Ein Analyst erhöht sein Kursziel um 23 Prozent und rät trotzdem weiter zum Verkauf. Bei Intel prallen gerade zwei völlig gegensätzliche Sichtweisen aufeinander.
Rosenblatt sieht mehr Wert, aber kein Kaufsignal
Rosenblatt Securities hat sein Kursziel für Intel von 65 auf 80 US-Dollar angehoben. Die Einstufung bleibt trotzdem „Sell“. Als Begründung nennt das Analysehaus die steigende Nachfrage nach KI-Rechenleistung.
Damit bewegt sich Rosenblatt am unteren Rand einer breiten Erwartungsspanne. 48 von S&P Global befragte Analysten kommen im Schnitt auf ein Kursziel von 115,27 US-Dollar und eine Einstufung als „Hold“. Zwischen dem skeptischsten und dem durchschnittlichen Blick auf Intel liegen damit rund 35 US-Dollar – ein ungewöhnlich großer Graben für einen Large-Cap-Wert.
Die Aktie selbst zeigt genau dieses Spannungsfeld. Am Montag schloss das Papier bei 79,04 Euro, ein Plus von 1,09 Prozent. Über die vergangenen 30 Handelstage steht dennoch ein Minus von 26,01 Prozent zu Buche – ein deutlicher Rückschlag nach einem starken Lauf.
Sektorweiter Ausverkauf trifft Intel zusätzlich
Der Kursrutsch ist kein Intel-spezifisches Problem allein. Die gesamte Halbleiterbranche steckt in einer Korrektur, nachdem ein großer asiatischer Konkurrent enttäuschende vorläufige Zahlen vorgelegt hat. Das hat Zweifel an der PC- und Servernachfrage in der ganzen Branche geweckt.
Neue US-Zölle auf Importe aus Dutzenden Ländern verschärfen die Lage. Für Intel mit seinem weit verzweigten Produktionsnetzwerk bedeutet das zusätzliche Kosten- und Lieferkettenrisiken, deren Ausmaß noch unklar ist. Diese Unsicherheit liefert Marktteilnehmern einen Grund, der Aktie vorerst einen Abschlag zuzugestehen.
Bei den Geschäftszahlen zeigt sich ein gemischtes Bild. Intel erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 52,9 Milliarden US-Dollar, die operative Marge liegt aber bei minus 4,2 Prozent. Pro 100 Dollar Umsatz bleiben dem Konzern derzeit vier Dollar operativer Verlust.
Bilanz robust, Cashflow zeigt Investitionsdruck
Die Bilanz selbst wirkt solider als das operative Ergebnis vermuten lässt. Das Verhältnis von langfristigen Schulden zu Eigenkapital liegt bei 0,39 – ein Wert, der Intel laut Datenanbietern einen Bilanzscore von 94 von 100 Punkten einbringt. Auch die kurzfristige Liquidität ist mit einem Current Ratio von 2,02 solide, wenn auch ohne großen Puffer.
Beim Cashflow zeigt sich, wohin das Geld fließt. Intel erzielte einen operativen Cashflow von 9,7 Milliarden US-Dollar. Investitionen von 14,6 Milliarden US-Dollar fraßen davon mehr als das Doppelte auf und drückten den freien Cashflow auf minus 4,9 Milliarden US-Dollar.
Das ist kein Zeichen schwacher operativer Ertragskraft. Es zeigt vielmehr, wie viel Kapital Intel gerade in den Ausbau neuer Fertigungskapazitäten steckt. Genau an dieser Stelle trennen sich die Lager: Die einen sehen darin die Grundlage für ein echtes Comeback, die anderen eine Aktie, die für Perfektion bepreist ist – trotz laufender Verluste.
Ausblick
Zwischen Rosenblatts skeptischen 80 US-Dollar und dem Analystendurchschnitt von 115 US-Dollar liegt eine breite Bandbreite möglicher Entwicklungen. Wie schnell sich die Zollfragen klären und ob sich die Nachfragesorgen der Chipbranche als vorübergehend erweisen, dürfte den Ausschlag geben. In den kommenden Wochen entscheidet sich, ob Käufer die Aktie nach dem steilen Rückgang seit den Junihochs stabilisieren – oder ob neuer Verkaufsdruck aus dem gesamten Sektor die Korrektur verlängert.
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