Die Aktie des KI-Datenlieferanten Innodata hat in den vergangenen 2 Wochen um mehr als 30% zugelegt und damit einen großen Teil ihrer Sommerverluste wieder aufgeholt. Allein am Dienstag der Vorwoche schoss der Kurs um 14,6% nach oben.
Auslöser war ein Bericht der US-Recherchefirma Hunterbrook, nach dem Innodata am Training von Muse beteiligt sein soll, dem neuen KI-Assistenten von Meta. Muse ist binnen weniger Tage an die Spitze der kostenlosen iPhone-Apps in den USA gestürmt.
Unverzichtbare Innodata: Datenlieferant für KI-Modelle
Innodata ist nur wenigen deutschen Privat-Anlegern bekannt, dabei ist die Wichtigkeit des an der Börse mit 2,3 Mrd. Dollar bewerteten Unternehmens nicht zu verachten. Denn Innodata liefert Trainingsdaten für künstliche Intelligenz. Das US-Unternehmen erstellt und prüft Daten, mit denen große Sprachmodelle trainiert werden, testet fertige KI-Systeme auf Schwachstellen und hilft Konzernen, KI in ihre Abläufe einzubauen. Zu den Kunden zählen fünf der sieben „Magnificent Seven“, also der größten US-Technologiekonzerne, sowie mehrere führende KI-Labore.
Namentlich nennt Innodata seine Kunden allerdings nicht. Damit ist das Unternehmen direkt an den Milliardenbudgets beteiligt, die diese Konzerne derzeit in künstliche Intelligenz stecken. Den Kernmarkt bilden weltweit rund 20 Organisationen, die die fortschrittlichsten KI-Basismodelle entwickeln.
Jede davon gibt Milliarden für Rechenleistung aus und braucht hochwertige Daten, damit ihre Modelle richtige Antworten geben, richtige Entscheidungen treffen und verlässliche Analysen liefern. Viele Anleger schauen beim KI-Boom vor allem auf Chips und Rechenzentren. Dabei gilt neben der Rechenleistung zunehmend die Qualität der Trainingsdaten als entscheidender Engpass für bessere Modelle.
Umsatz wächst um mehr als 50%
Wie gefragt diese Daten sind, zeigen die Geschäftszahlen. Im ersten Quartal wuchs der Umsatz um 54% auf 90,1 Mio. $, im zweiten Quartal um 58% auf 92,1 Mio. $. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) übertraf mit 25,4 Mio. $ die Erwartungen um 50%, die bereinigte Bruttomarge kletterte auf 49%. Innodata wächst also nicht nur schnell, sondern verdient dabei auch mehr an jedem umgesetzten Dollar.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management mindestens 40% Umsatzwachstum, nachdem es die Prognose im Mai von zuvor 35% angehoben hatte. Auf Basis des Vorjahresumsatzes von 251,7 Mio. $ entspricht das mindestens 352 Mio. $. Nach dem ersten Halbjahr stehen bereits gut 182 Mio. $ in den Büchern.
Hält Innodata im zweiten Halbjahr lediglich das Tempo der ersten sechs Monate, landet der Jahresumsatz bei rund 364 Mio. $ – ein Plus von etwa 45%. Die Prognose wirkt damit eher vorsichtig. Zusätzlichen Schub bringt ein neuer Kunde aus dem Kreis der großen Tech-Konzerne, mit dem Innodata in diesem Jahr rund 51 Mio. $ Umsatz erwartet.
Die Spur führt zu Meta
Zurück zu Muse. Meta hat den KI-Assistenten vor gut zwei Wochen gestartet. Muse surft im Netz, verwaltet E-Mails und Kalender und erledigt sogar Besorgungen. Dass Innodata dabei eine Rolle spielt, legt der Hunterbrook-Bericht nahe. Die Rechercheure haben Stellenausschreibungen ausgewertet und mit ehemaligen Innodata-Mitarbeitern gesprochen.
Ihr Ergebnis: Meta ist der größte Kunde von Innodata und stand 2025 für rund 146 Mio. $ oder 58% des Umsatzes. Besonders aufschlussreich ist ein neuer Auftrag dieses Großkunden, den Innodata im August gemeldet hat. Er dreht sich um die Personalisierung von KI-Agenten, die lange, komplexe Aufgaben selbstständig erledigen – und genau das ist die Kernfunktion von Muse.
Der Bericht entkräftet zudem eine Sorge, die zuletzt auf der Aktie lastete: dass Meta nach dem Einstieg beim Konkurrenten Scale AI Aufträge von Innodata abziehen könnte. Ein ehemaliger Mitarbeiter sagte, die Zusammenarbeit sei seither eher gewachsen. Der Fairness halber: Weder Meta noch Innodata haben die Verbindung bestätigt, und Hunterbrook ist selbst in der Aktie investiert.
Welchen Wert Meta solchen Dienstleistern beimisst, zeigte der Konzern bereits im Vorjahr: Für eine Beteiligung von 49% an Scale AI zahlte er rund 14 Mrd. $. Innodata bringt an der Börse nur einen Bruchteil davon auf die Waage. Mit dem Sprung von Chatbots zu KI-Agenten, die selbstständig mehrstufige Aufgaben erledigen, dürfte der Datenhunger weiter wachsen.
Neue Führung für die nächste Wachstumsphase
Parallel stellt sich Innodata an der Spitze neu auf. In der kommenden Woche übernimmt Rahul Singhal den Chefposten, Gründer Jack Abuhoff bleibt als Executive Chairman an der Spitze des Aufsichtsgremiums. Singhal war seit 2019 Produktchef, seit 2022 Vertriebschef und ist seit November 2025 stellvertretender Konzernchef. Abuhoff bezeichnet ihn als Hauptarchitekten der Wandlung von Innodata zum strategischen Partner der weltweit führenden KI-Entwickler. Bereits im Juli hat mit Jayant Chauhan ein neuer Finanzchef angefangen, der über zwei Jahrzehnte Erfahrung darin mitbringt, globale Technologieunternehmen zu skalieren.
Seit Mitte September sitzt zudem Michael Rogers im Board, der frühere Direktor des US-Geheimdienstes NSA und Chef des US Cyber Command. Er soll den Ausbau des Behörden- und Cyber-KI-Geschäfts begleiten. Die Behördensparte Innodata Federal ist erst seit Herbst 2025 am Start und hat bereits einen ersten Auftrag über rund 25 Mio. $ an Land gezogen, überwiegend für dieses Jahr. Mit einem Mann vom Format eines Michael Rogers dürften sich in Washington weitere Türen öffnen.
Bewertung lässt weiter Luft
Trotz des jüngsten Kurssprungs notiert die Aktie mit knapp 70 $ noch deutlich unter ihren Sommerhochs. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 122,75 $ und damit rund 75% über dem aktuellen Kurs. Das Geschäft wächst kräftig und zunehmend profitabel, die Prognose wirkt konservativ, und mit dem neuen Führungsteam ist Innodata für die nächste Wachstumsphase aufgestellt.
Offen bleibt, ob sich die Verbindung zu Muse bestätigt – die Indizien sprechen jedenfalls dafür, dass Innodata tief im KI-Geschäft des wichtigsten Kunden verankert ist.
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