Intuitive Surgical Aktie: Johnson & Johnson greift an

Die FDA-Zulassung für den J&J-Chirurgieroboter Ottava erschüttert die Marktposition von Intuitive Surgical. Die Aktie verlor seit Jahresbeginn über 37 Prozent, während Analysten uneins über die künftige Entwicklung sind.

Auf einen Blick:
  • J&J-Roboter erhält FDA-Zulassung
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn 37 Prozent
  • Umsatz steigt, Wachstumsprognose vorsichtig
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Ein Konkurrent zündet den Turbo, Intuitive Surgical verliert die Kontrolle über die eigene Erzählung. Der Roboterchirurgie-Pionier hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel seines Wertes verloren. Der Auslöser: Johnson & Johnson mischt jetzt mit einem eigenen Chirurgieroboter im Markt mit — und die FDA hat grünes Licht gegeben.

Zum Wochenschluss zeigte die Aktie erste Lebenszeichen. Sie stieg um 0,25 Prozent auf 306,80 Euro und legte auf Wochensicht um 3,37 Prozent zu. Das reicht aber nicht, um die massiven Verluste der vergangenen Monate zu kaschieren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,28 Prozent zu Buche.

Johnson & Johnson bricht die Dominanz auf

Am 22. Juli erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Chirurgieroboter Ottava von Johnson & Johnson die Zulassung für diverse Eingriffe in der Allgemeinchirurgie. Für Intuitive Surgical ist das ein Angriff auf das Kerngeschäft. Das Unternehmen dominiert den Markt für robotergestützte Chirurgie mit seinem da-Vinci-System seit Jahren nahezu unangefochten, mit einem geschätzten Marktanteil von 70 Prozent.

Genau diese Position steht jetzt erstmals ernsthaft infrage. Ein Branchenriese mit tiefen Taschen und globalem Vertriebsnetz tritt in den Ring. Kein Wunder, dass der Markt nervös reagierte und die Aktie Ende Juli bis auf ein 52-Wochen-Tief von 289,05 Euro drückte.

Die Quartalszahlen von Mitte Juli lieferten zusätzlichen Zündstoff. Der Umsatz stieg zwar um 19 Prozent auf 2,89 Milliarden US-Dollar, und Intuitive Surgical übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Der Ausblick auf das Prozedurenwachstum fiel jedoch vorsichtig aus. In den USA verlangsamte sich das Wachstum auf rund 12 Prozent — der niedrigste Wert seit 2021.

Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie

Der RSI-Wert von 39,3 deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck seit der Ottava-Zulassung langsam nachlässt. Die Aktie notiert derzeit 11,58 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und liegt mit 415,98 Euro beim 200-Tage-Durchschnitt noch deutlich weiter entfernt.

Die Analystenmeinungen gehen auseinander. HSBC stufte die Aktie Ende Juli wegen kurzfristiger Wachstumssorgen auf „Hold“ herab. UBS dagegen startete die Coverage mit „Buy“ und einem Kursziel von 500 US-Dollar. Die Schweizer Bank argumentiert, der Markt habe die Wettbewerbssituation überbewertet — fortschreitende Automatisierung werde die Verbreitung der Roboterchirurgie eher beschleunigen. Am 31. Juli baute zudem Bank of America laut Marktberichten ihre Position bei Intuitive Surgical aus.

Makrodaten und Sektor-Stabilität im Blick

Die erste Augustwoche bringt zwei wichtige Konjunkturtermine. Am Montag, den 3. August, erscheint der US-ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und liefert Hinweise auf die Investitionsbereitschaft der Industrie. Den Höhepunkt der Woche markiert der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, den 7. August — er dürfte die Erwartungen an die Zinspolitik der Federal Reserve prägen und damit auch die Bewertung von Medizintechnik-Aktien beeinflussen.

Investoren dürften zudem beobachten, ob sich der Sektor nach dem Ende der laufenden Berichtssaison stabilisiert. Ein wichtiger interner Indikator: das da-Vinci-5-System machte im vergangenen Quartal bereits über 50 Prozent der neu platzierten Systeme aus. Weitere positive Signale zur Adoptionsrate könnten der Erholung neuen Schwung geben.

Trotz des strukturellen Gegenwinds durch die neue Konkurrenz verfügt Intuitive Surgical über eine breite installierte Basis. Zum 30. Juni waren 11.710 Systeme im Einsatz — sie sichern dem Unternehmen wiederkehrende Einnahmen aus Instrumenten und Zubehör. Die kommende Woche wird zeigen, ob die charttechnische Marke um 289 Euro dem makroökonomischen Gegenwind standhält.

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