Ein Quartalsgewinn über den Erwartungen, und trotzdem stürzt die Aktie ab. Intuitive Surgical verlor am Freitag 14,19 Prozent und markierte damit ein neues 52-Wochen-Tief bei 302,00 Euro. Innerhalb einer Woche summierte sich der Verlust auf über 15 Prozent. Der Grund liegt nicht in den Zahlen selbst, sondern im Ausblick des Roboterchirurgie-Pioniers.
Starke Zahlen, schwacher Ausblick
Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal einen bereinigten Gewinn von 2,80 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt nur 2,51 Dollar erwartet. Der Umsatz kletterte um 19 Prozent auf 2,89 Milliarden Dollar, verglichen mit 2,44 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal.
Die eigentliche Enttäuschung folgte beim Ausblick. Das Management rechnet für das Gesamtjahr 2026 mit einem Wachstum der da-Vinci-Prozeduren zwischen 13,5 und 15,5 Prozent. Der Mittelwert von 14,5 Prozent liegt damit nicht über den bisherigen Erwartungen der Investoren.
Besonders die Verlangsamung in den USA sorgt für Nervosität. Das Prozedurwachstum dort fiel im zweiten Quartal auf rund 12 Prozent. Das Wachstum der installierten Basis in den USA erreichte 8,7 Prozent. Beide Werte markieren die schwächsten Raten seit der Corona-Pandemie 2020/2021.
Das Management nennt zwei Gründe für die schwächere US-Entwicklung. Zum einen wirken sich Abmeldungen aus der Krankenversicherung nach dem Affordable Care Act leicht negativ auf das Prozedurwachstum aus. Zum anderen greift schlicht das Gesetz der großen Zahlen: Je größer die installierte Basis, desto schwerer werden hohe Wachstumsraten.
Analysten kappen Kursziele reihenweise
Die Enttäuschung über die Guidance löste eine Welle von Kurszielsenkungen aus. Bemerkenswert dabei: Die meisten Häuser halten trotzdem an ihren positiven Einstufungen fest.
- Stifel senkt das Kursziel von 670 auf 550 Dollar, Einstufung bleibt „Buy“
- Leerink kürzt von 573 auf 454 Dollar, weiterhin „Outperform“
- Citi reduziert von 590 auf 500 Dollar, Rating bleibt „Buy“
- BofA senkt von 515 auf 470 Dollar, ebenfalls „Buy“
- Raymond James kappt von 577 auf 483 Dollar, Analyst Jayson Bedford verweist explizit auf die Wachstumsverlangsamung in den USA
BTIG-Analyst Ryan Zimmerman senkte sein Ziel von 512 auf 469 Dollar und beließ es bei „Buy“. Baird-Analyst David Rescott kürzte von 525 auf 500 Dollar und hält an „Outperform“ fest.
China bleibt ein Problemfeld
Neben den USA bereitet auch China Kopfzerbrechen. CEO David Rosa beschrieb das Marktumfeld dort im Earnings-Call als weiterhin schwierig. Er nannte drei Faktoren: geringere Ausschreibungsaktivität, wachsende Konkurrenz durch heimische Roboteranbieter und politisch bedingter Preisdruck.
Rosa verwies zudem auf regulatorische Anpassungen. Dazu zählen überarbeitete Abrechnungscodes und der Quotenprozess im Rahmen von Chinas 15. Fünfjahresplan. Das Unternehmen steht dazu im Austausch mit Provinzregierungen und durchläuft parallel das beschleunigte Zulassungsverfahren für die SP- und Da-Vinci-5-Plattformen.
Nicht alle Analysten halten den Ausverkauf für fundamental gerechtfertigt. William Blair ordnet den Kursrutsch von über 10 Prozent im nachbörslichen Handel als Reaktion auf überzogene Investorenerwartungen ein, nicht als Zeichen einer sich verschlechternden langfristigen Perspektive. Die Bewahrung statt Anhebung der Wachstumsprognose habe angesichts der hohen Bewertung der Aktie enttäuscht, so das Haus. William Blair nennt schwächere ACA-bedingte Prozedurvolumina, verschärfte Konkurrenz in China und Preisinitiativen als Unsicherheitsfaktoren für die kommenden Quartale. Die Einstufung „Outperform“ bleibt dennoch bestehen, begründet mit dem branchenführenden Gewinnwachstum des Unternehmens.
Charttechnik zeigt überverkauftes Niveau
Der aktuelle Kurs liegt gut 41 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 516,50 Euro, das die Aktie Anfang Januar erreicht hatte. Der 14-Tage-RSI ist auf 29,9 gefallen — ein Wert, der klassisch als überverkauft gilt. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität kletterte auf 54,28 Prozent und spiegelt die heftigen Kursausschläge seit der Quartalsvorlage wider.
Ob sich der Kurs auf diesem Niveau stabilisiert oder weiter abrutscht, hängt maßgeblich von den nächsten Quartalen ab. Investoren dürften vor allem darauf achten, ob sich die ACA-bedingten Belastungen in den USA abschwächen und wie sich der Wettbewerbsdruck in China entwickelt.
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