Ein Kursziel von 200 Dollar für eine Aktie, die bereits als überbewertet gilt — das ist die auffällige Konstellation bei Intel. HSBC bekräftigte nach den jüngsten Quartalszahlen seine Kaufempfehlung und verweist auf Fortschritte in der Chipfertigung sowie ungebrochene Nachfrage nach Server-Prozessoren. Gleichzeitig warnt das eigene Datenmodell von InvestingPro, dass die Aktie relativ zu ihrem fairen Wert bereits zu teuer gehandelt wird.
Der Auslöser für den Optimismus ist ein Quartal, das die Erwartungen deutlich übertraf. Intel meldete einen bereinigten Gewinn von 42 Cent je Aktie bei einem Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar — Analysten hatten nur mit 21 Cent und 14,42 Milliarden Dollar gerechnet. Mit einem Umsatzplus von 25 Prozent verzeichnete der Konzern das stärkste Wachstum seit 2011.
Server-Geschäft treibt die Marge
Besonders das Rechenzentrumsgeschäft explodierte förmlich: Die Data-Center-Sparte wuchs um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar. Die Foundry-Sparte, in der Intel Chips für externe Kunden fertigt, legte um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu. Die Bruttomarge kletterte von mageren 2,5 Prozent im Vorjahresquartal auf 42 Prozent — ein Sprung, den HSBC als zentralen Beleg für die operative Trendwende wertet.
Finanzchef David Zinsner brachte das Kernproblem auf den Punkt: Die Nachfrage der Rechenzentrumskunden übersteigt die aktuelle Produktionskapazität. Zehn langfristige Liefervereinbarungen für Server-Prozessoren hat Intel deshalb bereits abgeschlossen. HSBC geht für 2027 von einem Umsatzwachstum bei Server-CPUs von 43 Prozent aus — mehr als doppelt so viel wie der Marktkonsens von 22 Prozent erwartet.
Investitionsoffensive nimmt Fahrt auf
Um die Nachfrage zu bedienen, schraubt Intel an der Kapitalausstattung. Die Investitionsprognose für 2026 wurde auf mehr als 20 Milliarden Dollar angehoben, von zuvor 17,7 Milliarden Dollar. Für 2027 soll das Niveau nach Unternehmensangaben nochmals deutlich steigen — HSBC rechnet mit 25,1 Milliarden Dollar, für 2028 sogar mit 30,1 Milliarden Dollar.
Die Aktie reagierte nach Handelsschluss zunächst mit einem Kurssprung von bis zu 13 Prozent, gab davon aber einen Teil wieder ab und pendelte sich bei einem Plus von rund 4,6 Prozent auf etwa 104,85 Dollar ein. Für das laufende Quartal stellt Intel einen Umsatz zwischen 15,8 und 16,8 Milliarden Dollar sowie einen Gewinn von 38 Cent je Aktie in Aussicht — beides klar über den bisherigen Analystenschätzungen von 15,1 Milliarden Dollar und 27 Cent. Einzig beim klassischen PC-Geschäft rechnet der Konzern wegen Engpässen bei Speicherbausteinen mit einer Stagnation im dritten Quartal.
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