Intel Aktie: 174 Millionen im Foundry-Geschäft

Intels Aktienkurs verharrt nahe Rekordhoch, während das externe Foundry-Geschäft nur 174 Millionen Dollar einbringt. Analysten sehen Abwärtspotenzial.

Auf einen Blick:
  • Aktie mit 480 Prozent Plus in zwölf Monaten
  • Foundry-Umsatz von nur 174 Millionen Dollar
  • Apple-Deal nur vorläufige Absprache
  • 18A-Prozess als entscheidender Wendepunkt

Fünf Prozent Kursverlust in einer Woche. Für die meisten Aktien wäre das eine Schlagzeile. Bei Intel ist es kaum mehr als Rauschen — und genau das ist die eigentliche Geschichte.

Die Aktie notiert am Montag bei 108,94 Euro, leicht unter dem Freitagsschluss von 109,10 Euro. Der Rückgang wirkt harmlos, gemessen an dem, was dahintersteckt: ein Minus von 5,50 Prozent innerhalb von sieben Handelstagen, rund 12,55 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro, aufgestellt erst am 30. Juni. Seit Jahresbeginn steht trotzdem ein Plus von 224,18 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 480,70 Prozent. Vor diesem Hintergrund sieht der Rücksetzer aus wie ein Rundungsfehler.

Genau das ist das Problem. Eine Aktie, die sich verfünffacht hat, kann sich nicht mehr auf Stimmung allein stützen. Irgendwann muss die Substanz nachliefern.

Eine Zahl, die nicht zur Bewertung passt

Intels externes Foundry-Geschäft — Fertigungsdienste für andere Kunden als Intel selbst — brachte im ersten Quartal ganze 174 Millionen Dollar ein. Der Marktwert des Konzerns liegt bei 528,61 Milliarden Euro. Die gesamte Neubewertung der Aktie basiert auf der Annahme, dass aus dieser kleinen Zahl irgendwann eine sehr große wird.

Diese Lücke zwischen Erzählung und Bilanz hat die Anleger in der vergangenen Woche nervös gemacht. Chip-Aktien wurden breit verkauft, Intel traf es über mehrere Sitzungen hinweg besonders hart.

Der stärkste Treiber der gesamten Rally war ein Bericht, wonach Intel eine Vereinbarung zur Chipfertigung für Apple getroffen habe. Das Wall Street Journal berichtete allerdings nur von einer vorläufigen Absprache — kein unterschriebener Vertrag, keine offizielle Bestätigung durch eine der beiden Firmen. Taiwan Semiconductor bliebe demnach weiterhin Apples Hauptlieferant. Zwischen einer vorläufigen Verständigung und einem festen Auftrag liegt genau die Distanz, an der Intels Foundry-Ambitionen schon früher gescheitert sind.

Der Belastungstest heißt 18A

Intels gesamtes Comeback in der Fertigung hängt an einer einzigen Technologie: dem 18A-Prozessknoten. Er treibt sowohl die eigenen Panther-Lake-Laptop-Chips als auch das Angebot an externe Kunden an. Analysten, die das Foundry-Geschäft beobachten, sind unmissverständlich: Der Wendepunkt bei der Ausbeute muss in der ersten Jahreshälfte 2026 kommen. Erst wenn die 18A-Ausbeute ein bestimmtes Niveau erreicht, kann Intel überhaupt externe Kunden aufnehmen.

Selbst Finanzchef David Zinsner signalisiert, dass die Strategie noch in Bewegung ist. Er erklärte kürzlich, Intel überdenke gerade, ob 18A parallel zum neueren 14A-Knoten externen Foundry-Kunden angeboten wird. Ein weiteres Detail unterläuft die eigene Botschaft still und leise: Mehr als 90 Prozent der Nova-Lake-Desktop-CPUs entstehen auf TSMCs N2-Prozess — nicht in Intels eigenen Fabriken.

Der Markt hat das durchaus registriert. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 101,21 Euro, gut 7,63 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Der 200-Tage-Durchschnitt von 53,33 Euro zeigt, wie weit die Aktie inzwischen gelaufen ist — mehr als das Doppelte dieser längerfristigen Marke. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 86,08 Euro. Das entspricht einem Abwärtspotenzial von rund 21 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Das liest sich weniger wie Pessimismus, mehr wie ein Hinweis darauf, dass die Modelle der Wall Street mit dem Momentum der Aktie noch nicht mitgekommen sind.

Dementis, Gerüchte und der Hunger nach der nächsten Wende

Zur Unruhe trug zusätzlich bei, dass Intel öffentlich Spekulationen rund um die eigene KI-Anbindung dementieren musste. Ein Insider wies Gerüchte über Gespräche mit Anthropic und über eine mögliche staatliche Beteiligung zurück. Das zeigt vor allem eines: wie hungrig Anleger inzwischen jede KI-Schlagzeile mit Intel verknüpfen — bestätigt oder nicht.

Parallel dazu baut Intel die Fertigungskapazitäten physisch weiter aus. Der Spatenstich für die Erweiterung des Werks in Santa Clara, das künftig fortschrittliche 18A- und 14A-Technologie tragen soll, fiel in dieselben turbulenten Handelstage.

Was die Schwankungen wirklich einpreisen

Eine annualisierte 30-Tage-Volatilität von 89,07 Prozent bei einem RSI von 51,7 — neutrales Terrain, weder überkauft noch überverkauft — beschreiben eine Aktie, die aufgehört hat, sauber in eine Richtung zu laufen. Sie verdaut stattdessen einen gewaltigen Anstieg. Bei einer Marktkapitalisierung von 528,61 Milliarden Euro wird Intel weniger wie ein angeschlagener Alt-Chiphersteller bewertet, mehr wie ein Unternehmen, das das Foundry-Geschäft bereits gewonnen hat, das es eigentlich erst noch aufbauen muss.

Reicht eine vorläufige Apple-Absprache und ein Wendepunkt bei 18A, der frühestens 2026 kommt, um eine Bewertung von einer halben Billion Euro zu rechtfertigen? Der nächste Quartalsbericht wird zeigen, ob aus Ankündigungen tatsächlich Aufträge werden — oder ob der außergewöhnliche Zwölfmonats-Lauf der Aktie den Fundamentaldaten schlicht davongelaufen ist.

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