Wer Intel vor einem Jahr gekauft hat, sitzt jetzt auf einem Gewinn von über 190 Prozent. Wer damals gezögert hat, schaut heute auf eine Aktie, die sich dem Allzeithoch annähert und fragt sich: Bin ich noch rechtzeitig dran? Die ehrliche Antwort lautet: aller Voraussicht nach nein. Zumindest nicht für den großen Einstieg.
Das Comeback ist jedenfalls real. CEO Lip-Bu Tan, seit März 2025 im Amt, hat Intel von einem schlingernden Industriedenkmal in einen amerikanischen Halbleiter-Hoffnungsträger verwandelt. Die Kultur wurde auf Engineering getrimmt, die Effizienz verbessert, und die Zahlen folgen langsam: Für das Fiskaljahr 2025 stieg die Bruttomarge von 32,7 auf 34,8 Prozent, der operative Verlust schrumpfte von 11,7 Milliarden auf 2,2 Milliarden Dollar, und der Non-GAAP-EPS kletterte auf 0,42 Dollar, nachdem 2024 noch ein Verlust zu Buche stand.
CPU ist wieder König, und Intel sitzt auf dem Thron
Was den Markt wirklich elektrisiert, ist nicht allein die Kostendisziplin. Es ist die Erkenntnis, dass die Agentic-AI-Ära den CPU zurück ins Zentrum rückt. Intel hält laut Mercury Research noch immer über 60 Prozent Marktanteil im Datacenter-CPU-Segment. Und die Signale aus der Praxis zeigen, dass CPU-Nutzung für KI-Training und Inferenz wieder beschleunigt. Das ist kein theoretisches Szenario mehr.
Dazu kommt die Foundry-Geschichte. Intel Foundry ist noch weit davon entfernt, ein Gewinntreiber zu sein: 17,8 Milliarden Dollar Segmentumsatz standen 2025 einem operativen Verlust von 10,3 Milliarden Dollar gegenüber, externe Kunden brachten gerade mal 307 Millionen Dollar.
Dennoch sieht der Markt hier die eigentliche Langfassung der Intel-Story. Die Rückkaufvereinbarung für Fab 34 von Apollo Global, Gespräche über Advanced Packaging mit Amazon und Google, und die Zusammenarbeit mit Elon Musks Terafab-Projekt: All das schürt Fantasie. Ob diese Fantasie in absehbarer Zeit auch Gewinne produziert, steht auf einem anderen Blatt.
Intel Corporation Aktie Chart
Das Bewertungsproblem lässt sich nicht wegdiskutieren
Hier liegt der Knackpunkt. Das Forward-KGV auf Non-GAAP-Basis liegt 444 Prozent über dem Sektordurchschnitt. Der Forward-PEG-Wert übertrifft den Median um 222 Prozent. Zum Vergleich: Nvidia, das Unternehmen, das Intel im GPU-Bereich seit Jahren vorführt, wird mit einem Forward-Multiple von knapp 24 gehandelt. Intel notiert bei über 125. Beide sollen laut Konsensschätzungen in den nächsten zwei Jahren ähnlich stark wachsen, über 50 Prozent im Schnitt.
41 Analysten erwarten für FY27 ein normalisiertes EPS-Wachstum von 102 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist beeindruckend auf dem Papier. Im Bullenfall, mit einem Forward-KGV von rund 80 und einem EPS von 1,10 Dollar für FY28, ergibt sich ein Kursziel von knapp unter 90 Dollar. Vom aktuellen Niveau bei rund 65 Dollar wären das gut 35 Prozent Aufwärtspotenzial. Im Bärenfall, operative Rückschläge und EPS von 0,90 Dollar mit einem Multiple von 60, landet die Aktie bei 55 Dollar. Minus 15 Prozent.
Das ist keine Bewertungsspanne, die einen Neueinstieg rechtfertigt, zumindest nicht für einen Anleger, der auf Sicherheit bedacht ist.
Q1 2026: Kein Befreiungsschlag zu erwarten
Intel hat für Q1 2026 einen Umsatz zwischen 11,7 und 12,7 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt, bei einem Non-GAAP-EPS von null. Im Vergleich: Q1 2025 brachte 12,7 Milliarden Umsatz und 0,13 Dollar EPS. Die Zahlen dürften also nicht begeistern, es sei denn, Intel liefert eine deutliche Überraschung nach oben. Was den Markt wirklich bewegen könnte, sind Neuigkeiten zu externen Foundry-Kunden, konkrete Fortschritte bei den Prozesstechnologien 18A und 14A, sowie weitere Details zur Google-Kooperation. Kommt das, kann der Markt über schwache Headline-Zahlen hinwegsehen.
Wer Intel früh gekauft hat, kann jetzt zumindest einen Teil der Gewinne sichern. Wer noch nicht drin ist, sollte sich fragen, ob er wirklich bereit ist, für eine Geschichte zu zahlen, deren Kapitel über Foundry-Profitabilität noch nicht geschrieben ist. Intel ist kein TSMC. Noch nicht.
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