IonQ Aktie: 1,8-Milliarden-Deal mit SkyWater vollzogen

Quantencomputing-Pionier IonQ übernimmt Halbleiter-Foundry SkyWater für 1,8 Mrd. Dollar und startet als vertikal integriertes Unternehmen. Quartalszahlen folgen am 5. August.

Auf einen Blick:
  • FTC gibt Übernahme ohne Auflagen frei
  • IonQ wird vertikal integrierter Quantencomputer-Hersteller
  • Quartalszahlen am 5. August erwartet
  • Analysten sehen gemischtes Bild für Aktie

IonQ hat einen der bislang größten strategischen Schritte seiner Unternehmensgeschichte vollzogen: Am Samstag vor einer Woche schloss der Quantencomputer-Spezialist die Übernahme von SkyWater Technology ab, nachdem die US-Wettbewerbsbehörde FTC grünes Licht gegeben hatte. Für Anleger fällt das Ereignis in eine ohnehin turbulente Woche, denn am 5. August stehen die Quartalszahlen an.

FTC genehmigt Deal ohne Auflagen

Die Federal Trade Commission gab am 31. Juli die vorzeitige Beendigung der kartellrechtlichen Prüfung nach dem Hart-Scott-Rodino Act bekannt und ebnete damit den Weg für die 1,8 Milliarden Dollar schwere Übernahme, wie Reuters berichtete. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig: FTC-Vorsitzender Andrew Ferguson hatte zunächst Auflagen zur Sicherung eines fairen Zugangs für Wettbewerber vorgeschlagen, Kommissar Mark Meador sah dagegen keine Wettbewerbsbeeinträchtigung. Ferguson entschied sich letztlich dafür, den Zusammenschluss ohne Bedingungen passieren zu lassen. Die im Januar angekündigte Transaktion sieht vor, dass SkyWater-Aktionäre 15 Dollar in bar sowie IonQ-Aktien im Wert von 20 Dollar je Anteil erhalten.

SkyWater gilt als größte rein US-amerikanische Halbleiter-Foundry und betreibt Fertigungsstätten in Minnesota, Florida und Texas. Mit dem Closing am 1. August wird das Unternehmen zur hundertprozentigen Tochtergesellschaft von IonQ. SkyWater-Chef Thomas Sonderman bleibt an der Spitze der Sparte und berichtet künftig an IonQ-CEO Niccolo de Masi, der die Übernahme als Kristallisationspunkt der Unternehmensvision bezeichnete. IonQ erhofft sich von der eigenen Chipfertigung unter anderem die Fähigkeit, bis 2028 einen Prozessor mit 200.000 Qubits zu testen.

Vertikale Integration als Wette auf die Zukunft

Mit dem Schritt positioniert sich IonQ nach eigener Darstellung als weltweit einziges vertikal integriertes Full-Stack-Unternehmen im Quantencomputing – von der Chipentwicklung bis zur fertigen Hardware. Das Kalkül dahinter: eigene Fertigungskapazitäten sollen Lieferkettenrisiken reduzieren und die Entwicklung leistungsfähigerer Prozessoren beschleunigen. Ergänzend zeigt eine im Mai geschlossene Vereinbarung mit dem Börsenneuling Horizon Quantum, der einen 256-Qubit-Ionenfallen-Computer von IonQ bestellt hat, dass auch die Kundenseite wächst.

Institutionelle Anleger reagierten im ersten Quartal bereits vor dem Closing mit spürbaren Positionsaufstockungen: Mehrere Fondsgesellschaften bauten ihre IonQ-Bestände deutlich aus, während einzelne Insider im Frühjahr Aktien verkauften. Institutionelle Investoren halten mittlerweile gut 41 Prozent der ausstehenden Anteile.

Analysten uneins, Blick auf den 5. August

Am Kapitalmarkt bleibt das Bild gespalten. Von 14 erfassten Analysten vergeben acht ein „Buy“, einer sogar „Strong Buy“, vier stufen die Aktie als „Hold“ ein, ein Haus rät zum Verkauf – in Summe ergibt das ein „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 69,46 Dollar bei einer Spanne von 48,50 bis 100 Dollar. JPMorgan hob sein Ziel zuletzt auf 50 Dollar an, stuft die Aktie aber weiterhin neutral ein. Wedbush sieht dagegen mit einem Kursziel von 60 Dollar und einer „Outperform“-Einstufung Verbesserungspotenzial in der technologischen Roadmap durch die SkyWater-Integration.

Im ersten Quartal hatte IonQ den Umsatz um 754,7 Prozent auf 64,67 Millionen Dollar gesteigert, verfehlte mit einem Verlust von 0,34 Dollar je Aktie aber die Konsensschätzung von minus 0,26 Dollar. Für die kommenden Quartalszahlen am 5. August erwarten Analysten einen Verlust von 0,54 Dollar je Aktie bei einem Umsatz von 66,58 Millionen Dollar. Der Optionsmarkt preist rund um die Veröffentlichung eine Kursbewegung von 19,55 Prozent ein – ein Hinweis darauf, wie nervös der Markt vor dem Termin ist.

Kursbild bleibt angespannt

Nach dem SkyWater-Newsflow zeigte die Aktie zuletzt Erholungstendenzen: Sie legte in den vergangenen sieben Handelstagen um 9,64 Prozent zu und schloss am Freitag bei 31,66 Euro, ein Plus von 2,10 Prozent. Das reicht allerdings nicht, um den mittelfristigen Abwärtstrend zu durchbrechen – der Titel notiert weiterhin gut 20 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Vom Rekordhoch aus Mitte Oktober ist die Aktie nach wie vor weit entfernt. Ob die Übernahme und die anstehenden Zahlen ausreichen, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.

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