Intel Aktie: Analysten trotzen Ausverkauf

Trotz eines branchenweiten Ausverkaufs und neuer Konkurrenz durch Nvidia heben Analysten ihre Intel-Kursziele an.

Auf einen Blick:
  • Intel-Aktie verliert knapp zehn Prozent
  • DeepSeek-Bericht belastet Chip-Sektor
  • Analysten erhöhen Kursziele für Intel
  • Nvidia drängt mit Vera-Chip in Intels Kernmarkt

Der Chipsektor steckt in einer handfesten Korrektur, und Intel steht mittendrin. Nach einem der stärksten Kursläufe des gesamten Sektors in diesem Jahr ging es für die Aktie am Dienstag um 9,66 Prozent auf 110,39 US-Dollar nach unten. Im vorbörslichen Handel am Mittwoch setzte sich der Rückgang fort, zeitweise auf 105,67 US-Dollar.

DeepSeek-Bericht trifft überkauften Markt

Auslöser der Baisse war eine Kombination aus zwei Faktoren. Zum einen belastete ein Bericht, wonach das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek an eigenen Chips arbeitet und damit die Marktmacht etablierter Anbieter infrage stellt, die Stimmung branchenweit. Zum anderen hielten Gewinnmitnahmen an, nachdem der Chip-Index PHLX Semiconductor sein bislang stärkstes Quartal hinter sich hatte und erstmals seit April unter seinen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt rutschte.

Verschärft wurde der Ausverkauf durch die vorläufigen Zahlen von Samsung Electronics. Der Umsatz des südkoreanischen Konzerns verdoppelte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr mehr als, der Gewinn stieg um mehr als das 19-Fache. Trotzdem gab die Aktie nach — der Markt hatte offenbar bereits eine noch größere Überraschung eingepreist, was den Abverkauf bei Chipwerten weltweit weiter befeuerte.

Kursziele steigen trotz Kursdrucks

Bemerkenswert: Mehrere Analysehäuser haben ihre Kursziele für Intel zuletzt angehoben, darunter HSBC, Bank of America und New Street Research — mitten in den Ausverkauf hinein. Für das zweite Quartal rechnet Intel selbst mit einem Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 7 bis knapp 15 Prozent gegenüber den 12,9 Milliarden US-Dollar im Vorjahresquartal. Beim Ergebnis je Aktie visiert das Unternehmen 0,08 US-Dollar an, nach einem Verlust von 0,67 US-Dollar je Aktie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die optimistische Analystenhaltung steht damit in einem gewissen Kontrast zur aktuellen Kursentwicklung — ein Muster, das sich auch bei anderen Chipwerten wie AMD und Micron Technology zeigt, die ebenfalls kräftig nachgaben.

Neue Konkurrenz im CPU-Kerngeschäft

Zusätzlichen Gegenwind liefert eine strukturelle Entwicklung im Prozessormarkt. Nvidia drängt mit seinem neuen „Vera“-Chip in das Segment vor, das lange von Intel und AMD dominiert wurde. Das KI-Unternehmen Perplexity hat bereits bestätigt, künftig auf die neuen Nvidia-Prozessoren zu setzen — nach OpenAI, Anthropic und Oracle ein weiterer prominenter Kunde. Nvidia rechnet mit rund 20 Milliarden US-Dollar Umsatz aus der Vera-Reihe bis Ende des laufenden Geschäftsjahres. Der Vorstoß richtet sich gezielt auf Workloads für autonom arbeitende KI-Agenten, die traditionelle CPU-Architekturen an ihre Grenzen bringen.

Für Intel bleibt die Gemengelage damit doppelbödig: Kurzfristig belastet der branchenweite Ausverkauf die Aktie, während die eigene Umsatzprognose für das zweite Quartal und die angehobenen Kursziele der Analysten auf operative Stärke hindeuten. Wie belastbar diese Einschätzung ist, dürfte sich zeigen, sobald Intel die tatsächlichen Quartalszahlen vorlegt.

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