Während die Aktie von IREN nach dem jüngsten Kursrutsch tief im roten Bereich notiert, bleiben zwei Wall-Street-Häuser bei ihrer optimistischen Einschätzung.
H.C. Wainwright & Co. bekräftigte am Freitag ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 90 US-Dollar, Citizens JMP bestätigte am selben Tag ihre Einstufung „Market Outperform“ bei einem Ziel von 80 US-Dollar. Beide Analysehäuser verweisen auf die Dynamik im KI-Cloud-Geschäft als tragendes Argument für ihre Zuversicht.
Der Schlusskurs von 30,80 Euro am Freitag liegt damit weit unter beiden Kurszielen der Analysten – ein Abstand, der die Diskrepanz zwischen fundamentaler Einschätzung und aktueller Marktstimmung verdeutlicht. Das Papier büßte am Freitag 12 Prozent ein und liegt auch auf Wochensicht mit 14 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro, erreicht Anfang November, beträgt der Abstand mittlerweile 55 Prozent.
Vertragsvolumen wächst auf vier Milliarden Dollar
Kern der Zuversicht bei H.C. Wainwright und Citizens JMP ist die vertraglich gesicherte Umsatzbasis von IREN. Das Unternehmen bezifferte die für 2026 kontrahierte jährliche Kapazität mittlerweile auf vier Milliarden US-Dollar – ein Anstieg gegenüber 3,4 Milliarden Dollar, die noch im Juli gemeldet worden waren.
Getrieben wird dieser Zuwachs durch eine neue mehrjährige Vereinbarung mit einem nicht namentlich genannten führenden KI-Labor sowie durch zusätzliche Kundenabschlüsse und Vertragsverlängerungen bestehender Partner.
Bereits Ende Juli hatte IREN neue Kundenverträge im Volumen von 2,8 Milliarden US-Dollar vermeldet und ihr Jahresendziel für die annualisierte Umsatzrate im KI-Cloud-Geschäft von 3,7 Milliarden auf über vier Milliarden Dollar angehoben.
Rund 85 Prozent dieses Ziels galten zu diesem Zeitpunkt bereits als vertraglich abgesichert. Diese Entwicklung untermauert aus Sicht der beiden Analysehäuser die These, dass IREN seinen Wandel vom Bitcoin-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter erfolgreich vollzieht.
Massive Investitionspläne als Belastungsfaktor
Der Kursrückgang der vergangenen Woche lässt sich jedoch nicht allein mit enttäuschenden Geschäftszahlen erklären. Auch die von IREN angekündigte Investitionsguidance für das Geschäftsjahr 2027 von 25 bis 30 Milliarden US-Dollar dürfte Anleger verunsichert haben.
Solche Summen werfen Fragen zur Finanzierung auf, selbst wenn das Unternehmen zum 30. Juni über rund 7,6 Milliarden US-Dollar an Barmitteln verfügte, davon 1,7 Milliarden Dollar als eingeschränkte Liquidität.
Die technischen Marktdaten spiegeln die Verunsicherung wider: Der Kurs notiert derzeit 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen für den mittelfristigen Abwärtstrend. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 125 Prozent zeigt zudem, wie nervös der Handel mit der Aktie aktuell verläuft.
AI Cloud als neuer Wachstumstreiber
Fundamental hat sich die Gewichtung innerhalb des Unternehmens deutlich verschoben: Die Einnahmen aus dem AI-Cloud-Geschäft machten zuletzt 51,4 Prozent des Gesamtumsatzes aus und übertrafen damit erstmals das klassische Mining-Geschäft.
Von den vier Milliarden Dollar an kontrahierter Jahresumsatzkapazität läuft bereits rund eine Milliarde Dollar operativ. Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob dieses Wachstumstempo die enormen Kapitalanforderungen der kommenden Jahre rechtfertigt – die Antwort der beiden Analysehäuser fällt trotz der jüngsten Kursverluste eindeutig positiv aus.
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