Während der Bernstein-Analyst Gautam Chhugani am 7. Juli 2026 sein Buy-Rating mit einem Kursziel von 100 US-Dollar bekräftigte, warnen andere Beobachter vor einer überzogenen Bewertung nach dem kräftigen Kursanstieg der vergangenen drei Jahre. Die Aktie des australischen Unternehmens notiert aktuell bei 37,19 Euro und legt am Berichtstag um 1,67 Prozent zu, nachdem der Schlusskurs am Vortag bei 36,58 Euro gelegen hatte. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 155,29 Prozent zu Buche, während die Aktie gut 45,8 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro aus dem November 2025 notiert. Der Relative-Stärke-Index von 40,5 signalisiert keine überkaufte, sondern eher eine neutrale bis abgekühlte Marktlage.
Analysten mehrheitlich optimistisch
Neben Bernstein stufte auch Freedom Capital die Aktie zuletzt auf Kaufen hoch und nannte ein Kursziel von 58 US-Dollar. Das Haus rechnet mit einer regelrechten Umsatzexplosion: von 717 Millionen US-Dollar im laufenden Jahr auf 3,1 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027 und 8,5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2028. Insgesamt raten laut einer Auswertung von Insider Monkey 73 Prozent der abdeckenden Analysten zum Kauf, der Median der Kursziele liegt bei 82,50 US-Dollar. Auch HC Wainwright und BTIG führen die Aktie mit Buy-Empfehlungen, die genannte Zielspanne der Analysten reicht von 46 bis 99 US-Dollar. Auf der institutionellen Seite meldeten Datenanbieter zuletzt reges Interesse: Unter den Hedgefonds, die ihre Position aufstockten, fällt vor allem Defiance ETFs mit einem Zukauf von 12,7 Millionen Aktien auf, BlackRock erhöhte um 3,8 Millionen Aktien.
Bewertung bleibt Streitpunkt
Gegen diese positive Analystenstimmung steht eine kritische Bewertungsdebatte. Eine Analyse von Simply Wall St verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 97,2 – deutlich über dem Softwarebranchen-Schnitt von 28,9 und auch über dem Peer-Durchschnitt von 53,4. Ein fairer Multiplikator wird dort bei rund 66,6 verortet, was die Aktie nach dieser Rechnung als überbewertet erscheinen lässt. Die Bandbreite der Einschätzungen ist entsprechend groß: Ein optimistisches Szenario sieht die Aktie um 55 Prozent unterbewertet, ein pessimistisches um 65 Prozent überbewertet. Als Risikofaktoren nennt die Analyse Verwässerungseffekte durch Aktienausgaben, umfangreiche Vergütungsprogramme sowie die verbleibende Abhängigkeit vom Bitcoin-Mining-Geschäft.
Vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter
Der Umbau des Geschäftsmodells treibt die Bewertungsdiskussion maßgeblich an. IREN hat sein Führungsteam für die KI-Plattform verstärkt, eine Mirantis-Integration vorangetrieben und wurde in den Russell-1000-Index aufgenommen. Nach Angaben aus einer Analyse von Seeking Alpha verfügt das Unternehmen inzwischen über einen vertraglich gesicherten annualisierten Umsatz (ARR) von 3,1 Milliarden US-Dollar mit Kunden wie Microsoft und Nvidia. Das Management bestätigte demnach ein ARR-Ziel von 3,7 Milliarden US-Dollar für 2026 sowie den Ausbau der KI-Cloud-Kapazität auf 1,21 Gigawatt bis 2027. Der Analystenkonsens rechnet mit einem Sprung des Umsatzes von 740 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 auf 3,0 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027.
Flankiert wird dieser Strategiewechsel von personellen Weichenstellungen an der Unternehmensspitze. Der unabhängige Vorsitzende von IREN erläuterte in einem Aktionärsbrief vom 8. Juli 2026, dass die Gründer-CEOs Dan und Will Roberts RSU-Zuteilungen von jeweils rund drei Prozent am Unternehmen erhalten haben, um sie bis zum Geschäftsjahr 2033 zu binden. Die Aktien vesten über vier Jahre mit einer zweijährigen Sperrfrist danach, weitere Eigenkapitalzuteilungen an die Gründer sind bis zum Geschäftsjahr 2031 ausgeschlossen. Laut dem Brief sei die Marktkapitalisierung des Unternehmens seit dem Einstieg der Brüder von unter 4 Milliarden auf über 16 Milliarden US-Dollar gestiegen. Der deutliche Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 46,97 Euro sowie zum 200-Tage-Durchschnitt von 42,25 Euro zeigt jedoch, dass der Markt die jüngste Rally seit dem Rekordhoch bereits spürbar korrigiert hat.
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