Selten fallen ein handfester Übernahme-Coup und solide Quartalszahlen auf denselben Tag. Bei Intercontinental Exchange ist genau das passiert. Der Börsenbetreiber greift nach MarketAxess und zahlt dafür einen Aufschlag, der selbst erfahrene Marktbeobachter aufhorchen lässt.
Sechs Milliarden Dollar für den Anleihehandel
ICE übernimmt MarketAxess Holdings für 167 Dollar je Aktie in bar. Das entspricht einem Aufschlag von 33 Prozent auf den Schlusskurs vom 29. Juli 2026 und einem Eigenkapitalwert von rund sechs Milliarden Dollar. Die Transaktion soll das bereinigte Ergebnis je Aktie bereits im ersten vollen Jahr nach Abschluss steigern.
MarketAxess betreibt eine elektronische Handelsplattform für institutionelle Anleihegeschäfte und verbindet nach eigenen Angaben rund 2.100 institutionelle Investoren und Broker-Dealer in mehr als 90 Ländern. Gehandelt werden Unternehmensanleihen, Kommunalanleihen, Schwellenländer-Schulden, Eurobonds und US-Staatsanleihen. ICE-Chef Jeff Sprecher bezeichnete den Deal als logischen nächsten Schritt einer Strategie, die schon in Energie- und Kreditderivatemärkten funktioniert habe: fragmentierte, intransparente Marktecken mit Technologie und Netzwerkeffekten aufzubrechen.
Das Kalkül dahinter: Der globale Anleihemarkt umfasst schätzungsweise 145,1 Billionen Dollar an ausstehenden Schulden — gehandelt wird dort bis heute vielfach manuell und bilateral, mit spürbar höheren Transaktionskosten als in Aktienmärkten. Mit MarketAxess‘ institutionellem Handelsnetzwerk und ICEs bestehender Retail-Bond-Sparte, Datenanalyse und Indexgeschäft soll ein durchgängiges Ökosystem entstehen — von der Preisfindung vor dem Handel bis zur Abwicklung danach. Der Vorstand beider Unternehmen hat der Übernahme bereits einstimmig zugestimmt, das laufende Aktienrückkaufprogramm bei ICE bleibt davon unberührt.
Zweites Quartal übertrifft Vorjahr deutlich
Noch bevor die Übernahme publik wurde, hatte ICE bereits Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt. Der Gewinn stieg auf 958 Millionen Dollar beziehungsweise 1,69 Dollar je Aktie, nach 851 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Bereinigt lag das Ergebnis bei 1,074 Milliarden Dollar oder 1,90 Dollar je Aktie.
Der Umsatz kletterte um 10,7 Prozent auf 3,611 Milliarden Dollar. Diese solide operative Basis dürfte die Finanzierung des MarketAxess-Deals erleichtern — ein Aspekt, den Anleger bei der Bewertung der Übernahmekonditionen im Blick behalten dürften.
Die MarketAxess-Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Kurssprung von knapp 30 Prozent auf den Übernahmepreis. Für ICE selbst bleibt entscheidend, wie schnell sich die versprochenen Synergien aus dem kombinierten Fixed-Income-Geschäft materialisieren — der Deal muss noch die üblichen aufsichtsrechtlichen Freigaben durchlaufen, bevor er endgültig vollzogen werden kann.
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