Intellia Therapeutics Aktie: Studienerfolg trifft Umsatzloch

Intellia verzeichnet bahnbrechende Phase-3-Daten für lonvo-z, muss jedoch im zweiten Quartal deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Die Aktie reagiert vorbörslich negativ.

Auf einen Blick:
  • Phase-3-Studie zeigt 87% Anfallsreduktion
  • Umsatz verfehlt Analystenerwartungen deutlich
  • Zulassungsantrag für lonvo-z in H2 2026 erwartet
  • Studien zu nex-z nach Sicherheitsstopps wieder aufgenommen

Selten liegen gute und schlechte Nachrichten bei einem Biotech-Unternehmen so nah beieinander wie bei Intellia Therapeutics an diesem Donnerstag. Die klinischen Daten zu lonvo-z gelten als Meilenstein für die Gentherapie-Branche. Die Quartalszahlen dagegen enttäuschten die Wall Street deutlich.

Der Umsatz aus Kooperationsverträgen fiel im zweiten Quartal auf 7,66 Millionen Dollar. Analysten hatten mit 13,18 Millionen Dollar gerechnet — ein Fehlbetrag von fast 42 Prozent. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 14,2 Millionen Dollar geht vor allem auf geringere Zahlungen von Partner Regeneron zurück. Die Aktie reagierte im vorbörslichen Handel mit einem Minus von 1,73 Prozent auf 10,78 Dollar.

Lonvo-z liefert die erhoffte Bestätigung

Der eigentliche Fixpunkt des Quartals war die Phase-3-Studie HAELO zu lonvo-z bei hereditärem Angioödem. Die einmalige CRISPR-Infusion senkte die monatliche Anfallsrate um 87 Prozent gegenüber Placebo, 62 Prozent der behandelten Patienten blieben über sechs Monate komplett anfalls- und therapiefrei. Die Daten wurden im Juni beim europäischen Allergiekongress EAACI vorgestellt und im New England Journal of Medicine veröffentlicht — für Intellia bereits die sechste Publikation in diesem Fachjournal.

Das Unternehmen rechnet mit der FDA-Annahme des Zulassungsantrags für lonvo-z in der zweiten Hälfte 2026 und peilt einen US-Marktstart in der ersten Hälfte 2027 an. Vorbereitungen für die Kommerzialisierung laufen bereits: Feldteams für Medizin, Erstattung und Kundenbetreuung sind besetzt, erste Gespräche mit Behandlungszentren finden statt.

Nex-z: Sicherheitssignal mit Gegenmaßnahme

Bei nex-z, dem Kandidaten gegen ATTR-Amyloidose, konnte Intellia die Rekrutierung in beiden Phase-3-Studien nach vorübergehenden klinischen Stopps wieder aufnehmen. Eine genomische Analyse von über 600 Patientenproben identifizierte ein spezifisches HLA-Allel namens C0501, das mit höheren Leberenzym-Anstiegen assoziiert ist. Zwölf Prozent der untersuchten Patienten tragen dieses Allel, wobei auch in dieser Gruppe die meisten Betroffenen keine schweren Erhöhungen zeigten. Intellia hat die Studienprotokolle bereits angepasst und bindet HLA-Tests künftig in alle Phase-3-Verfahren ein.

Finanziell steht das Unternehmen auf solidem Fundament. Die Barmittel beliefen sich zum 30. Juni 2026 auf 628,4 Millionen Dollar, gestützt durch eine im April abgeschlossene Kapitalerhöhung mit rund 195 Millionen Dollar Nettoerlös. Der Netto­verlust weitete sich derweil leicht auf 106,6 Millionen Dollar aus, nach 101,3 Millionen Dollar im Vorjahresquartal — während die Forschungskosten sanken, stiegen die Ausgaben für den Aufbau der Vertriebsinfrastruktur.

Das Management geht davon aus, dass die vorhandenen Mittel — ohne jegliche Produktumsätze aus lonvo-z eingerechnet — mindestens bis 2028 reichen. Die kommenden Monate entscheiden, ob die FDA den Zulassungsantrag wie geplant in der zweiten Jahreshälfte annimmt und ob MAGNITUDE-2, die zweite Phase-3-Studie zu nex-z, wie vorgesehen bis Ende 2026 die Rekrutierung abschließt.

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