Ein Kurssturz von rund einem Viertel binnen zwölf Monaten trifft bei Intuitive Surgical auf ein Bewertungsniveau, das im Vergleich zur Konkurrenz weiterhin an der Spitze liegt. Genau dieses Spannungsfeld beschäftigt Analysten und Investoren des Roboterchirurgie-Herstellers derzeit am stärksten.
Am Mittwoch gibt die Aktie um 1,48 Prozent nach und notiert bei 312,95 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 36,02 Prozent zu Buche, und vom 52-Wochen-Hoch bei 516,50 Euro trennen das Papier inzwischen 39,41 Prozent. Der Ausverkauf drückt die Bewertung, ändert aber wenig an der grundsätzlichen Wachstumsstory des Unternehmens.
Wachstum verlangsamt sich, Kennzahlen bleiben robust
Im zweiten Quartal übertraf Intuitive Surgical die Erwartungen: Der Gewinn je Aktie lag bei 2,80 Dollar gegenüber einer Konsensschätzung von 2,48 Dollar, der Umsatz kletterte auf 2,89 Milliarden Dollar und damit um 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen platzierte im Quartal 468 da-Vinci-Systeme, ein Plus von 18 Prozent im Jahresvergleich. Die operative Marge liegt Analysten von Trefis zufolge bei 31 Prozent und damit über der der Konkurrenz, das Umsatzwachstum der vergangenen zwölf Monate bei 21 Prozent.
Doch das Tempo lässt nach. In den USA verlangsamte sich das Prozedurwachstum auf 12 Prozent, weltweit auf 15 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Intuitive Surgical mit einem weltweiten Prozedurwachstum zwischen 13,5 und 15,5 Prozent – eine Spanne, die den nachlassenden Schwung bereits einpreist. Trefis verweist zugleich auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40,8, das höchste in der Vergleichsgruppe der Branche. Verschärft wird der Wettbewerbsdruck durch die FDA-Zulassung von Johnson & Johnsons Robotersystem Ottava, das künftig direkt mit da Vinci konkurrieren dürfte.
Institutionelle Investoren uneins, Insider verkaufen
Das Bild unter den großen Anlegern ist gespalten. Während Caxton Associates seinen Bestand im ersten Quartal um 99,6 Prozent zusammenstrich und nur noch eine Restposition hält, stockte Empowered Funds seine Position um 143,1 Prozent auf. Auch der Vermögensverwalter Amundi baute seinen Anteil um 8,6 Prozent aus. Auf der anderen Seite reduzierten das California State Teachers Retirement System um 3,2 Prozent und die Manufacturers Life Insurance Company um 11,2 Prozent ihre Anteile. Unternehmensinsider verkauften in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von 2,77 Millionen Dollar – ein Signal, das Anleger im Kontext der insgesamt hohen Bewertung genau beobachten dürften.
Analysten zwischen Verkaufsempfehlung und Kurszielen weit über dem Markt
Auch die Analystenmeinungen könnten kaum weiter auseinanderliegen. Die Deutsche Bank stuft die Aktie mit „Sell“ und einem Kursziel von 366 Dollar ein, während Barclays mit „Overweight“ ein Ziel von 651 Dollar ausgibt. Der Konsens liegt bei „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 517,21 Dollar – deutlich über dem aktuellen Niveau, was die Skepsis einzelner Häuser relativiert, aber nicht auflöst.
Für Anleger bleibt damit ein zweigeteiltes Bild: robuste operative Zahlen und ein nach wie vor wachsender Markt für roboterassistierte Chirurgie stehen einer sich abschwächenden Wachstumsdynamik und einer im Branchenvergleich sportlichen Bewertung gegenüber. Der jüngste Kursrückgang hat die Distanz zum 52-Wochen-Tief von 289,05 Euro auf 8,27 Prozent verkürzt – ein Niveau, das die Marktteilnehmer offenbar als Testmarke für die weitere Richtung begreifen.
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