Intel hat gerade das beste Quartal seit 2011 abgeliefert. Die Aktie ist trotzdem in einem Monat um fast 30 Prozent eingebrochen. Diese Kluft zwischen Geschäftszahlen und Kursverlauf ist der Kern der Geschichte — und für mich der stärkste Hinweis darauf, dass hier eine Überreaktion abläuft, kein Urteil über die Zukunft des Konzerns.
Gute Zahlen, verkaufter Kurs
Der Quartalsbericht selbst gab keinen Anlass zur Sorge. Intel meldete das schnellste Umsatzwachstum seit 15 Jahren und übertraf die Erwartungen deutlich. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 42 Cent, der Markt hatte nur 21 Cent erwartet. Der Umsatz erreichte 16,1 Milliarden Dollar, prognostiziert waren 14,42 Milliarden Dollar.
Auch die Foundry-Sparte lieferte. Sie meldete 5,8 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 31 Prozent zum Vorjahr. Trotzdem verkaufte der Markt die Aktie, statt sie zu kaufen. Genau dieses Muster — starke Zahlen, fallender Kurs — deutet meist darauf hin, dass die Erwartungen der Realität weit vorausgeeilt waren. Nach einem Kursplus von rund 150 Prozent seit Jahresbeginn ist das keine Überraschung.
Die Analysten machen nicht mit
Bemerkenswert ist, wie die Wall Street auf den Ausverkauf reagiert hat. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon äußerte sich so zuversichtlich über Intel wie lange nicht mehr. HSBC-Analyst Frank Lee stellte fest, der Markt lese die Zahlen völlig anders als noch im Vorquartal. Bank of America ging sogar so weit, die Aktie in einem seltenen Doppelschritt hochzustufen — mit Verweis auf die KI-getriebene Neubewertung des Geschäftsmodells.
Das ist nicht der Tonfall einer Analystengemeinde, die das Vertrauen in die Wende verliert. Das klingt nach Marktteilnehmern, die eine heftige, überzogene Korrektur nach einem parabolischen Anstieg einordnen — nicht nach dem Ende einer Erfolgsgeschichte.
Der Chart zeigt Panik, keinen Trendbruch
Der aktuelle Kurs von 78,42 Euro liegt 37 Prozent unter dem Jahreshoch von 124,58 Euro. Gleichzeitig steht die Aktie noch immer knapp 34 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Für mich ist das der entscheidende Unterschied: Der langfristige Aufwärtstrend ist intakt, nur die kurzfristige Dynamik ist gekippt.
Der RSI von 39,2 liegt im neutralen bis leicht überverkauften Bereich — kein Zeichen struktureller Schwäche. Dazu passt der Kommentar des Finanzchefs, wonach der neue 14A-Fertigungsprozess dem Zeitplan früherer Chip-Generationen voraus ist. Die Investitionen ins Foundry-Geschäft sollen im kommenden Jahr sogar noch steigen.
Mein Fazit
Die Ausführungsrisiken im Foundry-Geschäft sind damit nicht vom Tisch. Sie begleiten Intel seit Jahren, und die extreme Schwankungsbreite der Aktie wird weitere heftige Ausschläge in beide Richtungen bringen. Ein Konzern mit dem schnellsten Wachstum seit 15 Jahren, wachsendem Foundry-Umsatz und neu gewonnener Rückendeckung von Analysten rechtfertigt aber normalerweise keinen Kurseinbruch von fast 30 Prozent in vier Wochen.
Das aktuelle Bild wirkt weniger wie eine gescheiterte Wende als wie ein Markt, der sich im Juni übernommen hat und diese Übertreibung jetzt abbaut. Sobald der Verkaufsdruck nachlässt, spricht einiges für eine Stabilisierung.
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