Binnen eines Tages verlor innoscripta mehr als die Hälfte seines Börsenwerts. Auslöser ist eine Durchsuchung wegen möglicher Steuervergünstigungen bei Forschungszulagen. Das Unternehmen weist die Tragweite zurück, der Markt preist dennoch erhebliche Unsicherheit ein.
Was den Ermittlern vorgeworfen wird
Am 1. Oktober durchsuchten Ermittler Geschäftsräume in Tutzing und München. Grundlage waren zwei Beschlüsse des Amtsgerichts Schwäbisch Gmünd. Es geht um den Verdacht der Beihilfe zur Erlangung ungerechtfertigter Steuervorteile: innoscripta soll Kunden bei Anträgen auf Forschungszulagen unterstützt haben. Ein Fehlverhalten ist damit nicht festgestellt.
Vorstandschef Michael Hohenester zeigte sich überrascht und sagte volle Kooperation zu. Nach bisherigem Kenntnisstand betreffe der Vorwurf einzelne Mitarbeiter bei bestimmten Kundenmandaten. Der betroffene Mitarbeiter habe das Unternehmen schon vor mehreren Jahren verlassen. Der operative Betrieb laufe weiter, Vorgänge des laufenden Geschäftsjahres seien nach aktuellem Stand nicht berührt.
Zur Verteidigung verweist die Gesellschaft auf das zweistufige Verfahren. Zunächst prüft die Bescheinigungsstelle Forschungszulage die fachlichen Kriterien, danach setzt das Finanzamt die Zulage fest.
Die Verantwortung für die Angaben gegenüber den Behörden liege bei Kunden und deren Steuerberatern. Mehrere Tausend Zulagen seien festgesetzt und in Betriebsprüfungen bestätigt worden. Aktionäre lädt das Unternehmen zu einer Produktvorstellung nach Tutzing ein.
Kurs und Analysten
Die Aktie brach am Donnerstag um 58 Prozent ein. Zuletzt notierte sie bei gut 41 Euro, am Freitagabend auf Tradegate gut 9 Prozent im Plus. Das liegt rund zwei Drittel unter dem Ausgabepreis von 120 Euro aus dem Börsengang im Mai 2025. Die Marktkapitalisierung beträgt nur noch etwa 400 Millionen Euro.
Warburg Research hat Kursziel (zuvor 225 Euro) und Kaufempfehlung vorerst ausgesetzt. Die Risiken ließen sich derzeit nicht quantifizieren.
Altlast KI-Skepsis
Schon vor der Razzia stand der Titel unter Druck. Am Markt wächst die Sorge, KI-Werkzeuge könnten Teile der Dokumentations- und Prüfprozesse automatisieren und die Margen des Softwaregeschäfts drücken. Zum Gegenwind beim Geschäftsmodell kommen nun rechtliche Vorwürfe.
Beim Börsengang flossen die Erlöse von rund 218 Millionen Euro vollständig an die Gründer, nicht ans Unternehmen. Marktbeobachter dürften das Thema nun kritischer betrachten.
Eine abschließende rechtliche Bewertung steht aus. Sie liegt bei den Ermittlungsbehörden, und innoscripta kann derzeit weder zum Verfahrensinhalt noch zu möglichen finanziellen Folgen für die Gruppe Angaben machen.
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