Aus der angekündigten Übernahme ist ein unterschriebener Vertrag geworden. Der Finanzinvestor KKR übernimmt den Medizintechnik-Zulieferer Integer Holdings in einer reinen Bar-Transaktion mit einem Unternehmenswert von 5,7 Milliarden Dollar. Für Aktionäre bedeutet das 127 Dollar je Aktie in bar — der Vorstand hat dem Deal einstimmig zugestimmt.
Der gebotene Preis wirkt auf den ersten Blick moderat: Gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag entspricht er nur einem Aufschlag von rund 4,8 Prozent. Wer aber den Kurs vor Beginn der strategischen Überprüfung am 29. April 2026 als Referenz nimmt, kommt auf eine Prämie von etwa 51,8 Prozent. Gegenüber dem 30-Tage-Durchschnittskurs zum 31. Juli 2026 liegt der Aufschlag bei 28,8 Prozent — ein Hinweis darauf, dass die Integer-Aktie im Vorfeld bereits stark auf Übernahmespekulationen gestiegen war.
Vorstand beendet monatelange Prüfung
Der Deal ist das Ergebnis einer umfassenden, vom Board geführten strategischen Überprüfung, die Integer bereits am 30. April 2026 eingeleitet hatte. Die Transaktion ist nicht an eine Finanzierungsbedingung geknüpft — KKR finanziert den Kauf über eigenes Kapital und zugesagte Fremdfinanzierung. Der Abschluss wird bis Jahresende erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der Integer-Aktionäre und der üblichen regulatorischen Freigaben.
Wegen des laufenden Verfahrens zieht Integer seinen bisherigen Finanzausblick zurück und sagt die für den 6. August 2026 geplante Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen ab.
Operatives Geschäft schwächelt im zweiten Quartal
Die zeitgleich veröffentlichten Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeigen, warum ein Verkauf für das Board attraktiv erscheint. Der Umsatz sank um 2,6 Prozent auf 464 Millionen Dollar, das operative Ergebnis nach GAAP brach um 42 Prozent auf 35 Millionen Dollar ein. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte dagegen leicht um 3 Prozent auf 1,60 Dollar zu.
Die Schuldenlast wuchs parallel weiter: Die Gesamtverschuldung stieg um 53 Millionen auf 1,238 Milliarden Dollar, was einem Verschuldungsgrad von 3,2 mal dem bereinigten EBITDA entspricht. Im Kerngeschäft mit Herz- und Gefäßprodukten gingen die Erlöse leicht zurück, während der Bereich Herzrhythmus- und Neuromodulation moderat zulegte.
Der Kursausschlag am Ankündigungstag spricht eine deutliche Sprache: Die Integer-Aktie sprang um gut 20 Prozent nach oben und näherte sich damit dem Übernahmepreis von 127 Dollar deutlich an. Der Handel dürfte sich in den kommenden Wochen vor allem um die Frage drehen, ob die Aktionärsversammlung und die Kartellbehörden dem Deal bis zum geplanten Abschluss Ende 2026 grünes Licht geben.
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