Gute Quartalszahlen, ein miserabler Kurstag. Intuitive Surgical brach am Freitag um 14,19 Prozent ein und schloss bei 302,00 Euro. Das ist der tiefste Stand der letzten 52 Wochen und 41,53 Prozent unter dem Januar-Hoch von 516,50 Euro.
Der Widerspruch liegt auf der Hand. Der Hersteller der da-Vinci-Operationsroboter meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 2,89 Milliarden Dollar, ein Plus von 19 Prozent zum Vorjahr. Das lag über der Analystenschätzung von 2,82 Milliarden Dollar. Auch der Gewinn übertraf die Erwartungen deutlich: 2,80 Dollar bereinigter Gewinn je Aktie gegenüber prognostizierten 2,51 Dollar.
Der GAAP-Nettogewinn kletterte auf 818 Millionen Dollar, gestützt von einer operativen Marge von 33,6 Prozent. Zahlen, mit denen sich die meisten Unternehmen feiern lassen würden.
Der Guidance-Stopp als Auslöser
Warum dann der Ausverkauf? Das Management ließ seine Jahresprognose für das da-Vinci-Prozedurwachstum unverändert bei 13,5 bis 15,5 Prozent. Investoren hatten nach dem starken Quartal eine Anhebung erwartet – und wurden enttäuscht.
Hinzu kommt eine Wachstumsbremse im wichtigsten Markt. Das US-Prozedurwachstum verlangsamte sich auf rund 12 Prozent, das schwächste Tempo seit den Jahren 2020 und 2021. CEO David Rosa erklärte die Abkühlung mit verschiebbaren Eingriffen. Veränderte Versicherungsbedingungen und Prämienstrukturen würden beeinflussen, wann Patienten sich behandeln lassen.
Dazu kommt China. Dort setzen zunehmende lokale Konkurrenz und staatlich gelenkter Preisdruck dem Geschäft zu.
Da Vinci 5 läuft, aber das reicht nicht
Ein Lichtblick bleibt der Rollout der neuen Systemgeneration. Von 468 im Quartal installierten da-Vinci-Systemen entfielen 246 auf das neue Modell da Vinci 5 – im Vorjahresquartal waren es erst 180 gewesen. Die weltweite installierte Basis wuchs um 12 Prozent auf 11.710 Systeme.
Laut Management nutzen Kliniken das neue Modell intensiver als den Vorgänger Xi. Der Grund: integriertes Force-Feedback und digitale Funktionen, die viele Häuser zum Umstieg bewegen. Die Gesamtzahl der Prozeduren wuchs im Quartal um 16 Prozent – langfristig bleibt der Trend zur robotergestützten Chirurgie also intakt.
Analysten kappen ihre Kursziele
Die Kursreaktion trifft die Aktie in charttechnisch fragiler Verfassung. Sie notiert nun 16,19 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 360,34 Euro und liegt mit dem RSI von 29,9 im überverkauften Bereich.
Mehrere Banken reagierten mit Kurszielsenkungen:
- Stifel senkte das Kursziel von 670 auf 550 Dollar und verwies auf Sorgen wegen Margendruck durch hohe Technologie-Investitionen.
- Evercore ISI beließ die Einstufung bei „In-Line“, strich das Kursziel aber von 430 auf 375 Dollar.
- BTIG reduzierte das Ziel auf 469 Dollar, hält aber an der Kaufempfehlung fest.
Der Markt gewichtet damit kurzfristige Wachstumssorgen und Versicherungs-Gegenwind höher als das langfristige Potenzial des da-Vinci-5-Zyklus. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 54,28 Prozent dürfte die Aktie in den kommenden Wochen ein unruhiges Pflaster bleiben.
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