Goldman Sachs hat am Freitag das Kursziel für IREN um 40 % auf 30 Dollar gesenkt und die Einstufung „Neutral“ beibehalten. Die vorsichtige Bewertung lässt sich mit dem Spannungsfeld zwischen hoher Nachfrage und anspruchsvoller Umsetzung einordnen: Für IREN sprechen langfristige Kundenverträge, sofern daraus termingerecht Umsatz und ausreichende Mittel für den Ausbau entstehen.
Auftragsbestand trifft auf Ausführungsrisiken
IREN legte diese Woche einen Umsatzauftragsbestand von 20,3 Milliarden Dollar offen. Das entspricht einem Anstieg von 22 % zum Vorquartal. Rund zwei Drittel entfallen auf Kunden mit Investment-Grade-Bonität.
Diese Kundenstruktur spricht für die Qualität der vertraglich gebundenen Nachfrage. Ihren wirtschaftlichen Wert kann IREN allerdings erst ausschöpfen, wenn die vereinbarten Rechenkapazitäten verfügbar sind und abgerechnet werden können. Genau an dieser Schnittstelle belasten Verzögerungen die zeitliche Planbarkeit.
Diese Woche wurde bekannt, dass Microsoft zusätzliche Netzwerkänderungen verlangt hat. Dadurch verschieben sich Teile des fünfjährigen Projekts mit einem Wert von etwa 9,7 Milliarden Dollar auf Anfang 2027.
Für Anleger rückt damit die Ausführung in den Vordergrund. Ein hoher Auftragsbestand stützt die Wachstumsperspektive, sofern technische Anpassungen und Inbetriebnahmen innerhalb der überarbeiteten Zeitpläne gelingen. Goldman Sachs bleibt mit seinem neutralen Urteil trotz der umfangreichen Vertragsbasis zurückhaltend.
Entscheidend wird der verbuchte Umsatz
IREN verschob diese Woche das Ziel von mehr als 4 Milliarden Dollar annualisiertem Umsatz auf Januar 2027; möglicherweise wird es erst bis Ende Februar erreicht. Gemeint ist eine hochgerechnete Umsatzrate, während der tatsächlich verbuchte Umsatz deutlich niedriger ausfallen kann.
Die Bewertung hängt deshalb daran, wie schnell IREN die hochgerechnete Rate in laufende Erlöse übersetzt. Eine schnellere Inbetriebnahme würde die Umsatzbasis stärken, sofern die Kunden die bereitgestellten Kapazitäten wie vereinbart nutzen.
Die diese Woche veröffentlichten Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 zeigen bereits den Bedeutungsgewinn der KI-Sparte: Der KI-Cloud-Umsatz erreichte 200 Millionen Dollar bei einem Gesamtumsatz von 228 Millionen Dollar. Zugleich entstand ein Nettoverlust von 263 Millionen Dollar.
Das Wachstum spricht für den Umbau des Unternehmens, sofern mit steigenden Erlösen auch die Ergebnisqualität zunimmt. Der hohe Verlust macht die Finanzierung des weiteren Ausbaus dabei zu einem zentralen Bewertungsfaktor.
Finanzierung bleibt ein Prüfstein
Kundenvorauszahlungen können den Kapitalbedarf einzelner Projekte abfedern, sofern entsprechende Vertragsbedingungen auch bei weiteren Abschlüssen durchsetzbar bleiben. IREN berichtete diese Woche über einen Vertrag, bei dem die Vorauszahlung einen Großteil der zugehörigen GPU-Investition deckt.
Für eine günstigere Einschätzung sprechen damit die bonitätsstarken Kunden und die vertraglich gesicherte Nachfrage. Eine höhere Bewertung müsste IREN durch verlässliche Auslieferungen und tragfähige Finanzierung rechtfertigen. Bis diese Voraussetzungen zusammenkommen, bleibt die neutrale Haltung von Goldman Sachs nachvollziehbar.
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