Intel-Chef Lip-Bu Tan tritt Spekulationen über eine politische Einflussnahme des Weißen Hauses auf den US-Halbleiterkonzern entschieden entgegen. In einem Gespräch mit der Wirtschaftszeitung Nikkei Asia stellte der Manager klar, dass die Regierung in Washington keine Absicht verfolge, ihre Minderheitsbeteiligung zur Steuerung der Geschäftsstrategie oder der Unternehmensführung zu nutzen.
Mit dieser klaren Abgrenzung reagiert die Unternehmensspitze vor allem auf Vorbehalte potenzieller Kunden im Auftragsfertigungsgeschäft, die eine Einmischung durch die Politik fürchten.
Klare Trennung zwischen Kapital und Konzernführung
Hintergrund der Aussagen ist ein massiver Einstieg der öffentlichen Hand. Im vergangenen Jahr wandelte die US-Regierung zuvor bewilligte Fördermittel in Höhe von 8,9 Milliarden US-Dollar in ein direktes Aktienpaket um.
Nach einer Platzierung im August beläuft sich die staatliche Beteiligung auf rund 8,2 Prozent, was einem Umfang von 433,3 Millionen Anteilscheinen entspricht. Trotz dieses gewichtigen Aktienpakets besitzt Washington keinen Sitz im Verwaltungsrat des Chipherstellers.
Tan betonte, dass diese unternehmerische Eigenständigkeit gewahrt bleibe und für den Aufbau des Foundry-Geschäfts elementar sei. Auch weitere Großinvestoren wie SoftBank und der Chipkonzern Nvidia halten Beteiligungen, um den Kurs des Branchenpioniers abzusichern.
Der Konzernchef verwies darauf, dass die Etablierung als führender Auftragsfertiger naturgemäß einen langen Atem erfordere und Branchenführer wie TSMC einst viele Jahre benötigten, um ihre dominante Marktstellung aufzubauen.
Fortschritte beim Umbau und Konkurrenz aus Asien
Gleichzeitig sieht Tan den internen Sanierungskurs zügig vorankommen. Die Restrukturierung des traditionsreichen Chipentwicklers sei mittlerweile zu rund 80 Prozent abgeschlossen. Der Konzern arbeite intensiv daran, seine operative Effizienz wiederzuerlangen und verlorenen Boden gutzumachen, nachdem jahrelange Verzögerungen bei Fertigungsprozessen die Marktposition gegenüber asiatischen Rivalen spürbar geschwächt hatten.
Aufhorchen ließen zudem Tans Einschätzungen zum weltweiten Wettbewerbsumfeld. Der Manager betonte, chinesische Halbleiter seien den amerikanischen Fähigkeiten keineswegs weit hinterher.
Erst vor wenigen Tagen hatte Tan bei einem Auftritt in Singapur auch chinesische Modelle der künstlichen Intelligenz als beachtlich leistungsfähig bezeichnet. Diese Äußerungen unterstreichen, dass der technologische Vorsprung westlicher Entwickler zunehmend unter Druck gerät.
Marktumfeld belastet trotz solider Jahresbilanz
An den Börsen konnte die verbale Beruhigung den jüngsten Abwärtsdruck im Technologiesektor allerdings nicht dämpfen. Im Zuge einer breiten Korrektur bei Halbleiterwerten schloss die Intel-Aktie am Freitag mit einem Verlust von 6,0 Prozent bei 79,91 Euro. Trotz des aktuellen Rücksetzers im laufenden Handel behauptet das Papier seit Jahresbeginn ein kräftiges Kursplus von 154 Prozent.
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