Es gibt Quartalszahlen, die den Markt überraschen. Und dann gibt es Quartalszahlen wie diese von Intel. Nachbörslich schoss die Aktie um rund 20 Prozent nach oben, 65 Milliarden Dollar Marktwert entstanden in wenigen Stunden. Für ein Unternehmen, das in den letzten Jahren vor allem durch Managementfehler, verpasste KI-Chancen und Marktanteilsverluste aufgefallen war, ist das eine andere Dimension.
Die Zahlen, die niemand erwartet hat
Der Umsatz im ersten Quartal lag bei 13,58 Milliarden Dollar. Die Schätzungen der Analysten? 12,42 Milliarden. Das ist kein knappes Drüberliegen, das ist ein satter Schlag ins Gesicht aller, die Intel schon abgeschrieben hatten. Bereinigt verdiente das Unternehmen 29 Cent je Aktie, erwartet wurde gerade mal 1 Cent. Das Datencenter- und KI-Segment brachte 5,1 Milliarden Dollar, auch hier lagen die Schätzungen mit 4,41 Milliarden deutlich daneben.
Für das zweite Quartal erwartet Intel einen Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden Dollar. Der Konsens lag bei 13,07 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll bei 20 Cent liegen, erwartet wurden 9 Cent. Wer jetzt noch von einem Zufallstreffer spricht, muss das gut begründen.
Intel Corporation Aktie Chart
Tan hat geliefert, zumindest vorerst
CEO Lip-Bu Tan, seit etwas mehr als einem Jahr im Amt, hat das Unternehmen in kurzer Zeit umgebaut. Stellenabbau, Verkauf von Assets, und vor allem: Deals. Mit Google wurde die KI-CPU-Partnerschaft ausgebaut. Tesla ist nun erster großer Kunde für den 14A-Prozessor, der im Terafab-Projekt in Austin entstehen soll. SoftBank und Nvidia haben investiert, die US-Regierung ist ebenfalls an Bord. Das klingt nach einem Unternehmen, das wieder Anrufe annimmt.
Tan selbst sagte auf der Analystenkonferenz, der Aufschwung bei CPU-Nachfrage sei kein Wunschdenken, sondern komme direkt von den Kunden. Tatsächlich verschiebt sich der Markt gerade: Cloud-Anbieter wechseln vom Training großer KI-Modelle zur Ausführung autonomer KI-Agenten, und dabei sind CPUs gefragt, nicht nur GPUs.
Der Haken, den es immer gibt
Finanzchef David Zinsner räumte ein, dass ein Teil des starken Q1-Umsatzes aus Lagerbeständen stammte, die Intel eigentlich schon abgeschrieben hatte. Ältere oder schwächere Chips, die man nicht mehr zu verkaufen glaubte, fanden doch noch Abnehmer. Das ist keine Augenwischerei, aber es ist auch kein Beweis für strukturell starke Nachfrage.
Dazu kommt: Nvidia, AMD und Arm greifen alle denselben CPU-Markt an. Intel ist nicht allein in diesem neuen Spielfeld. Und die Foundry-Sparte, die Intel zu einem ernsthaften TSMC-Herausforderer machen soll, brachte im ersten Quartal weniger als 200 Millionen Dollar von externen Kunden. Der Rest war internes Geschäft.
Michael Schulman von Cerity Partners fasste es treffend zusammen: Intel sei eine Hochrisikowette darauf, ob das Unternehmen sich bis 2030 wirklich vom Schwergewicht zum schlanken Auftragsfertiger wandeln kann. Wer das glaubt, findet vielleicht einen attraktiven Einstieg. Wer es nicht glaubt, schaut auf eine Aktie, die in diesem Jahr bereits um 81 Prozent gestiegen ist und reichlich teuer wirkt.
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