Ein Ausverkauf bei asiatischen Chipwerten hat am Dienstag auf die US-Halbleiterbranche übergegriffen. IREN traf es besonders hart. Die Aktie des australischen KI-Cloud-Anbieters fiel um 6,64 Prozent auf 29,82 Euro.
Damit hat das Papier binnen einer Woche 17,57 Prozent verloren, auf Monatssicht sogar 25,77 Prozent. Seit dem Rekordhoch von 68,61 Euro im November hat sich der Kurswert mehr als halbiert.
Sorge vor chinesischer Konkurrenz erfasst US-Chipwerte
Der Auslöser lag in Asien. Anleger befürchten wachsende chinesische Konkurrenz im Speicherchip-Markt. Diese Sorge sprang auf US-Halbleiterwerte über und erfasste den gesamten KI-Hardware-Sektor.
Dell Technologies und Super Micro Computer traf es am selben Tag noch härter als IREN. Dell brach um rund 15 Prozent ein. Ein Analyst von Evercore hatte zusätzlich vor Kundenkonzentration im Auftragsbestand für KI-Server gewarnt — ein hausgemachtes Risiko, das sich mit dem Branchen-Schock überlagerte.
IREN selbst verlor im Zuge dieser Entwicklung am Dienstagmorgen zunächst mehr als 5 Prozent. Bereits am Vortag hatten Optionshändler Vorsicht walten lassen, als die Aktie um fast 5 Prozent nachgab. Der jüngste Rückschlag setzt diese Serie fort.
Analysten bleiben trotz Absturz gespalten
Trotz der schweren Verluste hat die Wall Street ihre Einschätzung zu IREN nicht grundsätzlich revidiert. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Moderate Buy“. Das durchschnittliche Kursziel von 75,18 US-Dollar impliziert ein Aufwärtspotenzial von etwa 121 Prozent.
Die Optimisten stützen sich auf die jüngste Vertragsdynamik des Unternehmens. IREN hatte sein Jahresumsatzziel erst kürzlich von 3,7 Milliarden auf mehr als 4 Milliarden US-Dollar angehoben. Citizens-Analyst Greg Miller sieht darin einen klareren kurzfristigen Wachstumspfad. Er bewertet die Aktie mit „Buy“ und einem Kursziel von 105 US-Dollar, was einem Potenzial von rund 153 Prozent entspräche.
H.C. Wainwright-Analyst Mike Colonnese lobt „gute Fortschritte“ beim Ausbau der Kundenbasis. Das neue Umsatzziel deute auf stärkere Preissetzungsmacht hin, als bislang angenommen. Sein Kursziel liegt bei 90 US-Dollar, ebenfalls mit „Buy“-Einstufung.
Nicht alle teilen diesen Optimismus. Needham-Analyst John Todaro hält trotz besserer Vertragskonditionen an seinem „Hold“-Rating fest. Er verweist auf verzögerte KI-Umsätze und Konkurrenzdruck durch größere Anbieter. JPMorgan-Analyst Richard Choe geht noch weiter und stufte die Aktie kürzlich auf „Sell“ herab — mit Verweis auf zunehmenden Wettbewerb durch Firmen mit größeren Kapazitäten. Insgesamt stehen acht Kauf-, drei Halte- und eine Verkaufsempfehlung der vergangenen drei Monate im Raum.
Ein Volatilitätsmuster mit System
Der jüngste Einbruch passt zu einem Muster, das IREN das ganze Jahr über begleitet. Der Umbau vom Bitcoin-Miner zum KI-Cloud-Anbieter zieht enorme Investorenaufmerksamkeit an. Er bringt aber auch extreme Kursschwankungen mit sich, während das Unternehmen ein wachsendes Auftragsbuch gegen Verwässerungsrisiken und hohe Investitionen in den Rechenzentrumsausbau abwägen muss.
Die Aktie notiert derzeit rund 32 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI signalisiert mit 35,2 einen überverkauften Zustand. Der chipgetriebene Ausverkauf zeigt, wie eng das Schicksal von IREN weiterhin mit der Stimmung in der gesamten KI-Hardware- und Halbleiterbranche verknüpft bleibt — selbst während die eigenen Vertragszusagen des Unternehmens weiter wachsen.
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