IonQ steckt mitten im Umbau. Der Quantencomputer-Spezialist kauft sich mit einer milliardenschweren Übernahme eine eigene Chip-Fabrik, verliert an der Börse aber weiter an Boden. Die Aktie schloss am Freitag bei 28,84 Euro, ein Minus von 3,80 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Der RSI liegt inzwischen bei 25,7 Punkten. Das deutet auf eine überverkaufte Aktie hin. Zum Vergleich: Vom 52-Wochen-Hoch bei 73,10 Euro trennen den Titel mittlerweile 60,55 Prozent.
Zahlen im August, Erwartungen schon jetzt hoch
IonQ hat Ende Juli offiziell bestätigt: Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 kommen im August. Im Anschluss folgt die übliche Telefonkonferenz mit dem Management.
Die Messlatte liegt hoch. Im ersten Quartal hatte IonQ den Umsatz um 755 Prozent auf 64,7 Millionen US-Dollar gesteigert. Für das zweite Quartal peilt das Management zwischen 65 und 68 Millionen US-Dollar an. Investoren wollen im August sehen, ob dieses Wachstumstempo hält.
SkyWater-Übernahme als strategischer Kurswechsel
Der eigentliche Treiber der aktuellen Strategie ist aber nicht die nächste Quartalszahl. Es ist die Übernahme von SkyWater Technology. Für 1,8 Milliarden US-Dollar in bar und Aktien kauft sich IonQ eine eigene Halbleiter-Foundry.
Das Ziel: IonQ soll vom reinen Hardware-Entwickler zum vertikal integrierten Quantenhardware-Spezialisten werden. Mit eigener Fertigung will das Unternehmen die Produktion seiner Quantenprozessoren beschleunigen. Rückenwind kommt zusätzlich von staatlicher Seite – ein Förderpaket des CHIPS Act mit einem Volumen von gut 2 Milliarden US-Dollar für Quantentechnologie hatte bereits im Sommer für Kursfantasie gesorgt.
Technische Fortschritte treffen auf Konkurrenzdruck
Operativ liefert IonQ durchaus Argumente. Die firmeneigene Ionenfallen-Technologie erreichte zuletzt eine Gate-Fidelity von 99,99 Prozent bei Zwei-Qubit-Operationen – ein unternehmensinterner Rekord. Dazu kommen der fertiggestellte 256-Qubit-Chip und der erste Verkauf eines Systems der sechsten Generation.
Diese Fortschritte zeigen: IonQ bewegt sich weg vom Laborexperiment, hin zum kommerziellen Einsatz. Trotzdem bleibt die Finanzlage angespannt. Im ersten Quartal stand ein bereinigter EBITDA-Verlust von 96,8 Millionen US-Dollar zu Buche.
Immerhin: Mit einer Barreserve von rund 3,1 Milliarden US-Dollar hat IonQ finanziell Luft. Der Auftragsbestand von 470 Millionen US-Dollar wartet aber noch darauf, sich in tatsächliche Umsätze zu übersetzen.
Der Wettbewerb schläft derweil nicht. Mit dem Nasdaq-Listing des europäischen Konkurrenten IQM Quantum Computers ist ein neuer Pure-Play-Anbieter auf der Bühne. Das dürfte institutionelles Kapital im Quantenhardware-Segment künftig breiter verteilen.
Die Augen richten sich nun auf August. Dann zeigt sich, ob IonQ seine neue Foundry-Basis nutzen kann, um die eigene „Tempo“-Systemreihe schneller zu skalieren – und ob der Auftragsbestand endlich in Umsatzwachstum mündet.
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