Intel vor den Zahlen: War der Kursverdoppler gerechtfertigt?

Die US-Regierung ist mit 9,9 Prozent größter Intel-Aktionär und sichert die Finanzierung für die Produktionsverlagerung in die USA. Der Kursanstieg basiert auf dieser Zukunftsstrategie.

Auf einen Blick:
  • US-Regierung hält 9,9 Prozent der Intel-Aktien
  • Staatliche Beteiligung sichert milliardenschwere Finanzierung
  • Produktionsverlagerung in die USA bis 2030 geplant
  • Erwartete Staatsaufträge aus Verteidigung und Industrie

Liebe Leserinnen und Leser,

Intel-Aktionäre können sich freuen: Wer sich die Aktie im August ins Depot legte, konnte in wenigen Monaten einen Verdoppler erzielen. Obwohl das Unternehmen morgen nach Börsenschluss voraussichtlich den fünften Umsatzrückgang auf Jahressicht bekannt geben wird, steht die Aktie so hoch wie lange nicht. Wie passt das zusammen fragt man sich da zurecht?

Grund ist der Einstieg der Trump-Administration im Rahmen des CHIPS Acts! Durch die Vereinbarung hat die US-Regierung einen Anteil von 9,9% an Intel erworben und ist damit größter Einzelaktionär. Staatseinstiege kennt man in den liberalen USA eigentlich nur bei den Bankenrettungen oder bei General Motors – also in Krisenfällen – doch es ist unter Trump nicht das einzige Novum.

Die USA sind auf einen sichtbaren Autarkie-Kurs und da gehört eine Halbleiter-Souveränität natürlich dazu. Aktuell werden Schlüsseltechnologien fast komplett in Asien produziert und Intel ist der einzige US-Hersteller, der – zumindest auf dem Papier – die Fertigung zurück in die USA holen kann. Wird so ein Plan umgesetzt, ist mit immensen Kosten zu rechnen, sodass die Beteiligung sicherstellen soll, dass Intel das Ganze auch finanziell durchhält.

Ein wichtiger weiterer Effekt: Die Produktionsverlagerung schafft mehr Flexibilität in der Taiwan-Frage. Auswirkungen einer Invasion durch China sind dann deutlich geringer.

Staatseinstieg sichert Finanzierung zur Produktionsverlagerung

Die Vorteile des Einstiegs für die Investoren liegen auf der Hand. Zunächst einmal ist ab sofort ausgeschlossen, dass Intel pleite geht. Ja, Intel steht im Branchenvergleich nicht auf den besten Beinen. Die Gewinnentwicklung fällt von 25 Mrd. USD (2020) über 7,8 Mrd. USD (2022) auf -11 Mrd. USD in 2024.

Für 2025 wird ein Mini-Gewinn prognostiziert, doch wo Branchenkollegen im Kredit-Rating mindestens ein A vorne haben, steht bei Intel ein B. Kein Alarmsignal aber auch kein Polster für den Aufbau einer US-Produktion. Durch den Staatseinstieg kann Intel voraussichtlich auf staatlich vergünstigte Kreditkonditionen und bessere Refinanzierungsbedingungen zurückgreifen und auch direkte Fördermittel dürften dem Unternehmen zukommen.

Milliarden-Aufträge von Behörden und aus der US-Wirtschaft sicher

Der ganz große Vorteil kommt, wenn die Produktion erst einmal steht und Intel den Wandel vom Chip-Designer zum Auftragsfertiger vollzogen hat. Dann wird es vermutlich Staatsaufträge hageln. Besonders das Verteidigungsministerium, der Rüstungssektor und die neu gegründete Space Force werden zu den Kunden gehören, da in kritischen Sektoren „Made in America“ noch strikter als aktuell Pflicht werden dürfte.

Für die Industrie (Telekom, Automobil, Smartphone) ist die Vor-Ort-Produktion natürlich auch ein großer Vorteil. Die Planungssicherheit nimmt zu, die Transportwege verkürzen sich und gleichzeitig stehen für alle Kapazitäten zur Verfügung – während bei TSMC Kunden wie Apple oder Nvidia bevorzugt wurden.

Staatseinstieg eliminiert nicht Investorenrisiko

Bis die Produktionslinien stehen, wird jedoch noch ein wenig Zeit vergehen. Intel hat einen Stufenplan, der bis mindestens 2030 geht. Bei den morgigen Zahlen wird es den Investoren also auch um den Turnaround und den Ausblick auf 2026 gehen. Hier steht das Servergeschäft unter Beobachtung, aber auch der (KI-)PC-Markt ist von Interesse.

Intel Aktie Chart

Der Vertrauensvorschuss muss jetzt mit Zahlen untermauert werden, ansonsten droht trotz der mittelfristig spannenden Investitionsstory eine scharfe Kurskorrektur. Denn es ist keinesfalls so, dass mit dem Staatseinstieg das Risiko von Kursverlusten für die Investoren vom Tisch ist.

Diese leidvolle Erfahrung mussten Investoren des Lithium-Förderers Lithium Americas machen, an dem sich die Trump-Administration vor wenigen Monaten ebenfalls beteiligte. Nachdem der Aktienkurs infolge des Einstiegs auf 8 Euro kletterte, machte sich schnell Ernüchterung breit, das Papier kam auf Kurse um 4 Euro zurück. Auch hier werden Aufträge vom Staat in wenigen Jahren erwartet, doch in welcher Höhe und welche Gewinnspanne dann das Unternehmen hat, ist hier ebenso unklar wie bei Intel.

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