Sieben Handelstage in Folge ging es abwärts, mehr als ein Fünftel des Aktienwerts löste sich allein im Juli in Luft auf. Dann kam Montag. IREN legte um 20,20 Prozent zu und schloss bei 35,28 Euro.
Der Auslöser: neue Kundenverträge im Volumen von 2,8 Milliarden Dollar und eine kräftig angehobene Umsatzprognose. Für ein Unternehmen, das noch vor wenigen Jahren als Bitcoin-Miner startete, ist das ein bemerkenswerter Kurswechsel.
Neue Verträge verändern die Wachstumsstory
Mit den frischen Abschlüssen hat IREN nach eigenen Angaben bereits rund 85 Prozent seines Jahresend-Umsatzziels vertraglich abgesichert. Das Unternehmen hob seine Zielmarke für den annualisierten Umsatz 2026 von 3,7 Milliarden auf über 4 Milliarden Dollar an.
Grund dafür sind neue mehrjährige Cloud-Verträge mit führenden KI-Entwicklern. Die Kundenliste liest sich wie ein Auszug aus der KI-Branche: Microsoft, Nvidia, Perplexity, Figure AI, Together AI, Fluidstack, Fireworks AI und Hume AI zählen dazu.
Besonders wichtig für Anleger, die zuvor eine Verwässerung durch neue Kapitalerhöhungen fürchteten: Die neuen Verträge enthalten Kundenvorauszahlungen. Diese decken bereits rund 45 Prozent der geplanten GPU-Investitionen ab. Damit sinkt der Bedarf, immer wieder frisches Eigenkapital am Markt einzusammeln — genau das hatte den Markt zuletzt beunruhigt.
Vom Bitcoin-Miner zum KI-Cloud-Anbieter
Das Tempo der Transformation ist beachtlich. Innerhalb von zwölf Monaten wuchs die selbst gebaute AI-Cloud-Kapazität von etwa 3 Megawatt auf 480 Megawatt, die noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Bis 2027 peilt IREN 1,2 Gigawatt an.
Die Kursreaktion am Montag fiel entsprechend deutlich aus. Anleger reagierten unmittelbar auf die Neuigkeit und trieben die Aktie binnen weniger Stunden zweistellig nach oben.
Stimmung dreht, Analysten ziehen mit
Nach dem heftigen Kurssturz der vergangenen Wochen wirkt die Rally wie ein Stimmungsumschwung. Kleinanleger auf der Plattform Stocktwits bezeichneten die Stimmung rund um IREN als „extrem bullisch“, bei gleichzeitig hohem Nachrichtenaufkommen. Die Aktie zählte zu den meistdiskutierten Werten der Plattform.
Bereits vor der Ankündigung hatte sich das Bild bei Analysten aufgehellt. Freedom Capital hatte die Aktie Anfang Juli von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 58 Dollar bestätigt.
Charttechnik bleibt vorsichtig
Der Kurssprung ändert wenig an der grundsätzlichen charttechnischen Lage. IREN notiert weiterhin rund 21,8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 45,10 Euro und 16,6 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 42,32 Euro. Der RSI liegt bei 43,7 — weder überkauft noch überverkauft.
Zum 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro aus dem November fehlen der Aktie noch immer knapp 49 Prozent. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 4,47 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar ein Gewinn von 127,26 Prozent — ein Beleg dafür, wie volatil die Achterbahnfahrt durch den KI-Infrastruktur-Boom bislang verlaufen ist.
Mit einem frisch unterschriebenen Auftragsvolumen von 2,8 Milliarden Dollar und einer Vorfinanzierung von 45 Prozent der GPU-Investitionen hat IREN zumindest zwei der größten Bedenken des Marktes adressiert. Ob der Kurssprung vom Montag eine echte Wende markiert oder nur eine weitere Bewegung in einem unruhigen Handelsumfeld bleibt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen — abhängig davon, ob IREN das angekündigte Kapazitätswachstum tatsächlich liefert.
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