren achten besonders auf Investitionsausgaben und Profitabilität, Microsoft zählt selbst zu den Kunden von IREN.
Parallel tagt die US-Notenbank am 28. und 29. Juli. Futures-Daten deuteten zuletzt auf eine Wahrscheinlichkeit von 38 Prozent für eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt hin. Eine straffere Geldpolitik würde die Bewertungshürde für wachstumsstarke Infrastruktur-Aktien wie IREN weiter anheben.
Vertragsdetails werfen Fragen auf
Trotz der positiven Schlagzeilen bleibt eine Lücke zwischen Zielen und tatsächlich gesicherten Verträgen. Das Gesamtziel von 4,4 Milliarden Dollar an annualisiertem Umsatz setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
- Microsoft-Vertrag: erwartet 1,9 Milliarden Dollar
- Nvidia-Kontrakt: 700 Millionen Dollar
- Geplante GPU-Einsätze: 1,8 Milliarden Dollar, basierend auf unternehmenseigenen Annahmen
- Bereits fest unter Vertrag: 3,1 Milliarden Dollar
- Außerhalb fester Verträge: rund 1,3 Milliarden Dollar, etwa 30 Prozent des Ziels
Genau dieser ungesicherte Anteil sorgt für Skepsis am Markt.
Vergütungspaket und Kapitalerhöhung belasten zusätzlich
Zur Verunsicherung trägt auch die Kapitalstruktur bei. Ein Vergütungspaket für Führungskräfte im Volumen von 800 Millionen Dollar sorgt für Kritik. Hinzu kommt ein Aktienprogramm über 6 Milliarden Dollar, das laufend neue Aktien an der Börse ausgibt.
Händler fragen sich, wie viel vom KI-Boom am Ende bei den bestehenden Aktionären ankommt.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Die Charttechnik untermauert die vorsichtige Stimmung. Der aktuelle Kurs liegt rund 54,72 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro, das die Aktie im November erreichte.
Trotz der Turbulenzen steht die Aktie binnen zwölf Monaten noch immer 117 Prozent im Plus – Ausdruck der Neubewertung vom Bitcoin-Miner zum KI-Cloud-Anbieter. Die Zahlen der Hyperscaler und die Fed-Entscheidung liefern in dieser Woche die nächsten Belastungsproben für diese Erzählung.
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