Die Aktie von IREN ist am Freitag um 12 Prozent eingebrochen. Auslöser war nicht allein der operative Verlust im vierten Quartal, sondern eine Zahl, die weit in die Zukunft reicht: Das Unternehmen bezifferte seinen Kapitalbedarf für das Geschäftsjahr 2027 auf 25 bis 30 Milliarden US-Dollar.
Woher der Kapitalbedarf kommt
IREN treibt den Umbau von einem Bitcoin-Miner zu einem Anbieter von KI-Rechenkapazität mit hohem Tempo voran. Genau dieser Umbau kostet enorme Summen. Von den für das kommende Geschäftsjahr veranschlagten 25 bis 30 Milliarden Dollar sind laut Unternehmensangaben bislang 14 Milliarden Dollar gesichert, weitere 8 Milliarden Dollar sollen aus künftigen Finanzierungsrunden kommen.
Die verbleibende Lücke lässt am Markt die Sorge vor einer deutlichen Verwässerung der Anteilseigner aufkommen, sollte IREN zur Aktie als Finanzierungsinstrument greifen.
Die Bilanzlast aus dem Umbau zeigte sich bereits in den Zahlen zum vierten Geschäftsquartal: Ein Wertberichtigungsbedarf von 639 Millionen Dollar bei ausrangierter Mining-Hardware trug maßgeblich zu einem Nettoverlust von 703 Millionen Dollar im abgelaufenen Geschäftsjahr bei.
Zugleich schnellte der Umsatz aus dem AI-Cloud-Geschäft nach Unternehmensangaben um fast das Achtfache auf 129 Millionen Dollar hoch – ein Beleg dafür, dass das neue Geschäftsfeld an Substanz gewinnt, auch wenn es die Verluste aus dem Rückbau des alten Geschäfts noch nicht ausgleicht.
Preise ziehen an, Kapazität ist verkauft
Trotz der Verwerfungen bei den Kosten liefert IREN Argumente, die für eine verbesserte Ertragslage sprechen. Nach Unternehmensangaben ist die Kapazität für 2026 im AI-Cloud-Geschäft weitgehend ausverkauft. Ergänzend zu bestehenden Verträgen mit Cohere, Perplexity und weiteren Kunden schloss IREN einen mehrjährigen Vertrag mit einem nicht namentlich genannten Frontier-KI-Labor.
Die Preise für neue Kapazität sind laut Unternehmensangaben seit November um rund 125 Prozent für Dreijahresverträge und um rund 70 Prozent für Fünfjahresverträge gestiegen. Aktuelle Dreijahresverträge liegen demnach bei über 20 Millionen Dollar pro Megawatt IT-Last.
Zur Finanzierung der Wachstumspläne sicherte sich IREN zusätzliches Kapital: 2,8 Milliarden Dollar an neuer GPU-Finanzierung, darunter 2,4 Milliarden Dollar unter Führung von Blue Owl und PIMCO. Insgesamt bezifferte das Unternehmen die gesicherte Gesamtfinanzierung auf 19 Milliarden Dollar, während 6,5 Milliarden Dollar an GPU-Finanzierung die damit verbundenen Investitionsausgaben zu über 100 Prozent abdecken sollen.
Analysten zwischen Sorge und Zuversicht
Die Analysten der Bank Bernstein räumten ein, dass die angekündigten Investitionspläne den Markt „verschreckt“ haben könnten, sehen darin aber eine Überreaktion angesichts sich verbessernder Skaleneffekte im Compute-Geschäft.
Mehrere Häuser – darunter Compass Point, H.C. Wainwright und Cantor Fitzgerald – hielten trotz der Marktreaktion an ihren Kaufempfehlungen fest und verwiesen auf die ausverkaufte Kapazität für 2026 sowie die verbesserte Vertragspreisgestaltung, senkten dabei aber ihre Kursziele, um den gemäßigteren Kapazitätsausbau abzubilden.
Am Aktienmarkt spiegelt sich die Unsicherheit deutlich wider: Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 125 Prozent zählt das Papier zu den schwankungsintensivsten Werten im KI-Infrastruktursegment. Der Kurs notiert derzeit rund 55 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 68,61 Euro, das Anfang November markiert wurde – ein Abstand, der die Wachstumsstory rund um IREN inzwischen deutlich vorsichtiger bepreist als noch vor wenigen Monaten.
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