Die Analysten von Bernstein trauen der IREN-Aktie fast eine Verdreifachung zu. Gautam Chhugani setzte am 3. September ein Kursziel von 100 US-Dollar mit Einstufung Outperform an – der höchste Wert unter den Analysten, die den Titel abdecken, und rund 182 Prozent über dem damaligen Kursniveau. Nur einen Tag zuvor hatte Greg Miller von Citizens Bank seine Einstufung Market Outperform mit einem Kursziel von 80,00 US-Dollar bestätigt.
Wachsende AI-Cloud-Sparte treibt die Schätzungen
Miller begründete seine Anpassung mit der Skalierung der Plattform, dem wachsenden Beitrag der AI-Cloud-Sparte und den steigenden Investitionsniveaus des Unternehmens. Damit spiegeln die Analysten eine Entwicklung wider, die sich bereits in den Jahreszahlen des Unternehmens von vor rund zwei Wochen angedeutet hatte: Die AI-Cloud-Erlöse waren im vierten Geschäftsquartal um 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen, auf Jahresbasis sogar von 16,4 auf 128,8 Millionen US-Dollar.
Seither hat sich der Aktienkurs um rund zehn Prozent erholt, nachdem die Zahlen zunächst von einem Nettoverlust überschattet worden waren. An der Frankfurter Notierung steht das Papier aktuell bei 38,30 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 37,81 Euro.
Auf Sicht von zwölf Monaten hat die Aktie um 37 Prozent zugelegt, bleibt aber rund 44 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro, das Anfang November erreicht wurde.
Milliardenfinanzierung stützt die Wachstumsstory
Die optimistischen Kursziele fallen in eine Phase, in der IREN seine Kapitalbasis für den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur deutlich verbreitert. Fonds unter Verwaltung von Blue Owl Capital führen eine Finanzierung über 2,4 Milliarden US-Dollar an, mit der IREN Nvidia-Blackwell-Ultra-GPUs für den Mackenzie-Datacenter-Campus in British Columbia beschaffen will.
Die Struktur besteht aus einem besicherten Term Loan über 1,2 Milliarden US-Dollar und besicherten Notes im gleichen Umfang, beide mit einem Zinssatz von 9 Prozent und einer Laufzeit von zweieinhalb Jahren nach Auszahlung. Neben Blue Owl ist auch Pacific Investment Management Company an der Finanzierung beteiligt.
Nach Unternehmensangaben deckt die Fazilität 90 Prozent der zugehörigen GPU-Investitionen ab und soll zusammen mit Kundenvorauszahlungen auch weitere Kapitalbedarfe der Rechenzentren finanzieren. Für Anleger ist das ein wichtiges Signal: IREN kann sein aggressives Ausbautempo offenbar auch nach dem hohen Verlust aus dem jüngsten Quartalsbericht extern finanzieren, ohne auf eine reine Eigenkapitalverwässerung angewiesen zu sein.
Vertragsvolumen als Fundament der Bewertung
Die Analystenzuversicht speist sich auch aus den vertraglich gesicherten Erlösen. Für die 2026er Kapazität hat IREN nach eigenen Angaben rund 4 Milliarden US-Dollar an annualisiertem Vertragsvolumen aufgebaut, wovon zum 26. August bereits etwa 1 Milliarde US-Dollar operativ lief. Ergänzend lieferte das Unternehmen die erste 50-Megawatt-Horizon-Installation an Microsoft aus, während weitere Ausbaustufen für das vierte Quartal 2026 anvisiert sind.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die hohen Kursziele der Analysten mit dem tatsächlichen Hochlauf der AI-Cloud-Kapazitäten decken. Die nächste Gelegenheit zur Überprüfung bietet sich mit den für den 4. November 2026 erwarteten Quartalszahlen.
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